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Interview

Kinder in Afghanistan - "Sie haben Angst, aber sie wollen zur Schule"

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Die Taliban haben zugesagt, dass Mädchen weiter in die Schule gehen dürfen. Doch darauf könne man sich nicht verlassen, sagt Tanja Khorrami vom Verein Afghanistan-Schulen.

Archiv: Afghanische Mädchen besuchen Schulklassen in einer Grundschule in Kabul, Afghanistan,
Afghanische Mädchen in einer Grundschule in Kabul, Afghanistan (Archivbild):
Quelle: picture alliance / AP / Rahmat Gul

Der Hilfsverein Afghanistan-Schulen zeigt sich tief besorgt über die Zukunft von Frauen und Mädchen in Afghanistan. Denn auf das Versprechen der Taliban, Mädchen weiter den Schulunterricht zu ermöglichen, gebe man "leider nach der Erfahrung mit den Taliban nicht allzu viel", sagte die stellvertretende Vereinsvorsitzende Tanja Khorrami im ZDF-"Morgenmagazin".

Womöglich gebe es innerhalb der Taliban-Führung tatsächlich eine Tendenz zu einer leichten Öffnung, "aber es ist nicht gesagt, dass vor Ort die örtlichen Taliban das beachten".

Kinder in Afghanistan kennen keine Taliban-Herrschaft. "Die haben höchstens eine Vorstellung davon, was ihre Eltern ihnen erzählt haben", so Tanja Khorrami, Afghanistan-Schulen.

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Fraglich, ob Schulen öffnen werden

Der Landesdirektor ihres Vereins habe lange Gespräche mit den Taliban geführt und es gebe eine schriftliche Erlaubnis alle Projekte weiterzuführen - noch sind allerdings Ferien und sie könne noch nicht sagen, wie es tatsächlich laufen wird. "Wenn wirklich alle wieder zur Schule kommen, sind das 3.000 Mädchen und unser Ausbildungszentrum kann geöffnet werden", sagt sie. Allerdings hätten viele Eltern Angst, ihre Kinder raus zu lassen und viele seien auch schon geflüchtet.

Die mehr als hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins in Afghanistan lebten derzeit in großer Angst, sagte Khorrami weiter:

Es gibt eigentlich überhaupt niemanden, der sich nicht vor diesen Taliban fürchtet, die jetzt da an der Macht sind.
Tanja Khorrami, Hilfsverein Afghanistan-Schulen

Die meisten seien überzeugt, "dass nichts anderes mehr helfen kann als ausreisen". Der Großteil werde dies versuchen, viele könnten aber auch aus familiären Gründen das Land nicht verlassen.

Kinder oft keine Vorstellung von Taliban

Die Kinder hätten oftmals keine Vorstellung von den Taliban - sie kennen sie nur aus den Erzählungen ihrer Eltern. "Sie haben Angst, aber sie wollen weiter zur Schule gehen", erzählt Khorrami. "Sie wollen ihr Land verändern, so wie es vor dem Krieg und den Taliban war." Das sei 40 Jahre her - oft könnten sich nicht mal die Eltern daran erinnern. "Sie wollen ihr Land verändern - und zwar nicht in Richtung Taliban", sagt sie.

Die 1983 gegründete Hilfsorganisation 'Afghanistan-Schulen - Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan' mit Sitz in Oststeinbek bei Hamburg hat nach eigenen Angaben seit 2002 in dem Land am Hindukusch insgesamt 65 Schulen für 75.000 Schülerinnen und Schüler gebaut.

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von Nils Metzger
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