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Ortskräfte sitzen in Kabul fest - Die Verzweiflung der Zurückgelassenen

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Mit wachsender Verzweiflung sitzen viele in Kabul fest: Immer noch warten Tausende Afghanen darauf, nach Deutschland kommen zu können. Sie harren aus - und fürchten die Taliban.

Schutzbedürftige Menschen nach dem Flug aus Kabul. Archivbild
Die Ausreise schutzbedürftiger Menschen aus Kabul lief chaotisch ab.
Quelle: Marc Tessensohn/Bundeswehr/dpa

Tawfiq Bashardost wähnte sich schon fast in Sicherheit. Der frühere Bundeswehr-Übersetzer aus dem nordafghanischen Masar-i-Scharif steht auf der Liste der Ortskräfte, die in Deutschland Schutz finden sollen. Während der Evakuierungen im vergangenen Monat habe ihn die Bundeswehr angerufen und zu einem Treffpunkt in Kabul bestellt, sagt der 34-Jährige. Von dort aus hätte ein Fahrzeug ihn und seine Ehefrau zum Flughafen bringen sollen.

Am Airport sprengte sich am selben Tag ein Selbstmordattentäter in die Luft. Die Evakuierung wurde abgesagt, die letzten Bundeswehr-Flieger hoben ohne Bashardost ab - der mit wachsender Verzweiflung in Kabul festsitzt.

Tausende warten auf ihre Evakuierung

Die Evakuierungsmission der Bundeswehr in Afghanistan endete am 26. August, die der US-Streitkräfte wenige Tage später. Doch die große Mehrheit der Ortskräfte, die für deutsche Behörden dort gearbeitet haben, wurde nicht ausgeflogen.

Wenn man die Angehörigen mitzählt, warten immer noch Tausende Afghanen darauf, nach Deutschland kommen zu können. Bis auf wenige Charterflüge wird der Flughafen Kabul aber weiterhin nicht angeflogen. Der Landweg in die Nachbarländer ist nicht nur potenziell gefährlich, sondern meist auch viel zu teuer.

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Bashardost sagt, er habe fast zehn Jahre lang in Nordafghanistan für die Internationale Schutztruppe Isaf gearbeitet, die in der Region unter deutschem Kommando stand. Ende 2015 habe er wegen der immer schlechteren Sicherheitslage in Nordafghanistan gekündigt. Seine Familie sei damals schon von den Taliban bedroht worden, er sei nach Kabul gezogen. Seit die Islamisten dort wieder an die Macht zurückgekehrt sind, lebe er in Angst.

"Niemand glaubt den Versprechen der Taliban"

Die Übergangsregierung der Taliban hat eine Amnestie für ihre Gegner aus Kriegszeiten verkündet. Amnesty International wirft den Taliban aber gezielte Menschenrechtsverletzungen vor, darunter die Tötung von Zivilisten und sich ergebenden Soldaten. "Natürlich glaubt niemand den Versprechen der Taliban", sagt Bashardost. Er habe in seinem früheren Job für die ausländischen Truppen bei Verhören von gefangenen Taliban-Kämpfern übersetzt. "Sie kennen mein Gesicht."

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Bashardost hat eine Notfallnummer von der Bundeswehr bekommen. Er hat außerdem eine E-Mail vom 6. September, in der die Bundeswehr versichert, dass Zusagen für eine Aufnahme in Deutschland ihre Gültigkeit behielten. Eine Evakuierungsliste sei an die deutsche Botschaft in Taschkent im Nachbarland Usbekistan übergeben worden. Sollte Bashardost dort abgewiesen werden, solle er die Bundeswehr kontaktieren.

"Unsere Leben sind in Gefahr"

Bashardost hat allerdings keine Ahnung, wie er und seine Ehefrau aus Afghanistan herauskommen sollten. Ein Visum für Usbekistan sei nur über Mittelsmänner erhältlich, die dafür 700 Dollar (knapp 600 Euro) verlangen. Auch eine Reise nach Pakistan sei mit hohen Kosten verbunden. "Das kann ich mir nicht leisten", sagt der frühere Übersetzer, der derzeit in einem billigen Gästehaus in Kabul untergetaucht ist.

Bashardost hegt keinen Groll gegen die Deutschen, die sich immerhin um die Evakuierungen bemühten.

Wir verstehen die Sicherheitsprobleme. Aber sie sollten zumindest wissen, dass unsere Leben in Gefahr sind.
Tawfiq Bashardost

Auf eigene Faust über den Iran nach Deutschland

Wie Bashardost hängt auch Lutfullah Mashal in Kabul fest. Er hat von 2008 bis 2010 im nordafghanischen Feisabad für die Bundeswehr gearbeitet, danach wechselte er bis 2014 als Übersetzer zu den deutschen Polizeiausbildern in Feisabad. Der heute 34-Jährige hat eine Mail der Bundespolizei vom 20. August, in der steht, dass er auf der Evakuierungsliste stehe. Doch bis zum Ende der Evakuierungsflüge sei er rund drei Dutzend Mal erfolglos in dem Chaos vor dem Flughafentor gewesen.

Wenn die Deutschen ihn nicht in den nächsten ein, zwei Monaten herausbringen, will sich Mashal mit seiner Familie in den Iran durchschlagen. Von dort aus werde er dann versuchen, nach Deutschland zu gelangen - als Flüchtling.

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