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Machtübernahme der Taliban - Afghanistan: Widerstand im Pandschir-Tal

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Der Sohn eines bekannten Widerstandskämpfers und Ex-Vizepräsident Saleh wollen sich den Taliban entgegenstellen. Ausgang: ungewiss.

Ahmad Massud spricht im Pandschirtal zu Unterstützern
Ahmad Massud spricht im Pandschir-Tal zu Unterstützern (Archivbild, 2019).
Quelle: Reuters/Mohammad Ismail

Nördlich von Kabul, im Pandschir-Tal, keimt der Widerstand gegen die Taliban. Der Sohn von Ahmad Schah Massud, einem legendären verstorbenen Kämpfer gegen die Taliban, verkündete unter anderem in der "Washington Post", er verfüge über die nötigen Kräfte für einen wirksamen Widerstand.

In Online-Netzwerken zeigt Ahmad Massud sich mit dem afghanischen Ex-Vize-Präsidenten Amrullah Saleh, der sich ebenfalls ins Pandschir-Tal zurückgezogen und Widerstand angekündigt hat.

Pandschir-Tal nicht von den Taliban erobert

Doch der Ausgang der lautstarken Ankündigungen ist Experten zufolge ungewiss.

Der Widerstand ist vorerst nur verbal, weil die Taliban nicht versucht haben, in das Tal vorzudringen.
Gilles Dorronsoro, Politikwissenschaftler an der Pariser Sorbonne

Bill Roggio vom US-Forschungsinstitut FDD bestätigt, dass das Tal von den Taliban nicht erobert wurde. Er macht zugleich darauf aufmerksam, dass der Status der Nachbar-Provinz Parwan nicht geklärt sei; Salehs Einheiten hätten versucht, vom Pandschir-Tal aus ihre Kontrolle dorthin auszuweiten.

Am Samstag traf sich der bisherige Vorsitzende des Rates für Nationale Versöhnung, Abdullah Abdullah, mit Ältesten, Religionsgelehrten, Vertreten und Kommandeuren der Provinz Pandschir. Es liefen Gespräche zur Zukunft der Provinz, twitterte Abdullah.

So haben die Taliban Afghanistan erobert. Der Vormarsch der Islamisten im Zeitraffer.

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Massud und Saleh verfolgen unterschiedliche Ziele

Die Taliban seien in Kabul "ohne viel Gewalt" an die Macht gelangt, sagte Bill Roggio. Wenn sie nun einen "frontalen Angriff" mit allem "symbolischen Gewicht" auf das Pandschir-Tal starteten, liefe das ihrem Willen zuwider, sich zu "normalisieren".

Gleichzeitig sind die Zielsetzungen von Ahmad Massud und Saleh unterschiedlich, wenn nicht unvereinbar. Politikwissenschaftler Gilles Dorronsoro bescheinigt den beiden eine "Dissonanz". Massud habe "keine offizielle Position" und verfüge in Afghanistan über "keine starke Unterstützung außer im Pandschir-Tal".

Taliban-Kämpfer patrouillieren am 18.08.2021 im Stadtteil Wazir Akbar Khan in der Stadt Kabul, Afghanistan.
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Die Taliban haben die Macht in Afghanistan übernommen, westliche Staaten versuchen, Staatsbürger und ehemalige Ortskräfte aus Kabul auszufliegen. Die Entwicklungen hier im Blog.

Ein französischer Experte, der sich in der Region auskennt, vertritt die Ansicht, dass Massud der "Legende" seines Vaters nacheifere.

Er fühlt sich als Träger eines Erbes, gibt sich als kleiner Löwe.
Franzose, der Ende der 90er Jahre auf der Seite Massuds kämpfte

Massuds Vater nannte sich "der Löwe des Pandschir-Tals". Sein Sohn ziehe daraus offenbar den Schluss: "Wenn jemand Widerstand leisten muss, dann bin ich es." Saleh strebt ein ganz anderes Erbe an. Nach der Flucht von Aschraf Ghani aus Kabul sieht er sich als verfassungsmäßiger Präsident des Landes.

Per Videobotschaft hat sich der aus Afghanistan geflüchtete Präsident Aschraf Ghani gemeldet. Er sei geflüchtet, um ein Blutvergießen zu verhindern.

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Verhandlungen oder vehementer Widerstand?

Es ist noch nicht absehbar, ob in den kommenden Wochen Verhandlungen mit den Taliban oder eine vehemente Form des Widerstands aus dem Pandschir-Tal anstehen.

Die politischen Interessen der Tal-Bewohner werden in Kabul derzeit vom früheren Regierungschef Abdullah Abdullah und in Pakistan von Verwandten Massuds vertreten, wie der französische Experte erläutert. Er hält es für möglich, dass der Widerstand im Pandschir-Tal vor allem dazu dienen soll, Druck auf die Verhandlungen in Kabul zu erzeugen.

Nach der Machtübernahme der Taliban setzen mehrere Länder die Entwicklungshilfe für Afghanistan vorerst aus. Ein richtiger Schritt? ZDFheute live diskutiert.

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Militärisch keine Chance gegen die Taliban

Saleh hingegen folge einer völlig anderen Logik, weil er ein "persönlicher Feind der Taliban" sei.

Militärisch gibt es gegen die Taliban so gut wie keine Chance. Die Islamisten müssten das Tal lediglich "abriegeln", sagt der Politikwissenschaftler Gilles Dorronsoro. Es sei nicht erforderlich, wirklich in das Tal vorzudringen.

Massud habe Jugendliche, Fahrzeuge, Hubschrauber und Munition, sagt der frühere französische Kämpfer. Dennoch stimmt er dem Wissenschaftler zu: "Sie können so tun als ob, sich im Tal verschanzen, aber kaum mehr."

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