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Nach Machtübernahme - Proteste gegen Taliban nehmen zu

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Afghanische Fahnen werden geschwenkt, in mehreren Städten gibt es am Unabhängigkeitstag kritische Kundgebungen: Die Taliban reagieren mit Schüssen, es gibt Tote.

Proteste gegen die Taliban in Jalalabad, Afghanistan
Proteste gegen die Taliban im afghanischen Jalalabad.
Quelle: reuters

In Afghanistan flammen nach der Übernahme der Macht durch die radikal-islamischen Taliban erstmals in mehreren Teilen des Landes Proteste auf. Am Unabhängigkeitstag an diesem Donnerstag sei es in Kabul und in mehreren Städten im Osten des Landes zu Menschenansammlungen gekommen, berichteten Augenzeugen.

Tote bei Protesten in den Provinzen

Taliban-Kämpfer eröffneten bei einer Kundgebung in der Stadt Asadabad im Nordosten des Landes das Feuer und töteten mehrere Menschen, berichtete der arabische Sender Al Dschasira. In der Hauptstadt der Ost-Provinz Kunar waren Hunderte von Menschen auf die Straßen geströmt. Sie schwenkten afghanische Fahnen.

Augenzeugen berichteten, dass es daraufhin Schüsse und eine Massenpanik gegeben habe. Mehrere Menschen seien bei den Protesten ums Leben gekommen, doch sei unklar, ob sie durch Schüsse der Taliban oder bei einer anschließende Massenpanik getötet worden seien, sagte ein anderer Zeuge.

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Doch andernorts gab es weitere Tote: Ein Familienangehöriger eines Journalisten des deutschen Auslandssenders Deutsche Welle (DW) wurde von Taliban-Kämpfern erschossen. Die Taliban hätten im Westen des Landes von Haus zu Haus nach dem Journalisten gesucht, der aber inzwischen in Deutschland arbeite, berichtete die Deutsche Welle. Ein zweiter Familienangehöriger sei bei dem Angriff schwer verletzt worden. "Weitere Angehörige des Mannes konnten in letzter Sekunde entkommen und sind auf der Flucht", hieß es in dem Bericht.

Taliban: Gewaltverzicht verprochen

Bereits am Mittwoch war es zu Protesten gegen die Islamisten in Dschalalabad gekommen. Dort wurden mindestens drei Menschen getötet und mehr als ein Dutzend verletzt. Die Taliban, die Gewaltverzicht versprochen hatten, kommentierten die Vorfälle zunächst nicht.

Widerstand bildete sich auch im Pandschschir-Tal, eine Hochburg der Tadschiken nordöstlich von Kabul. In der "Washington Post" forderte ihr Anführer Ahmad Massud, Chef der Nationalen Widerstandsfront Afghanistans, Waffen für den Kampf gegen die Taliban. Er wolle den Kampf für eine freiheitliche Gesellschaft fortsetzen.

Proteste auch in Kabul

In Kabul kam es ebenfalls zu Protesten. Ein AFP-Mitarbeiter beobachtete, wie eine Gruppe von Männern und Frauen in einem Vorort der Hauptstadt eine große afghanische Flagge entrollte. Die Taliban hatten die Flaggen des Landes an offiziellen Gebäuden eingeholt und durch ihr weißes Banner mit arabischem Schriftzug ersetzt.

Die Lage um den Kabuler Flughafen blieb unübersichtlich. Viele Afghanen versuchen weiter verzweifelt, diesen zu erreichen, um nach der Einnahme Kabuls durch die Taliban aus dem Land zu fliehen.

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"Die Situation ist angespannt", sagte Brigadegeneral Jens Arlt in Kabul. Die Menschen müssten Kontrollringe der Taliban überwinden, um zum Airport zu kommen. Ein Taliban-Vertreter rief Menschen ohne Ausreise-Erlaubnis auf, den Flughafen zu verlassen. Seit Sonntag sind dort Taliban und Nato zufolge zwölf Menschen ums Leben gekommen.

In Deutschland setzt sich derweil die Debatte über die Probleme rund um die Evakuierungen fort. Laut Seehofer sollen alle Ortskräfte und deren Familien in Deutschland aufgenommen werden. Auch für "besonders Schutzbedürftige" müssten geeignete Lösungen her, forderte der Bundesinnenminister.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer zufolge hat die Bundeswehr bislang 1.131 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen.

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