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Interview

Experte Kaim zu Afghanistan : "Entwicklung war so nicht vorhersehbar"

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Die Taliban sind zurück, der Westen flüchtet Hals über Kopf. Hat Außenminister Maas zu spät reagiert? Nein, so Experte Kaim. Diese Entwicklung war "so nicht vorhersehbar".

Sehen Sie oben das ganze Interview im Video und lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt der Sicherheitsexperte Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik zu ...

... der heftigen Kritik an Außenminister Maas

Dass die Evakuierung der Diplomaten, Staatsbürger und Ortskräfte aus Afghanistan so spät angelaufen sei, könne "nicht wirklich" Außenminister Heiko Maas (SPD) angelastet werden, auf den gerade von allen Seiten Kritik einprasselt. Da wolle er nicht ungerecht sein. "Selbst die "immer gut informierten US-Geheimdienste", so Politikwissenschaftler Markus Kaim im ZDF heute journal, hätten verkündet, dass die Taliban mindestens noch 30 bis 80 Tage bräuchten für ihren Vormarsch - und seien damit einer Illusion aufgesessen.

... der Macht der afghanischen Sicherheitskräfte

Der entscheidende Punkt sei, dass der Westen sich "einer Illusion hingegeben" habe, wie stark die Sicherheitskräfte in Afghanistan seien. "Wir haben uns auf das Falsche konzentriert. Nämlich auf den Ausrüstungsstand." Viele westliche Hauptstädte hätten sich der Illusion hingegeben, wie toll die Sicherheitskräfte seien. Die Nato, die sie schulen sollte, habe an den "falschen Stellschrauben gedreht". Man habe dabei ausgeblendet, dass eine zentrale Frage "immer die der politischen Loyalität ist". Es gab immer die Annahme, dass man Streitkräfte ausbildet, die loyal zur afghanischen Regierung stünden. "Jetzt sehen wir, dass viele Angehörige desertieren, ihre Uniformen ausziehen und die Waffen von sich werfen."

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... der Möglichkeit von Druckmitteln zur Verhandlung

Da gibt es wohl ganz wenig, meint Kaim. Man habe die Möglichkeit des militärischen Drucks aus der Hand gegeben, als US-Präsident Joe Biden im April verkündet habe, dass die US-Truppen abgezogen würden - bedingungslos. Dadurch sei eine fatale Kette in Gang gesetzt worden. Er sehe nicht, wie der Westen noch auf irgendetwas Einfluss nehmen könnte. Die trotzige Aussage Berlins, dann gebe es eben kein Geld mehr, sei "keine Grundlage für eine Politik für die nächsten Jahre. 50 bis 70 Prozent der Afghanen sind auf Hilfe angewiesen."

... der Gefahr, dass auch Terror-Organisationen wie der Islamische Staat und Al-Kaida wieder zurückkehren

Damit müsse man auf jeden Fall rechnen. Die US-Geheimdienste, sagt Kaim, "gehen von zwei Jahren aus". Spätestens ab dann könnten Al-KIaida und der IS wieder Anschläge in westlichen Hauptstädten verüben. Nun könne man zwar im Land selber nichts mehr dagegen machen. Es finde aber wieder eine Bekämpfung der Terror-Organisationen mit Luftschlägen oder mit Drohnen statt. Es gebe westliche Militärbasen in Pakistan und Usbekistan und Flugzeugträger im Persischen Golf.

Das Interview führte heute journal-Moderatorin Marietta Slomka

Die Lage in Afghanistan spitzt sich zu. Wir sprechen mit einem Caritas-Mitarbeiter und ordnen mit unserer Hauptstadtkorrespondentin den Stand bei geplanten Evakuierungen ein.

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12 min
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