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USA beginnen Truppenabzug in Afghanistan

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Friedensabkommen mit den Taliban - USA beginnen Truppenabzug in Afghanistan

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Komplizierte Lage in Afghanistan: Zwei Politiker sind als Präsident vereidigt, trotz des Friedensabkommens gehen die Taliban-Angriffe weiter - nun ziehen die USA ihre Truppen ab.

Archiv: US-Truppen laufen vor ihrem Stützpunkt in der Provinz Uruzgan (Afghanistan) am 07.07.2017
Die Zahl der US-Soldaten in Afghanistan von derzeit 13.000 auf 8.600 Mann reduziert werdenn.
Quelle: Reuters

Die USA haben in Afghanistan ihren mit den militant-islamistischen Taliban vereinbarten schrittweisen Truppenrückzug begonnen. Die Zahl der US-Soldaten in Afghanistan solle binnen 135 Tagen von derzeit 13.000 auf 8.600 Mann reduziert werden, twitterte Streitkräftesprecher Sonny Leggett am Dienstag.

Was haben die USA und die Taliban vereinbart?

Die USA hatten Ende Februar mit den militant-islamistischen Taliban vereinbart, binnen zehn Tagen mit dem Abzug ihrer Truppen zu beginnen. Diese sollen zunächst auf 8.600 Mann verringert und binnen 14 Monaten ganz abgezogen werden.

Voraussetzung ist, dass Sicherheitsbedingungen erfüllt werden: Die aufständischen Taliban hatten sich verpflichtet, dass aus Afghanistan keine Gefahr mehr für die Sicherheit der USA und ihrer Verbündeten ausgehe. Damit sind Garantien gemeint, dass sie künftig keinen terroristischen Gruppen mehr Unterschlupf bieten.

Sie versprechen unter anderem, Gruppen wie Al-Kaida und den sogenannten Islamischen Staat davon abzuhalten, Kämpfer zu rekrutieren, auszubilden oder Gelder für sie zu sammeln.

Taliban lässt Gefangene frei, Regierung Taliban-Kämpfer

US-Außenminister Mike Pompeo lobte die Ankündigung des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani, am Dienstag mit der Entlassung von Taliban-Kämpfern zu beginnen. Vorgesehen ist, dass die Taliban bis zu 1.000 Gefangene freilassen. Im Gegenzug soll die afghanische Regierung rund 5.000 Taliban auf freien Fuß setzen.

Am Dienstag sollten außerdem innerafghanische Friedensgespräche in Oslo beginnen. Deren Ausgang soll beim US-Abzug aber keine Rolle spielen. Manche Experten sehen darin den größten Wert des USA-Taliban-Abkommens: Dass es die Taliban endlich mit der Regierung in Kabul und anderen afghanischen Seiten an den Verhandlungstisch bringt. 

Seit mehr als 18 Jahren herrschen Krieg und Terror in Afghanistan. Heute haben die USA und die radikal-islamischen Taliban ein Abkommen unterzeichnet, das Frieden bringen soll.

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Friedensabkommen ohne afghanische Regierung

Die afghanische Regierung ist an dem Abkommen nicht beteiligt. Der bisherige Präsident Aschraf Ghani hatte zunächst gezögert, die von den USA zugesagte Freilassung gefangener Taliban umzusetzen.

Laut US-Außenminister Pompeo hat er aber inzwischen ein Entlassungsdekret für Dienstag angekündigt. Die Taliban teilten am Montagabend unter Berufung auf Häftlinge mit, es würden massenhaft Gefangene überprüft, was auf eine große Zahl von Entlassungen hindeute.

USA wollen Unterstützung des UN-Sicherheitsrats

Die USA wollen sich für das Abkommen die Unterstützung des UN-Sicherheitsrats sichern. Washington beantragte für Dienstag nach Angaben von Diplomaten eine Abstimmung über eine Resolution, die das Abkommen "begrüßt" und auf Verhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban dringt.

In dem von den USA verfassten Resolutionsentwurf heißt es weiter, der Sicherheitsrat sei mit dem Beginn von innerafghanischen Gesprächen bereit, die 2011 verhängten UN-Sanktionen gegen Einzelpersonen und Gruppen auf den Prüfstand zu stellen. Damit solle "der Friedensprozess unterstützt" werden.

Das Abkommen soll allerdings auch zwei geheime Anhänge zum Kampf gegen den Terrorismus enthalten. Ihr Inhalt ist laut Diplomaten auch den Sicherheitsratsmitgliedern nicht bekannt. Ein Diplomat bezeichnet es als "unglaublich", dass das Gremium den Taliban-Deal billigen solle, ohne den Inhalt der Anhänge zu kennen.

Ungeklärte innenpolitische Lage in Afghanistan

Verkompliziert wird die Lage durch einen Konflikt im Regierungslager. Am Montag ließen sich zwei Politiker als Präsidenten vereidigen: Der bisherige Staatschef Aschraf Ghani, der nach offiziellem Ergebnis die Wahl im September gewonnen hat, und sein Rivale Abdullah Abdullah, der Ghanis Sieg bestreitet.

Beide haben sich mit Milizenchefs verbündet, die über schwer bewaffnete Kämpfer verfügen. Der amerikanische Außenminister Pompeo lehnt eine Parallelregierung ab und warnte vor dem Einsatz von Streitkräften, um politische Differenzen zu lösen.

Vergangene Woche noch Taliban-Angriffe in Afghanistan

Trotz der Friedensvereinbarung mit den USA hatten die Taliban in der Nacht zu vergangenem Mittwoch Posten der afghanischen Armee und Polizei angegriffen und dabei mindestens 20 Mitglieder der Sicherheitskräfte getötet.

Die US-Armee hatten daraufhin einen Luftangriff auf Taliban-Kämpfer geflogen. US-Armeesprecher Sonny Leggett hatte erklärt, die Taliban schienen mit den Angriffen die durch das Abkommen eröffnete Chance auf Frieden "vergeuden" zu wollen.

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