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Schneller Taliban-Erfolg - Berlin gibt afghanischer Armee die Schuld

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Bundesregierung und Geheimdienste wurden vom Tempo der Taliban-Offensive überrascht. Das Verteidigungsministerium benennt nun einen Schuldigen: die afghanischen Sicherheitskräfte.

Afghanistan, Kabul: Speziakräfte der Afghanischen Armee beenden ein Ausbildungslehrgang. Archivbild
Afghanische Spezialkräfte im Juli in Kabul: "Dynamische Auflösungserscheinungen" (Archivbild)
Quelle: ap

Das Bundesverteidigungsministerium gibt der afghanischen Armee die Schuld daran, dass die Taliban das Land überrennen und in nur wenigen Wochen einnehmen konnten. Das geht aus einer Unterrichtung hervor, die ZDFheute vorliegt. 

Darin heißt es: 

Der hauptsächliche Grund [ist] in den dynamischen Auflösungserscheinungen der afghanischen Sicherheitskräfte zu suchen.
Papier des Bundesverteigigungsministeriums

Die Lage in Afghanistan habe sich in den letzten Wochen sehr dynamisch und in einer nicht vorhersehbaren Geschwindigkeit verschlechtert, so das Fazit des Verteidigungsministeriums.

Trotz Milliarden für Ausbildung - Warum die Taliban Afghanistans Armee besiegen 

20 Jahre lang haben Nato-Truppen afghanische Soldaten ausgebildet. Innerhalb weniger Tage verlieren sie die Kontrolle über das gesamte Land. Wie konnte das passieren?

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von Nils Metzger

Präsident ins Ausland geflohen, Taliban in Kabul 

Die Taliban haben am Sonntag die Hauptstadt Kabul eingenommen, Präsident Ashraf Ghani hat sich ins Ausland abgesetzt. Das Land steht damit wieder unter Taliban-Kontrolle – trotz der rund 350.000 afghanischen Soldaten und Polizisten. Auch die Bundeswehr war 20 Jahre lang am Hindukusch im Einsatz. Die Politik muss sich die Frage gefallen lassen, ob die rund 12 Milliarden Euro, die die Mission allein Deutschland gekostet hat, in irgendeiner Relation zu diesem schnellen Staatsversagen stehen. 

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) räumte gestern ein, den Vormarsch der Taliban falsch beurteilt zu haben:

Wir alle - die Bundesregierung, die Nachrichtendienste, die internationale Gemeinschaft - wir haben die Lage falsch eingeschätzt.
Bundesaußenminister Heiko Maas

Man habe nicht damit gerechnet, dass die afghanische Armee sich den Taliban nicht entgegenstellt. 

Angesichts der katastrophalen Zustände in Afghanistan wirft die Opposition der Regierung Totalversagen vor. Auch Bundespräsident Steinmeier hat sich zur Lage in Kabul geäußert.

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Strack-Zimmermann: "Offensichtliches Versagen muss aufgeklärt werden" 

Die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, macht nun den Geheimdiensten schwere Vorwürfe. ZDFheute sagte sie: "Es ist zu früh für eine komplette Einschätzung. Auffällig allerdings ist, dass in der Bewertung der Lage in Afghanistan, wie schon vor dem Putsch in Mali, unsere Geheimdienste in ihrer Lagebeurteilung meilenweit daneben lagen. Das ist in höchstem Maße besorgniserregend.  

Wir fragen uns daher, was die Dienste in diesen kritischen Regionen eigentlich gemacht haben.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP 

Strack-Zimmermann fordert nun, dass das Parlamentarische Kontrollgremium und eine Enquete-Kommission zum Afghanistan-Einsatz dieses offensichtliche Versagen aufklären müssten. "So etwas darf sich nicht noch einmal wiederholen."

Markus Grotian erreichen derzeit 400 bis 500 Nachrichten von Ortskräften in Afghanistan, "denen wir nicht mehr helfen können". Er war selbst als Soldat in Afghanistan und sagt: 80 Prozent von ihnen werden zurückgelassen.

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Ministerium dämpft Hoffnung für Ortskräfte

Zuversichtlich scheint das Verteidigungsministerium dagegen laut dem Bericht, dass die Ausreise der verbliebenen Ausländer trotz Taliban-Präsenz in der Stadt und am Flughafen stattfinden könne. 

"Mit der Abriegelung des Flughafens ermöglichen die Taliban den internationalen Kräften zunehmend einen geordneten Flugverkehr zur Evakuierung ihrer Staatsangehörigen einzurichten", schreibt das Verteidigungsministerium.

Mit Blick auf die afghanischen Ortskräfte ist das Ministerium jedoch weniger optimistisch:

Gleichzeitig wird jedoch durch die Abriegelung des Flughafens für [afghanische] Staatsbürger eine Evakuierung ehemaliger [afghanischer] Ortskräfte erschwert.
Papier des Bundesverteigigungsministeriums

Am Montag hatte die Bundesregierung noch davon gesprochen, 10.000 Menschen - hauptsächlich Ortskräfte und ihre Familien – aus Kabul ausfliegen zu wollen. 

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Evakuierung in Afghanistan - Warum nur sieben Menschen ausgeflogen wurden 

Der erste Rettungsflug der Bundeswehr ist aus Kabul gestartet. An Bord waren nur sieben Personen. Warum konnte Deutschland nicht mehr Menschen ausfliegen?

von Dominik Rzepka
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