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Taliban rücken vor - Afghanistan am Rande eines Bürgerkriegs

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Nur wenige Wochen vor dem Abzug der Bundeswehr droht die Lage in Afghanistan zu eskalieren. Die Taliban rücken vor, Milizen bringen sich gegen sie in Stellung.

22.06.2021, Kunduz: Afghanische Kommandotruppen sind am Ort eines Schlachtfeldes zu sehen. Ein Panzer im Hintergrund wirbelt Staub auf. Es sind 6 bewaffnete Männer in Uniform zu sehen.
Afghanische Kommandotruppen treffen am Ort eines Schlachtfeldes auf die Taliban in der Provinz Kundus.
Quelle: reuters

Vor dem Stadteingang von Masar-i-Scharif posiert ein Taliban-Kämpfer für ein Foto, das massenhaft in den sozialen Medien geteilt wird und zum Symbol für eine dramatische Entwicklung geworden ist. Afghanistans Norden, der unter der Kontrolle der Bundeswehr lange Zeit als relativ sicher galt, erlebt seit Tagen heftige Gefechte. Die Aufständischen sind bis auf wenige Kilometer an das Camp der Bundeswehr herangerückt.

Wiederholt hatten Experten die USA gewarnt, bei einem Abzug der internationalen Truppen könnten die Islamisten in Afghanistan mit Gewalt an die Macht zurückdrängen. Nun sind die die düstersten Prognosen übertroffen worden: Die Gespräche zwischen Vertretern der Taliban und der afghanischen Regierung liegen auf Eis, das Land steht am Rande eines Bürgerkriegs.

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Versagen der afghanischen Armee

Die afghanische Armee mit mehr als 200.000 Soldaten ist den Taliban zwar technisch überlegen. Doch den Kämpfern gelingt es landesweit immer mehr Distrikte unter ihre Kontrolle zu bringen. Wie überfordert die Regierungstruppen sind, schildert ein Abgeordneter aus Herat in einer Parlamentsdebatte: "Einige Distrikte wurden den Taliban im Westen ohne Widerstand überlassen, dabei wurde auch militärisches Material zurückgelassen."

Auf seinem Twitter-Kanal behauptet Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid seit Tagen, dass Soldaten zu seinen Kampftruppen überlaufen und auch Waffen ausliefern. In einem Tweet fordert er: "Die Soldaten der Kabuler Regierung sollten nicht ihr Leben riskieren um ihre Sklavenführer, die 20 Jahre lang ihre Religion, ihr Land und ihre Freiheit verraten haben, am Leben zu erhalten."

Seit Anfang Mai läuft in Afghanistan der Abzug der Nato-Truppen. Es passiert, was viele befürchtet hatten: Die radikal islamischen Taliban konnten mehr als 50 Gebiete erobern.

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Verteidigungsminister will nationale Offensive

Präsident Ashraf Ghani hat auf die neue Sicherheitslage reagiert und Verteidungs- und Innenminister ausgetauscht. General Bismillah Mohammadi ist ein Mann, der über langjährige Erfahrung im Kampf gegen die Taliban verfügt, seine Strategie: eine nationale Offensive gegen die Aufständischen. Afghanische Milizenführer sollen mit ihren Privatarmeen an der Seite der Streitkräfte die Aufständischen zurückdrängen. Es gehe um die Rettung der Republik.

Wenn die Taliban mit Gewalt ein diktatorisches Regime in Afghanistan errichten wollen, dann müssen sich alle patriotischen Kräfte zusammentun und entscheiden. Und diese Angelegenheit wird leider auf dem Schlachtfeld entschieden werden.
Ashraf Ghani, Afghanistans Präsident

Im Norden ziehen Milizenführer bereits ihre Kämpfer zusammen - eine Entwicklung, die Experten kritisch sehen. "Der Einsatz von Milizen ist Rezept für ein Desaster," zitiert die Washington Post den Chef des Institutes für Friedensforschung in Kabul, Tamim Asey.

Nur wenige Wochen vor dem Abzug der Bundeswehr und der verbündeten Truppen droht die Regierung in Afghanistan immer weiter die Kontrolle zu verlieren. Die Entscheidung der USA könnte sich bald als Fehler erweisen. Am Freitag plant Afghanistans Präsident nach Washington zu reisen.

US-Soldaten gehen außerhalb ihrer Basis in der Provinz Uruzgan (Afghanistan) am 07.07.2017

Abzug aus Afghanistan - Die Nato hinterlässt ein Land am Abgrund 

Die Taliban haben die Teilnahme an Friedensgesprächen aufgekündigt. Mit dem Nato-Abzug verliert die afghanische Regierung das wichtigste Druckmittel: militärische Stärke.

von Katrin Eigendorf
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