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Islamistische Herrscher - Können die Taliban Afghanistan finanzieren?

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Um Afghanistan zu regieren, sind die Taliban auf Geld angewiesen. Wo dieses herkommen soll, ist unklar. Der IWF sperrte den Zugang zu Geldern. Ein Blick auf mögliche Finanzquellen.

Taliban-Führer Waheedullah Hashimi am 17.08.2021 in Afghaistan
Ein wichtiger Geldgeber Afghanistans - der Internationale Währungsfonds - hat den Hahn für die Taliban vorerst zugedreht.
Quelle: Reuters

Mit seiner Flucht vor den Taliban hinterlässt der afghanische Präsident Aschraf Ghani nicht nur eine zutiefst schockierte Bevölkerung - sondern auch ein wirtschaftlich marodes Land.

Seit der Einnahme Kabuls bereiten die Taliban ihre künftige Herrschaft in Afghanistan vor. Eine große Schwierigkeit dabei dürfte die Beschaffung von Geldern zum Regieren sein. Die Islamisten könnten dabei verschiedene Strategien verfolgen.

Humanitäre Unterstützung

Afghanistan ist als eines der ärmsten Länder der Welt stark auf Hilfsgelder angewiesen. Nach Angaben der Weltbank belief sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes im Jahr 2020 auf 19,81 Milliarden US-Dollar, davon machten Hilfsgelder fast 43 Prozent aus.

Mehrere Länder haben nach der Machtübernahme der Taliban jedoch angekündigt, dass sie die Hilfsgelder einfrieren werden. Auch Deutschland, eines der wichtigsten Geberländer, stoppte seine Zahlungen am Mittwoch. Die EU diskutiert noch, ob die Entwicklungshilfe zeitweise eingestellt werden soll - der Außenbeauftragte Josep Borrell sprach sich dafür aus. Der Internationale Währungsfonds (IWF) setzte wegen der unsicheren politischen Lage den Zugang zu IWF-Ressourcen aus.

Großbritannien will jedoch seine Hilfen für Afghanistan in diesem Jahr auf 286 Millionen Pfund (rund 336 Millionen Euro) verdoppeln. Außenminister Dominic Raab rief andere Länder dazu auf, dem Beispiel der Briten zu folgen, "um sicherzustellen, dass die am meisten gefährdeten Afghanen auch die humanitäre Hilfe erhalten, die sie brauchen".

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Die Höhe der bisherigen internationalen Hilfszahlungen betrage mindestens das Zehnfache dessen, was die Taliban-Führung in dem Land einnehme, sagte die Expertin Vanda Felbab-Brown von der US-Denkfabrik Brookings Institution. 

Afghanistan ist auf grausame Weise von ausländischer Hilfe abhängig.
Vanda Felbab-Brown, Brookings Institution

UN-Schätzungen vom Mai 2020 zufolge belaufen sich die Einnahmen der Taliban auf schätzungsweise 300 Millionen bis 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr.

Opium und Steuern

Die Taliban beziehen ihre Einkünfte vielfach aus kriminellen Aktivitäten. Ein wichtiger Wirtschaftszweig ist der Anbau von Schlafmohn, aus dem Opium und Heroin gewonnen wird. Auch die Erpressung lokaler Unternehmen und Lösegeldforderungen nach Entführungen spülen Gelder in die Kassen der Islamisten.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung warnte vor einer starken Ausweitung des Angebots von Heroin und Crystal Meth in Europa. "Der Drogenanbau war und ist eine der zentralen Einnahmequellen der Taliban", sagte Daniela Ludwig (CSU) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Wir müssen damit rechnen, dass die Taliban den Drogenanbau in Zukunft nicht zurückfahren, sondern weiter ausbauen.
Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Ein Taliban-Sprecher widersprach dieser Einschätzung. "Afghanistan wird nicht länger ein Land sein, in dem Opium angebaut wird", sagte er am Dienstag. Demnach soll die Produktion "auf Null reduziert" werden, was Experten jedoch bezweifeln. Afghanistan ist der weltgrößte Produzent von Schlafmohn, Hunderttausende Arbeitsplätze hängen daran.

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Ein großer Teil der Einnahmen der Taliban "stammt auch aus der Steuererhebung", sagt der Experte der US-Denkfabrik Council on Foreign Relations, Charles Kupchan. Die Taliban seien wahre Meister darin, in den von ihnen kontrollierten Gebieten so gut wie alles zu besteuern.

Wirtschaftshilfen

Anders als während ihrer Herrschaft von 1996 bis 2001 scheinen sich die Taliban derzeit um ein gutes Bild nach außen zu bemühen. Russland, China und die Türkei haben die ersten öffentlichen Erklärungen der Islamisten bereits begrüßt. Kupchan glaubt jedoch nicht, dass die Taliban große Wirtschaftshilfen etwa aus China erwarten dürften.

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"Die Chinesen sind sehr handelsorientiert. Sie sind eher an Ländern mit einem guten Geschäftsumfeld interessiert, an Ländern, in denen sie ihre neuen Seidenstraßen aufbauen können", sagt er.

Und das ist ein weiterer Grund, warum ich glaube, dass die Taliban versuchen werden, sich einen guten Ruf zu erarbeiten, damit sie sich an die internationale Gemeinschaft wenden können.
Charles Kupchan, Council on Foreign Relations

Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters haben die Taliban keinen Zugriff auf Zentralbankguthaben der afghanischen Regierung in den USA. Laut IWF beliefen sich die Reserven der afghanischen Zentralbank Ende April auf 9,4 Milliarden Dollar (acht Milliarden Euro). Ein Großteil des Geldes befinde sich außerhalb Afghanistans, hieß es. Allein sieben Milliarden Dollar befänden sich bei der US-Zentralbank.

Der IWF sperrte auch den Zugang des Landes zu Sonderziehungsrechten (SZR). Die Zuteilung an alle berechtigten Mitglieder war für kommenden Montag geplant. Die Taliban werden dann voraussichtlich keinen Zugang zum afghanischen Anteil haben, der laut dem ins Ausland geflohenen Chef der afghanischen Zentralbank, Adschmal Achmady, 340 Millionen Dollar beträgt. Auch ein 370 Millionen Dollar schweres Kreditprogramm des IWF, mit dem die Wirtschaft in der Corona-Krise angekurbelt werden sollte, wurde ausgesetzt.

Achmady, teilte zudem mit, dass die Lieferung von US-Dollar in das Land "unterbrochen" sei. Dollar in Form von Bargeld seien dort kaum noch erhältlich. Der Wert der afghanischen Währung war mit der Übernahme der Islamisten stark gefallen.

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von Peter Kunz
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