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Entwicklungshilfe in Afghanistan - "Taliban picken sich raus, wer nützlich ist"

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Seit knapp 20 Jahren betreut Suzana Lipovac Hilfsprojekte in Afghanistan. Bei ZDFheute live spricht sie über die Begegnung mit den Taliban und die Zukunft ihrer Arbeit.

Suzana Lipovac, Gründerin der Menschenrechtsorganisation KinderBerg, bei ZDFheute live

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17 min
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Im Gespräch mit ZDFheute live berichtet Suzana Lipovac von schlimmsten Befürchtungen, als die Taliban Faisabad einnahmen, die Stadt im Nordosten von Afghanistan, in der ihre Hilfsorganisation KinderBerg auf Stationen für unterernährte Kinder und Risikoschwangere, in Frauengefängnissen und Waisenhäusern hilft.

Sie hatte Angst, dass die Kämpfer mordend durch die Straßen ziehen und Frauen steinigen würden, die für sie arbeiten. Sie überlegte sich, was sie als Kriegsbeute zurücklassen könnte, um Mitarbeiterinnen zu schützen. Ein Auto, Generatoren, Bargeld.

Taliban bedankten sich für Lipovacs Arbeit

Doch als es nach tagelangen Gefechten soweit war, wurde es still in der Stadt. Die Taliban kamen, klopften auch an die Tür ihrer Einrichtung, schauten sich um, bedankten sich für ihre Arbeit und sagten, man solle so schnell wie möglich weiterarbeiten - auch die Frauen.

Seitdem fragt sich Suzana Lipovac, warum es so kam und nicht anders. Ihre Erklärung:

Die Taliban haben ihre Vorstellung von Staat und Scharia nicht verändert, aber sie haben sich entwickelt.
Suzana Lipovac

"Auch ein Talib hat Frau und Kinder"

Als sie mit ihrer Arbeit begann, habe Afghanistan die dritthöchste Kinder- und Müttersterblichkeit weltweit gehabt. Nur eins habe dies entscheidend geändert: Bildung für Frauen. Sie durften erst nach 2001 arbeiten, als Frauenärztinnen, Hebammen oder Krankenpflegerinnen.

Lipovac sieht es so: "Auch ein Talib hat Frau und Kinder und will, dass seine Söhne gesund sind. Sie haben in den vergangenen 20 Jahren gesehen, dass das nur geht, wenn Frauen arbeiten."

Aus demselben Grund drohe jetzt viel größere Gefahr für Journalistinnen, Frauenrechtlerinnen und Politikerinnen im Land, die so schnell wie möglich ausgeflogen werden müssten.

Die Taliban picken sich raus, wer für sie Sinn macht, nützlich ist - und wer nicht.
Suzana Lipovac

Welche Frauen sind durch die Taliban gefährdet?

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1 min
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Kritische Lage am Flughafen Kabul

Kritisch sieht Lipovac allerdings, dass viele ihrer jetzigen und früheren Mitarbeiter das Land verlassen wollen und sich im Gedränge des Flughafen Kabul in Lebensgefahr begeben. Zusammen mit Angehörigen gehe es allein bei KinderBerg um 3.500 bis 4.000 Menschen, die dafür in Frage kämen.

Sie selbst wisse nicht genau, wer von der Bundeswehr ausgeflogen werde. Deshalb fordert Lipovac Klarheit, ob z.B. nur gefährdete Frauen in Führungspositionen raus dürfen und andere nicht. Diese Informationen könne sie dann weitergeben: "Dann wären weniger auf dem Weg zum Flughafen und andere würden sofort kehrt machen.“

Taliban auf Hilfsorganisationen angewiesen

Am meisten fürchtet Lipovac den nahenden Winter und eine drohende Hungerkatastrophe für das Land am Hindukusch, weil die Währung verfällt, Banken geschlossen sind und Regierungsbeamte geflohen sind. Die Taliban seien auf Unterstützung angewiesen.

Sie selbst und ihre Organisation wollen in den kommenden Tagen mit den neuen Machthabern vor Ort über die künftige Hilfsarbeit verhandeln. Suzana Lipovac hat dafür zwei Bedingungen: Frauen dürfen weiter bei ihr arbeiten und bekommen weiter Zugang zum Internet, um sich bilden zu können.

Ungewissheit: Wer schafft es raus?

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