Sie sind hier:

NGOs nach Taliban-Machtübernahme : Helfer wollen Afghanistan nicht aufgeben

Datum:

Die Machtübernahme der Taliban macht die Arbeit der Hilfsorganisationen in Afghanistan nicht eben leichter. Das Land aufgeben wollen sie aber nicht - und suchen das Gespräch.

18 Millionen Menschen in Afghanistan leben bereits unter katastrophalen Bedingungen - die Zahl könnte sich bald verdoppeln, befürchten die Vereinten Nationen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte dieser Tage vor einer "humanitären Katastrophe" am Hindukusch. Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die in Afghanistan der notleidenden Bevölkerung helfen, sind bereits seit Wochen alarmiert.

Hilfsorganisationen verhandeln mit Taliban über Sicherheitszusagen

Corona, Dürre, Verletzte in den Krankenhäusern, hunderttausende Flüchtlinge. Das von vier Jahrzehnten Krieg verwüstete Land ist eines der ärmsten der Welt - und auch weiterhin von ausländischer Hilfe abhängig.

Doch bei den Hilfsorganisationen herrscht Ungewissheit über das künftige Vorgehen der Taliban nach ihrer Machtübernahme. Viele NGOs bemühen sich jetzt darum, von den radikal-islamischen Taliban Garantien für die Fortsetzung ihrer Arbeit zu erhalten.

Unsere Teams vor Ort haben in vielen Provinzen bereits Gespräche mit den Taliban aufgenommen. Jedes Mal wurden wir aufgefordert, unsere Arbeit fortzusetzen.
Michelle Delaney, Norwegischer Flüchtlingsrat

Bemühungen um Frauenrechte: Zukunft ungewiss

Auch was die Frauenrechte anbelangt, herrscht große Unsicherheit. "Alle fragen sich, was geschehen wird", sagt Marianne O'Grady, Vize-Direktorin der Hilfsorganisation Care Afghanistan. Bisher sei die Arbeit der Organisation, die sich für die Autonomie von Frauen einsetzt, nicht behindert worden.

Doch Helferinnen und Helfer erinnern daran, dass die Taliban vor einigen Monaten verlangt hatten, Projekte zu stoppen, die Frauen zu mehr Eigenständigkeit verhelfen sollen.

Trotz Machtübernahme der Taliban: Helfer wollen in Afghanistan bleiben

Die Sicherheit dieser Helfer: Eine weitere Herausforderung in einem Land, das als eines der gefährlichsten weltweit für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen gilt. Am 3. Oktober 2015, inmitten der Kämpfe zwischen Taliban und afghanischen Regierungstruppen, hatte ein US-Militärflugzeug ein Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen in Kundus bombardiert. Die schreckliche Bilanz: 42 Tote, darunter 24 Patienten und 14 Mitglieder der Organisation.

Dennoch lassen sich Helfer, vor allem die, die bereits in Taliban-Gebiet gearbeitet haben, nicht entmutigen.

Die Umbrüche in Afghanistan haben unsere Beziehung zu den Taliban nicht verändert, und die aktuelle Lage ändert nichts an unserer Art und Weise, zu handeln.
Florian Seriex, Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)

Andere Helfer, die das Land Ende August verlassen haben, wollen wieder dorthin zurückkehren.

Eingefrorene Reserven und gestrichene Entwicklungshilfen verschärfen Lage im Land

Die Zeit drängt, das Land könnte schon in den nächsten Monaten vor einem Mangel an medizinischem Material stehen, warnt Felipe Ribeiro von Ärzte ohne Grenzen. Vor allem angesichts der mangelhaften Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie: Kaum ein Prozent der Bevölkerung ist geimpft.

Verstärkt wird das Problem durch die im Ausland eingefrorenen nationalen Reserven und durch die gestrichene Entwicklungshilfe für Afghanistan. O'Grady von Care sagt:

Die Frage, die wir uns alle stellen, ist, wie die Zukunft der humanitären Hilfe in diesem Land wohl aussehen wird.
Marianne O'Grady, Vize-Direktorin Care Afghanistan
Sonnenlicht fällt auf eine Frau, die eine Burka trägt am 08.08.2016 in Herat, Afghanistan.
Interview

Frauen in Afghanistan - "Wir befinden uns in einer Schockstarre" 

Für Frauen in Afghanistan hat sich die Situation seit Rückkehr der Taliban verschlechtert. ZDFheute konnte mit einer von ihnen sprechen. Anonym beschreibt sie dramatische Umstände.

Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.