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USA über Vormarsch der Taliban - Afghanistan muss "für sich selbst kämpfen"

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Die Taliban sind auf dem Vormarsch. Die USA aber bleiben hart: Bis Ende des Monats sollen alle Truppen abgezogen werden. Die Botschaft: Afghanistan ist auf sich allein gestellt.

Nach Abzug der US-Truppen aus Afghanistan haben die radikal-islamischen Taliban weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. US-Präsident Biden sieht nun die Afghanen und ihre Regierung in der Verantwortung, ihr Land zu verteidigen.

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Der Vormarsch der Taliban ist dieser Tage nicht viel mehr als eine Randnotiz in der US-Berichterstattung. Und so geht es auch eigentlich nicht um Afghanistan, als Joe Biden am Mittwochabend vor die Presse tritt. Sondern um ein Billionen-schweres Infrastrukturpaket, ein wenig auch um die steigenden Corona-Zahlen, den Rücktritt des New Yorker Gouverneurs Andrew Cuomo wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung.

Biden hält an Afghanistan-Abzug fest

Ein Journalist fragt dann doch, ob sich Bidens Pläne, die US-Truppen aus Afghanistan abzuziehen, geändert hätten. Seine Antwort hätte nicht klarer sein können: Nein.

"Wir haben über eine Billion Dollar ausgegeben in den vergangenen 20 Jahren", so Biden. "Wir haben über 300.000 afghanische Streitkräfte ausgebildet und mit moderner Ausrüstung ausgestattet. Wir haben Tausende US-Amerikaner*innen verloren - durch Tod und Verletzung."

Jetzt müssen sie für sich selbst kämpfen, für ihre Nation.
US-Präsident Joe Biden

Bemerkenswert daran: Bidens Argumentation hat sich nicht geändert, seit er im April den vollständigen Abzug aller US-Truppen verkündete.

Afghanistan drohe nach dem US-Abzug ein Desaster. Das westliche Scheitern habe mit dem Einsatz-Ziel zu tun, so ZDF-Reporterin Eigendorf: Taliban verjagen, nicht Demokratisieren.

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Taliban auf dem Vormarsch, Kabul könnte fallen

Fast, als wäre seitdem nichts passiert. Als hätten die Taliban am Sonntag nicht die Provinzhauptstadt Kundus eingenommen. Zwei Provinzstädte waren bereits vorher an die radikalislamische Terrorgruppe gefallen. Inzwischen sind es neun - von 34. Die Taliban kontrollieren nun 65 Prozent des Landes, so die Angaben eines EU-Offiziellen.

Und es könnte in den nächsten Wochen noch viel schlimmer kommen: Die "Washington Post" berichtete unter Berufung auf nicht genannte Quellen in den US-Geheimdiensten, dass die Hauptstadt Kabul viel früher in die Hände der Aufständischen fallen könnte als bisher angenommen. Der Zusammenbruch könnte in 30 bis 90 Tagen erfolgen, heißt es.

Afghanistan - Seehofer: Abschiebungen zurzeit zu gefährlich 

Deutschland schiebt vorerst keine Menschen mehr nach Afghanistan ab. Innenminister Seehofer verwies auf die Gefahren für alle Beteiligten.

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Truppenabzug bis Ende August

Der Abzug der US-Streitkräfte ist zu mehr als 95 Prozent abgeschlossen. Bis Ende August soll kein Soldat und keine Soldatin mehr in Afghanistan sein. Die "New York Times" beschreibt das Vorgehen der US-Regierung gegenüber Afghanistan als "Swim-or-Sink Strategie" - schwimmen oder untergehen.

Aktuell sieht es aus, als würde die afghanische Regierung auf tragische Weise untergehen. Nach UN-Angaben sind zwischen Anfang des Jahres und Ende Juni mindestens 1.659 Zivilisten getötet und 3.524 Menschen verletzt worden. Seit Beginn der Offensive der radikal-islamischen Taliban im Mai seien insgesamt 214.000 Afghaninnen und Afghanen vor den Kämpfen geflohen.

Trotz des Vormarsches der Taliban in Afghanistan halten die USA an ihrer Abzugsstrategie fest. Man sei allerdings besorgt über die Sicherheitslage vor Ort, hieß es.

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Zu spät für Luftangriffe?

Dass die USA nicht wenigstens vorübergehend wieder stärker in den Konflikt eingreifen, hat aus Sicht des renommierten Sicherheitsanalysten Anthony H. Cordesman vor allem einen Grund: Es ist einfach zu spät dafür.

"Es gab schon unter Trump starke Einschnitte bei der Unterstützung der afghanischen Streitkräfte", so Cordesman. "Jetzt, wo praktisch alle vorhandenen US-Kräfte vor Ort abgezogen wurden, könnte möglicherweise noch die Luftwaffe verstärkt werden."

Aber inzwischen sind die Kämpfe in die Stadt verlagert. Da wird es immer schwieriger, Luftangriffe einzusetzen, ohne dass es Kollateralschäden gibt oder Zivilist*innen getötet werden.
Anthony Cordesman, Sicherheitsexperte Center for Strategic and International Studies

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hatte im Februar 2020 ein Abkommen mit den Taliban geschlossen. Demnach sagte Trump zu, die US-Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Im Gegenzug sollten die Taliban Verbindungen zu anderen Terrorgruppen kappen, die Gewalt reduzierten und sich auf Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung einlassen. Aber kein Plan, wie ein Friedensvertrag zustande kommen und wie es mit den Verhandlungen weitergehen soll - das ist laut Cordesman eines des Hauptprobleme gewesen. Trotzdem hätten die USA keine andere Wahl gehabt, sagt er.

Einer der Hauptgründe für den Abzug war, dass nach 20 Jahren der Bemühungen keine effektiven afghanischen Streitkräfte geschaffen wurden. Man war einfach an dem Punkt angelangt, an dem die USA die Wahl hatten, auf unbestimmte Zeit weiterzumachen, einen gescheiterten Staat zu unterstützen - oder sich zurückzuziehen.
Anthony Cordesman, Sicherheitsexperte Center for Strategic and International Studies

Die US-Amerikaner*innen befürworten einen Abzug, egal, welcher Partei sie anhängen. Das zeigen alle Umfragen. Die Kritik fällt daher eher leise aus.

Leise Kritik an Bidens Strategie

Nur wenige Politiker*innen melden sich zum Thema Afghanistan zu Wort. Mitch McConnell, der Minderheitsführer der republikanischen Partei im Senat, sagte vor einigen Tagen, Bidens Afghanistan-Strategie beruhe auf "Wunschdenken".

Wir werden in den kommenden Jahren mit den sicherheitspolitischen, humanitären und moralischen Konsequenzen leben. Und dieses ganze Debakel war nicht nur vorhersehbar; es war vorgesehen.
Mitch McConnell, Minderheitsführer der republikanischen Partei im Senat

Auch Cordesman erklärt: "Viele Leute hatten bereits vorhergesagt oder zumindest geglaubt, dass unser Abgang im Wesentlichen zu einem Sieg der Taliban führen würde, einer großen Instabilität." Eine größere öffentliche Debatte bleibe daher aus. Auf die Hilfe der USA können die Afghaninnen und Afghanen kaum mehr hoffen.

Mehr Infos rund um das Thema Afghanistan:

Trümmer nach einem Autobombenanschlag in Afghanistan.

Nachrichten | Thema - Afghanistan 

Die USA und ihre Verbündeten ziehen nach 20 Jahren Krieg aus Afghanistan ab. Hintergründe zu Afghanistan.

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