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Afghanistan - Flucht vor Taliban und Ungewissheit

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Nach dem Truppenabzug nimmt die Unsicherheit für die Zivilbevölkerung in Afghanistan zu. Menschen aus den Provinzen zieht es nach Kabul, andere versuchen das Land zu verlassen.

"Afghanen suchen nach allen möglichen Optionen das Land zu verlassen", so Ellinor Zeino vom Auslandsbüro Afghanistan der Konrad-Adenauer-Stiftung zur Situation in Afghanistan.

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Ellinor Zeino leitet das Regionalprogramm Südwestasien der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kabul. Derzeit sei die Lage in der Hauptstadt relativ ruhig. Allerdings nehme die Anspannung zu und die Ungewissheit steige. Es sei für die Menschen völlig unklar, wie sich die Lage militärisch in den nächsten Wochen und Monaten ändern werde, sagte sie im ZDF-Morgenmagazin.

Fluchtbewegung wegen Taliban-Vormarsch

Eine neue Fluchtbewegung zeichnet sich bereits ab:

Viele Afghanen suchen nach allen möglichen Optionen das Land zu verlassen.
Ellinor Zeino, Leiterin des Regionalprogramms Südwestasien der Konrad-Adenauer-Stiftung

Ziele der Flüchtenden seien die nördlichen Nachbarstaaten. Aber auch auf Europa könne eine größere Bewegung zukommen. Zunächst sei jedoch mit Binnenflüchtlingen zu rechnen. Das heißt, Menschen aus den Provinzen würden in den nächsten Wochen verstärkt nach Kabul kommen, weil die Lage in den Provinzen deutlich dynamischer und unsicherer sei.

Sie trauen weder der Regierung noch dem Militär, und schon gar nicht den Taliban. Viele Afghanen sind derzeit auf dem Weg über den Iran in die Türkei, wollen weiter in den Westen. Für die Türkei sind die Flüchtlinge auch ein innenpolitisches Problem.

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Gefahr der Rechtlosigkeit

Zum einen bestehe die Gefahr, dass die Taliban die Macht übernehmen. Zum anderen befürchtet Zeino, dass es zu einer Fragmentierung komme. Denn neben den Taliban gebe es Warlords und bewaffnete Gruppen, die ebenfalls nicht demokratisch gesinnt seien. In einer Art Rechtlosigkeit würden Frauen, Minderheiten aber auch die Meinungsfreiheit zu den ersten Opfern zählen.

Da haben wir schon große Befürchtungen.
Ellinor Zeino, Leiterin des Regionalprogramms Südwestasien

Laut einem Bericht der US-Generalinspektion für den Wiederaufbau Afghanistans (Sigar) habe sich die Zahl der Taliban-Angriffe seit dem Abkommen von Doha über einen US-Truppenabzug verdoppelt. Dem Bericht zufolge steht die afghanische Regierung wegen zunehmender Angriffe der Taliban vor einer "existentiellen Krise".

Mehr Angriffe, mehr Todesopfer in Afghanistan

Laut dem Sigar-Bericht stieg die Zahl der von den radikalislamischen Taliban verübten Angriffe von 6.700 in einem Drei-Monats-Zeitraum Anfang 2020 auf 13.242 zwischen September und November vergangenen Jahres. Seither liege die Zahl in jedem folgenden Drei-Monats-Zeitraum bei mehr als 10.000.

Auch die Zahl der Todesopfer nahm deutlich zu: Zwischen Januar und März 2020 wurden laut dem Bericht 510 Zivilisten getötet. Im dritten Quartal 2020 stieg diese Zahl auf 1.058. Die jüngsten Daten zeigten allein für April und Mai dieses Jahres 705 zivile Todesopfer.

Mittlerweile kontrollieren die Islamisten rund die Hälfte der etwa 400 Bezirke Afghanistans. Beobachter befürchten, dass die Taliban nach dem vollständigen Abzug der internationalen Truppen wieder vollends die Macht am Hindukusch übernehmen könnten.

Die internationalen Truppen verlassen Afghanistan – zum 20. Jahrestag der Terroranschläge auf die USA. Was hinterlässt der Westen am Hindukusch?

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