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Deadline 31. August - Was der Afghanistan-Abzug der USA bedeutet

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Bis zum 31. August sollen alle US-Truppen aus Afghanistan raus. Wieso der US-Präsident bei dieser Deadline bleibt und welche Folgen das hat - Antworten auf die wichtigsten Fragen.

US-Soldaten sichern den Flughafen von Kabul am 15.08.2021.
Bis zum 31. August sollen alle US-Truppen aus Afghanistan raus.
Quelle: picture alliance / Captital Pictures

Lässt der mächtigste Mann der Welt sich Regeln diktieren von den islamistischen Taliban? Diesen Eindruck will der US-Präsident vermeiden, als er am späten Dienstagnachmittag vor die Journalis*tinnen tritt. Gut fünf Stunden ließ er sie warten, das G7-Treffen mit seinen Verbündeten war längst vorbei. Bevor er zum Thema Afghanistan kommt, spricht er zunächst über ein Infrastrukturpaket, das im Repräsentantenhaus verabschiedet wurde. Die Botschaft: Alles unter Kontrolle.

Wieso hält Biden an der Deadline fest?

Joe Biden nannte im Wesentlichen zwei Gründe. Erstens: Es gebe die "akute und wachsende Gefahr eines Anschlags" durch einen Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Afghanisten. Und zweitens: Die Taliban kooperierten im Moment zwar mit den US-Streitkräften, noch sei die Sicherheit gewährleistet. "Aber die Lage ist prekär", so Biden.

Jeder Tag, an dem wir vor Ort sind, ist ein weiterer Tag, an dem wir wissen, dass der IS versuchen wird, den Flughafen anzugreifen und sowohl US-amerikanische als auch verbündete Streitkräfte sowie unschuldige Zivilisten zu attackieren.
US-Präsident Joe Biden

Die Taliban lassen der Regierung in Washington wenig Spielraum. Schon am Montag zogen sie eine "rote Linie" und drohten mit Konsequenzen, sollten die USA ihren Einsatz in Kabul über den 31. August hinaus verlängern. Und die Drohungen werden ernstgenommen, in Washington, London, Berlin.

Vor einigen Monaten sah das ganz anders aus. Da ließ Biden eine Deadline verstreichen, ohne dass es zu Konsequenzen kam. Ursprünglich war im Abkommen von Doha vereinbart worden, dass die US-Truppen bis zum 1. Mai abziehen sollen. Als Biden im April ankündigte, den Einsatz erst einige Monate später zu beenden, drohten die Taliban zwar - griffen aber nicht an.

Nun also doch. Obwohl Frankreich, Großbritannien und Deutschland auf eine Verlängerung des Einsatzes drangen, bleibt US-Präsident Biden bei seinem Kurs: Abzug aus Kabul Ende August. Biden hat einen Grund dafür - er sitzt in einer Falle.

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Inzwischen sitzen die Taliban am längeren Hebel, sie kontrollieren weite Teile Afghanistans, darunter die Hauptstadt Kabul. Und Biden will um jeden Preis verhindern, dass die USA wieder in einen Krieg verwickelt werden. Rede um Rede betont er, dass dieser 20-jährige Krieg irgendwann enden musste und er zu seiner Entscheidung stehe, ihn jetzt zu beenden.

Was bedeutet das für Menschen in Afghanistan?

Die USA haben seit dem 14. August nach eigenen Angaben des Außenministeriums mehr als 80.000 Menschen aus Afghanistan evakuiert oder ihnen bei der Ausreise geholfen. Darunter seien mehr als 4.000 US-Amerikaner*innen.

Dass bis zum 31. August alle US-Bürger*innen aus Afghanistan ausgeflogen werden können, hält Pentagonsprecher John Kirby für möglich. Ob dies auch für alle gefährdeten Afghan*innen gilt, ließ er in einem Briefing am Dienstagnachmittag allerdings offen.

US-Präsident Biden hält am Abzug der Truppen aus Afghanistan bis zum 31. August fest. Einige G7-Partner hatten darum gebeten, den Einsatz zu verlängern.

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Der Nachrichtensender CNN zitiert einen hochrangigen Regierungsmitarbeiter, demzufolge "hochverdiente" Afghan*innen zurückgelassen werden müssten. Er fügte allerdings hinzu, das wäre auch der Fall gewesen, wenn die Taliban zu irgendeinem anderen Zeitpunkt die Macht übernommen hätten.

Zehntausende Afghanen und Afghaninnen, die für die USA gearbeitet haben, sollen sich immer noch in Land aufhalten. Der Weg zum Kabuler Flughafen ist auch für sie schwierig und gefährlich.

Gibt es einen Ausweg aus der Situation?

Biden hält sich eine Hintertür offen. Das Weiße Haus erklärte, die Deadline gelte, solange sich die Taliban ihrerseits an Vereinbarungen halten und den Zugang zum Flughafen gewähren.

Darüber hinaus habe ich das Pentagon und das Außenministerium um Notfallpläne gebeten, um den Zeitplan anzupassen, falls dies erforderlich sein sollte.
US-Präsident Joe Biden

Dass ein solcher Notfallplan auch dann greift, wenn noch afghanische Ortskräfte und Visums-Berechtigte noch im Land sind, ist unwahrscheinlich.

Auch wenn sich Biden die Möglichkeit erhält, die Deadline notfalls noch einmal nachzuverhandeln - für seine europäischen Partner hat er damit Fakten geschaffen. Sie sind auf den Schutz der fast 6.000 US-Soldat*innen am Kabuler Flughafen angewiesen. Ein Abzug wird einige Tage dauern und die Europäer müssen raus, bevor der US-Schutz komplett weg ist. Die Bundesregierung plant ein Ende der militärischen Rettungsflüge aus Afghanistan noch vor diesem Wochenende. Frankreich will die Rettungsmission schon am Donnerstag beenden.

Ohne die Amerikaner sind weitere Evakuierungen in Kabul kaum möglich, doch US-Präsident Biden will den Truppenabzug nicht verschieben. ZDF-Korrespondentin Claudia Bates hat Details.

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Wahrscheinlich ist, dass es eine Vereinbarung für die Zeit nach dem Abzug geben wird. Nach Angaben des deutschen Botschafters Markus Potzel sagten die Taliban bereits zu, auch nach dem 31. August Afghan*innen "mit gültigen Papieren" ausreisen zu lassen. Potzel war zu Verhandlungen nach Doha in Katar entsandt worden.

Die USA verhandeln ebenfalls mit den Taliban. US-Außenminister Antony Blinken sagte auf einer Pressekonferenz, es gebe keine Frist dafür, Menschen zu helfen, die Afghanistan verlassen wollen. Das gelte für US-Amerikaner*innen wie für Afghan*innen. Diese Bemühungen würden "solange wie nötig" fortgesetzt würden.

Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden diplomatischen und wirtschaftlichen Hilfsinstrumente nutzen, um auch nach dem 31. August Flüchtlinge herauszuholen.
US-Außenminister Anthony Blinken

Doch wie verlässlich Zusagen der Taliban sind, wie geschlossen sie auftreten, wie stabil ihre Herrschaft - all das ist vollkommen unklar. Sie aber hätten die Kontrolle darüber, wer tatsächlich noch aus Afghanistan ausreisen darf, wenn die internationalen Truppen endgültig weg sind.

Taliban-Kämpfer patrouillieren am 18.08.2021 im Stadtteil Wazir Akbar Khan in der Stadt Kabul, Afghanistan.
Liveblog

Das Wichtigste im Liveblog - Die aktuelle Entwicklung in Afghanistan 

Die Taliban haben die Macht in Afghanistan übernommen, westliche Staaten versuchen, Staatsbürger und ehemalige Ortskräfte aus Kabul auszufliegen. Die Entwicklungen hier im Blog.

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