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Agrarpolitik der EU - Wissenschaftler fordern Öko-Wende

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Die EU-Landwirtschaftsminister haben sich auf eine Agrarreform geeinigt. Wissenschaftler fordern eine klare Kursänderung bei Subventionen an Landwirte.

Traktor auf einem Feld.
In landwirtschaftlichen Gebieten ist die Artenvielfalt stark rückläufig.
Quelle: Uwe Anspach/dpa/Archiv

Die Artenvielfalt auf Äckern und Wiesen nimmt dramatisch ab, fast jeder dritte Schmetterling ist verschwunden. Die Nationale Akademie der Wissenschaften und andere Einrichtungen fordern ein Umdenken in der Landwirtschaft. Es ist eine überraschend kritische Studie zur Lage der biologischen Vielfalt in Deutschland, die diese Institute herausgegeben haben.

Europaweit massiver Artenrückgang

Vor allem in landwirtschaftlich genutzten Gebieten geht es steil bergab: "Der Verlust der biologischen Vielfalt in Mitteleuropa und in Deutschland findet vor allem in der Agrarlandschaft statt", sagt Katrin Böhning-Gaese, die als Co-Vorsitzende die Arbeit an der Studie mit geleitet hat. Es kann kein "Weiter so" geben, betont sie im ZDF-Interview in Frankfurt am Main.

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Ob Vögel, Insekten oder Pflanzen - die Studie verweist auf den Zusammenbruch der Bestände von z.B. Feldvogelarten um fast 70 Prozent seit 1995. Zu sehen sind ein massiver europaweiter Insektenrückgang sowie das Verschwinden vieler Ackerwildkräuter. Hauptgründe sind die intensive Nutzung der Flächen der Landwirtschaft, die monotonen Kulturen und der Einsatz von flächendeckenden Pestiziden, so die Studie.

Subventionszahlungen an Artenerhalt knüpfen

Das gesamte System der europäischen Landwirtschaft habe sich in einen Zustand manövriert, der für Landwirte und Gesellschaft gleichermaßen unbefriedigend sei. "Der immer größere Verlust der Artenvielfalt hat auch direkte Folgen für die Menschen, für die Ernährung, für unsere Erholung, für unser psychisches Wohlbefinden", betont die Studienverfasserin.

Landwirte handeln häufig aus wirtschaftlichen Zwängen heraus. Sie haben keine andere Wahl, als das Land geradezu industriell zu nutzen.
Katrin Böhning-Gaese, Direktorin Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum

Die Wissenschaftler formulieren Vorschläge, wie die Politik handeln könnte. Inzwischen haben sich die EU-Staaten auf eine Agrarreform geeinigt. Zur Lösung des Konflikts haben die Akademien Empfehlungen in acht Handlungsfeldern erarbeitet. An erster Stelle steht die Forderung nach einer veränderten Agrarpolitik: Subventionszahlungen an Landwirte sollen an Beiträge zum Erhalt der Artenvielfalt geknüpft werden.

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Fleischkonsum und Pestizideinsatz senken

Auch ein einheitliches EU-Landwirtschaftsgesetz, die Verringerung des Fleischkonsums und mehr Hilfen für Landwirte, die auf umweltverträgliche Wirtschaftsweise umstellen, werden empfohlen. Der flächendeckende Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sollte deutlich reduziert werden. Die negativen Auswirkungen auf Bienen seien eindeutig bewiesen.

Die Wissenschaftler fordern vor allem eine radikale Kurswende in der deutschen und europäischen Landwirtschaftspolitik. Sie betonen, dass es hierbei nicht darum geht, den Landwirten eine Schuld zuzuweisen. Es gehe um Umgestaltung: Denn die gemeinsame Agrarpolitik der EU sei der entscheidende Hebel, um die Struktur der Landwirtschaft zu verändern.

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