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Schmelzende Frostschicht - Klimawandel bedroht Alaskas Lebensraum

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Die Temperaturen in Alaska steigen, der Permafrostboden taut auf. Das freigesetzte CO2 und Methan befeuert die globale Erwärmung, die Ureinwohner fürchten um ihre Lebensart.

Der Klimawandel ist sichtbarer denn je. Die Notlage von indigenen Völkern weltweit wird häufig übersehen. Auch in Alaska stehen das Volk der Gwich’in und ihr Lebensraum vor existenziellen Bedrohungen.

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Wir sind auf einer Reise mitten in das Leben der Gwich’in. Sie sind Ureinwohner Alaskas. Vier Generationen sitzen mit uns in einem Boot – der neunjährige Viktor, sein 86-jähriger Uropa Trimble, dessen Sohn Bobby, Vater von Curtis.

Die Gilbert-Familie erlebt den Klimawandel hautnah im Arctic Village oberhalb des Polarkreises. Der Wasserspiegel im Fluss ist so niedrig, wie sie es noch nie erlebt haben. Die Böschungen sacken ab, auch weil der Permafrostboden, die eisdurchsetzte Schicht in der Erde, weiter auftaut.

Etwa ein Viertel der nicht-vergletscherten Erde sind Permafrostgebiete. Ist der Boden dort permanent gefroren oder kann er wieder auftauen?

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Der Klimawandel vertreibt die Tiere

Die Tiere, von denen die Gwich’in sich ernähren, spüren den Klimawandel - Karibus, Elche, Fische. Auch Vögel sind seltener geworden. "Es war früher so laut, Tausende von Vögeln, die singen", erzählt Trimble Gilbert:

wir konnten kaum schlafen im Lager. Jetzt hört man nichts mehr.
Trimble Gilbert

Alle Menschen und Tiere seien bedroht. Und die Politik müsse sich endlich einig sein im Kampf gegen den Klimawandel, meint Trimble: "Jeden Tag streiten sie, Republikaner und Demokraten. Sie lösen keine Probleme, sie wissen nicht, was sie tun." Der politische Streit mag weit entfernt sein vom Arctic Village, aber der Lebensraum der knapp 200 Menschen hier und der rund 5.000 anderen Gwich’in in der Region taut.

Boden sackt ab, Bäume sterben

Wir fliegen nach Fairbanks, der zweitgrößten Stadt des nördlichsten US-Bundesstaates. Hier schlägt der Klimawandel Wellen - wortwörtlich. Straßen und Häuser sacken ab, weil der Permafrost schmilzt.

Vor einem Jahr ragte der Fiberglass-Stab von Professor Doug Goering noch 50/60 Zentimeter aus der Erde. Jetzt verschwindet er fast, bis er auf die durcheiste Schicht im Boden trifft. Wenn die Permafrostplatten auftauen, sackt erst der Boden ab, dann kippen und sterben die Bäume.

Eisberge sind an der Mündung des Jakobshavn-Eisfjords in der Nähe von Ilulissat (Grönland), zu sehen, Aufgenommen am 16.09.2021

Report zum Zustand der Weltmeere - Arktis schmilzt, Meeresspiegel steigt 

Die Ozeane heizen auf, das arktische Eis geht zurück, viele Arten sind bedroht: Den Weltmeeren geht es immer schlechter. Ein aktueller Report zeichnet ein düsteres Bild.

"Einige sehr warme Winter in Alaska"

Das CO2, das sie gebunden haben, entweicht in die Atmosphäre, befeuert die globale Erwärmung. Alarmzeichen, meint Professor Goering von der Universität Alaska:

 

Ich würde sagen, die Probleme sind schlimmer als vor 20, 30 Jahren. Wir hatten einige sehr warme Winter in Alaska, so dass der Permafrost wärmer ist und im Sommer noch mehr auftaut.
Douglas Goering

Dadurch könnte auch die große Öl-Pipeline im nördlichsten US-Bundesstaat ins Wanken kommen. Mittlerweile braucht die Pipeline regelrechte Kühlstäbe, damit der Permafrost unter ihr nicht weiter auftaut. In den Pfeilern befindet sich ein Kühlmittel, das im Winter durch die Restwärme im Boden aufgeheizt wird und diese Wärme nach oben ableitet. Das Eis in der Erde bleibt länger stabil. Aber an einem Hang zwei Stunden nördlich von Fairbanks befürchten Umweltverbände ein Platzen der Pipeline, weil der Permafrost rund um die Tragpfeiler immer instabiler wird.

Die Biden-Regierung hat im Juni alle Aktivitäten zur Öl- und Gasförderung in einem Schutzgebiet in Alaska ausgesetzt. Der Grund: Mängel bei der Vergabe der Bohrrechte.

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Ölbranche wichtig für die Region

Es wäre eine Katastrophe, eine zusätzliche, denn die Lage ist jetzt schon katastrophal, auch in Barrow - oder Utqiaġvik in der Sprache der Innupiat – dem nördlichsten Ort der Vereinigten Staaten. Hier leben rund 5.000 Menschen, viele arbeiten in der Ölbranche. Temperaturen von 4-5 Grad Celsius sind normal im Sommer, aber in den letzten Jahren kletterten die Werte auch schonmal auf 27 Grad. Der Permafrostboden taut.

Doreen Leavitt zeigt uns den Eiskeller, in dem ihre Familie das Fleisch der Wale lagert, rundum gekühlt durch die vereiste Erde. Immer mehr dieser natürlichen Eisschränke gehen kaputt, eben weil der Permafrost schmilzt. "Einmal stand er voll Wasser", erzählt Doreen, "wir konnten ihn nicht benutzen. Weil das Jahr wärmer war." Mit riesigen Sandsäcken kämpfen sie hier an gegen den Klimawandel. Denn die Herbststürme sind so heftig, dass die Küstenlinie erodiert. Jedes Jahr werden die Säcke neu am Ufer platziert, jedes Jahr werden sie von der Flut weggerissen.

Sorge um die kommende Generation

Die CO2-Werte in der Atmosphäre der Erde liegen heute mit 420 ppm auf einem Höchstwert seit über drei Millionen Jahren. Früher brauchten große Schwankungen zehntausende von Jahren, jetzt verändern Menschen das Klima schneller, als das jemals geschah, und das Eis der Erde schmilzt in einer Geschwindigkeit, wie es die Welt noch nie gesehen hat.

Beim jetzigen Tempo ist die Chance zur Anpassung gleich null. Deshalb fürchten Alaska Ureinwohner um ihren Lebensraum und ihre Lebensart. "Vor uns liegen harte Zeiten. Ich sorge mich um die nächste Generation", hat uns der 86-jährige Trimble Gilbert in Arctic Village gesagt. Dann schluckt er und kämpft mit den Tränen.

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