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Alternative Nobelpreise - Auszeichnung für Graswurzel-Aktivisten

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Kampf für Menschenrechte und Umwelt: Die Alternativen Nobelpreise gehen an Aktivistinnen und Aktivisten aus Kamerun, Russland, Kanada und eine Umweltschutzorganisation aus Indien.

Die Juristin Marthe Wandou aus Kamerun
Erstmals geht die Auszeichnung nach Kamerun: Dort kämpft die Friedens- und Genderaktivistin Marthe Wandou gegen Kinderehen sowie sexualisierte Gewalt.
Quelle: dpa

Marthe Wandou, Wladimir Sliwjak, Freda Huson und die Legal Initiative for Forest and Environment (Life) werden in diesem Jahr für ihren jeweiligen Einsatz für Frauen- und Mädchenrechte, den Klima- und Umweltschutz sowie die Rechte von Ureinwohnern mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Das gab die Right-Livelihood-Stiftung, die die Auszeichnung alljährlich vergibt, in Stockholm bekannt.

Stiftungsdirektor: Unerschrockene Aktivistinnen und Aktivisten

Die diesjährigen Preisträger seien unerschrockene Aktivistinnen und Aktivisten, die zeigten, was Graswurzelbewegungen bewirken könnten, sagte Stiftungsdirektor Ole von Uexküll. Angesichts der Klima- und Umweltkrise, von Gewalt und eklatanten Menschenrechtsverletzungen setzten sie sich durch Solidarität und gezielte Organisation lokaler Gemeinschaften erfolgreich für eine bessere Zukunft ein.

Die Juristin Marthe Wandou aus Kamerun
Die Juristin Marthe Wandou aus Kamerun.
Quelle: dpa

Die Juristin Marthe Wandou aus Kamerun wird dafür ausgezeichnet, dass sie in ihrer Heimat angesichts von terroristischen Übergriffen und geschlechtsspezifischer Gewalt ein Modell des gemeindebasierten Kinderschutzes geschaffen hat. Mit ihrer 1998 gegründeten Organisation Aldepa setzt sich die 57-Jährige für Bildung und die Bewältigung psychischer Traumata infolge von Krisen und Konflikten ein. Nach Angaben der Stockholmer Stiftung kam Wandous Engagement bislang mehr als 50.000 Mädchen zugute. 

Wladimir Sliwjak, russischer Umweltschützer
Wladimir Sliwjak, russischer Umweltschützer.
Quelle: dpa

Der russische Umweltschützer Wladimir Sliwjak bekommt den Preis dafür, dass er den Widerstand der Zivilgesellschaft gegen die Kohle- und Atomindustrie in Russland gestärkt hat. Trotz staatlicher Repressionen wehrt sich der 48-jährige Mitbegründer der Organisation Ecodefense gegen die Förderung fossiler Brennstoffe und Atomkraft und kämpft für die Nutzung erneuerbarer Energien. Ecodefense war die erste russische Umweltorganisation, die 2013 eine Kampagne gegen den Kohleabbau in Russland begann.

Freda Huson, eine kanadische Vorkämpferin für die Rechte von Ureinwohnern
Freda Huson, Aktivistin aus Kanada.
Quelle: dpa

Die Kanadierin Freda Huson wiederum erhält die Auszeichnung für ihren Einsatz bei der Rückeroberung der Kultur ihres Volkes, der indigenen Wet'suwet'en, bei der es auch um die Verteidigung von Land geht. Die 57-Jährige ist Koordinatorin des "Unist'ot'en"-Camps, von wo aus der Protest gegen den Bau einer Gas-Pipeline organisiert wird. Laut Stiftung gehört zum Camp auch ein Zentrum, das sich um die Heilung kolonialer Traumata bemüht.

Ritwick Dutta (r) und Rahul Chowdhury, Gründer der in Indien ansässige Legal Initiative for Forest and Environment (Life)
LIFE-Gründer Ritwick Dutta (rechts) und Rahul Chowdhury.
Quelle: dpa

Die Legal Initiative for Forest and Environment (LIFE) aus Indien wird für ihre juristische Arbeit geehrt, mit der sie lokalen indischen Gemeinden dabei hilft, ihre Naturressourcen zu schützen. Mithilfe der Organisation wehrten sich Bewohner im ostindischen Bundesstaat Odisha gegen ein Bauxit-Projekt eines britischen Konzerns. Im April 2013 entschied Indiens oberstes Gericht, das Projekt dürfe nicht gegen den Willen der Bevölkerung betrieben werden.

Die diesjährigen Preisträger zeigten die Power, die von Menschen ausgehen könne, wenn sie sich gemeinsam organisierten - selbst gegen Terroristen oder die schlimmsten Verursacher des Klimawandels, sagte von Uexküll der Deutschen Presse-Agentur.

Ihr wichtigster gemeinsamer Nenner ist, dass sie andere Menschen mobilisieren und dazu ermutigen, für die eigenen Rechte und Ideen einzustehen und sich zu organisieren.
Stiftungsdirektor Ole von Uexküll

Ehrung am 1. Dezember in Stockholm

Geehrt werden die Ausgezeichneten am 1. Dezember im Rahmen einer Live-Veranstaltung in Stockholm. "Wir rechnen zurzeit damit, dass alle kommen können", sagte von Uexküll der dpa mit Blick auf die derzeitige Pandemielage. In diesem Jahr sind 206 Persönlichkeiten und Organisationen aus insgesamt 89 verschiedenen Ländern für den Preis nominiert gewesen.

Die Right-Livelihood-Stiftung ist bekannt dafür, häufig diejenigen auszuzeichnen, die nicht im großen Rampenlicht stehen. Gelegentlich waren aber auch sehr prominente Namen unter den Preisträgerinnen und Preisträgern gewesen, etwa die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren 1994, der US-Whistleblower Edward Snowden 2014 oder Klimaaktivistin Greta Thunberg vor zwei Jahren.

"Es ist nicht unser Auswahlkriterium, ob jemand bekannt oder unbekannt ist", sagte der gebürtige Hamburger von Uexküll. Manche Preisträger seien in ihren Regionen und Themenfeldern bereits sehr bekannt - während man in Deutschland noch nie von ihnen gehört habe.

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