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Ukrainische Gegenoffensive : Russland muss seine Truppen neu formieren

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Die ukrainische Gegenoffensive in der Region Cherson läuft, Russland nutzt ein Kernkraftwerk als Schutzschild. Eine Militäranalyse der aktuellen Lage im Ukraine-Krieg

Archiv: Russische Soldaten in Cherson
In der von russischen Kräften besetzten Region Cherson startet die Ukraine einen Gegenangriff. (Archivbild)
Quelle: dpa

Der Gegenangriff der Ukraine in der Region Cherson hat Russland gezwungen, bedeutende Kontingente seiner Streitkräfte aus dem Donbass an die Westfront zu verlegen. Deshalb muss Moskau seine Offensive in der Region verlangsamen. Aus Mangel an Bodentruppen reduzieren die Russen ihre Angriffe auf Siversk und Slowjansk.

Im Südwesten konnte Russland sein - ohnehin sehr langsames - Operationstempo beibehalten, wo sich die angreifenden Truppen Avdiivka und Bakhmut nähern. Das langsame Vorwärtskommen, die hohen Verluste sowie die immer größere Erschöpfung seiner Verbände, lassen fraglich erscheinen, ob Russland überhaupt in der Lage sein wird, den Rest des Donbass einzunehmen.

Versorgung russischer Verbände in Cherson erschwert

Weiter westlich in der Region Cherson schreitet der Gegenangriff der Ukraine langsamer voran. Durch den geschickten Einsatz der Himars-Raketensysteme hat die Ukraine alle drei Brücken über den Fluss Dnipro beschädigt, was die logistische Versorgung der russischen Streitkräfte westlich des Flusses erschwert.

Die russischen Truppen haben eine Fähre unter der beschädigten Antonowsky-Brücke installiert und befördern gleichzeitig zivile und militärische Fahrzeuge auf den Pontons, um die Fähre vor ukrainischem Artilleriebeschuss zu schützen: ein weiterer Verstoß gegen die Genfer Konvention, da Zivilisten als menschliche Schutzschilde benutzt werden.

Die Fähre hat jedoch nur einen Bruchteil der Transitkapazität der beschädigten Brücke, sodass sich die allgemeine Versorgungslage der russischen Streitkräfte, die im westlichen Teil der Region Cherson kämpfen, kaum verbessern dürfte.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft der Ukraine vor, durch ihre Militärtaktik Zivilisten zu gefährden. Präsident Selenskyj wies die Anschuldigungen zurück.

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Russische Artillerie nutzt Kernkraftwerk als Schutzschild

In der Region Saporischschja haben russische Streitkräfte Stellungen am Saporischschja-Kernkraftwerk in Enerhodar bezogen. Am Freitag warf die ukrainische Kraftwerksbetreiberin Energoatom Russland Angriffe in der Nähe des Reaktors vor. Es bestehe die Gefahr des Auftretens von radioaktiver Strahlung. "Die Brandgefahr ist hoch", so Energoatom. Verletzte habe es keine gegeben. Russland wies die Vorwürfe zurück und machte "bewaffnete ukrainische Gruppen" für die drei Artillerieschläge verantwortlich.

Die internationale Atomaufsichtsbehörde IAEA versucht seit Wochen, Inspektoren zu der Anlage zu entsenden. Dass Russland das Kraftwerk als Schutzschild für ihre Artillerie nutzt, ist ein klarer Verstoß gegen die Genfer Konvention, die vorschreibt, dass in der Nähe von Anlagen, die gefährliche Stoffe enthalten, besondere Vorsicht geboten ist. Dennoch nutzt Russland das Kraftwerk aktiv als Artilleriestützpunkt und beschießt die ukrainischen Streitkräfte in Reichweite.

Dies zwingt die Ukraine dazu auf direkte Gegenangriffe zu verzichten, da dies die Reaktoren und damit die gesamte Region gefährden würde. Obwohl es der Ukraine gelungen ist, einige russische Fahrzeuge durch den Einsatz von Selbstmorddrohnen mit Präzisionsschlägen auszuschalten, haben ihre Streitkräfte noch keinen Weg gefunden, wie sie der im AKW stationierten russischen Artillerie begegnen können.

Ungefähr 38.000 Soldatinnen sind nach ukrainischen Angaben in der ukrainischen Arme. Eine von ihnen ist "Hexe". Sie ist Scharfschützin.

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Agrarexporte: Russland kooperiert und behindert

Einerseits konnte am 1. August, im Einklang mit dem Istanbuler Abkommen, der Export von Agrargütern auf dem Seeweg aus der Ukraine wieder aufgenommen werden. Das erste Schiff konnte das Minenfeld passieren und anschließend Istanbul erreichen. Dort wurde es von Experten der Türkei, Russlands, der Ukraine und der UNO durchsucht, um sicherzustellen, dass keine Waffen an Bord sind.

Die russische Schwarzmeerflotte hielt sich an die Vereinbarung und ließ den Transport zu. Seitdem haben auch drei weitere Frachtschiffe die Ukraine erfolgreich verlassen, was darauf hindeutet, dass der weltweit wichtige Export ukrainischer Agrargüter langsam wieder anläuft.

Gleichzeitig tötete Russland in der Nacht zuvor, am 31. Juli, den ukrainischen Agrar-Tycoon Oleksiy Vadatursky in Mykolaiv offensichtlich durch einen gezielten Raketenangriff: Dieser traf das Schlafzimmer des Oligarchen und tötete ihn und seine Frau auf der Stelle. Es war die erste gezielte Tötung durch einen Raketenangriff Russlands. Vadaturskis Tod wird wahrscheinlich die wiederaufgenommenen Agrarexporte aus der Ukraine behindern, aber nicht blockieren.

Montage: Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj vor einem Blick auf das zerstörte Mariupol

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