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"Unzureichende Ziele" - Weltweite Klimaambitionen geraten ins Stocken

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Nur noch rund sechs Wochen bis zur Weltklimakonferenz. Aus dem einst frischen Wind bei den weltweiten Klimaambitionen ist ein laues Lüftchen geworden, stellt nun eine Analyse fest.

Qualmende Schornsteine einer Industrieanlage.
Es wird immer wärmer auf der Erde und die Bemühungen, dagegen vorzugehen, sind in vielen Ländern unzureichend.
Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Gambia ist ein kleines Land im Westen Afrikas und nicht eben dafür bekannt, bei Klimaverhandlungen im Mittelpunkt zu stehen. Und trotzdem sticht es so wenige Wochen vor der Konferenz in Glasgow im November hervor. Nämlich dadurch, dass es - dank des Ausbaus erneuerbarer Energien - auf dem Pfad zu einer Begrenzung der Erderwärmung von maximal 1,5 Grad liegt. Als einziges unter den 37 vom Climate Action Tracker (CAT) beobachteten Ländern.

Deutsche Ziele "unzureichend"

Bei allen anderen - so die Analyse - wird es bisher nichts mit dem Klimaziel von Paris. Das schließt auch die EU, Japan, die USA und Deutschland mit ein, deren Ambitionen als "unzureichend" eingestuft werden. Die deutschen Ziele seien zwar besser als vorher, aber "immer noch nicht ambitioniert genug", sagt Niklas Höhne vom NewClimate Institute, das an der Analyse beteiligt war.

Bis 2030 soll der Ausstoß um 65 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden, bis 2045 sogar um hundert Prozent. Allerdings: Es fehlten die nötigen Maßnahmen, um die Ziele auch zu erreichen, so Höhne:

Der Kohleausstieg ist zu spät, Emissionen im Transport fallen nicht, der Ausbau der Erneuerbaren stockt.
Niklas Höhne
Archiv: Das Braunkohlekraftwerk Niederaußem von RWE gesehen von einer Wohnsiedlung in Niederaußem aus

Wahlprogramme-Analyse - Parteien verfehlen 1,5-Grad-Ziel  

Fast alle Parteien bekennen sich in ihren Wahlprogrammen zum 1,5-Grad-Ziel. Analysen zeigen aber: Die angestrebten Klimaziele der Parteien reichen dafür wohl nicht aus.

von Nathan Niedermeier

Ambitionen heruntergeschraubt

Noch viel schlechter schneiden etwa Australien, Brasilien, Russland, Vietnam oder die Schweiz ab. Die hätten ihre Ambitionen entweder gar nicht angehoben oder sogar noch heruntergeschraubt. Großbritannien dagegen wird unter "beinahe zureichend“ einsortiert - neben Costa Rica, Nepal oder Marokko. Bedeutet: Diese Länder kämen mit kleinen Verbesserungen auf einen 1,5-Grad-Pfad.

Dass es jetzt nicht vorangeht, kommt überraschend. Vor ein paar Monaten hatte es noch nach Aufbruchstimmung ausgesehen. "Ende letzten Jahres hatten Großbritannien, die EU und China neue Ziele vorgelegt. Dann kam ein neues Momentum auf, als die USA nachgelegt und Japan und Korea mitgezogen haben", erinnert sich Höhne. Schließlich aber setzte das große Abwarten ein. Stichtag für neue, ambitioniertere nationale Klimaziele, die nach dem Abkommen von Paris vorgelegt werden müssen, war ja auch erst der 30. Juli.

Ernüchternde Bilanz

Aber auch der verstrich weitgehend geräuschlos. Nur 58 Prozent der Vertragsländer hatten ihre Ziele bis dahin vorgelegt, stellte die UN-Klimaschutzbeauftrage Patricia Espinoza ernüchtert fest. Und die ließen oft zu wünschen übrig.

Die gemeinsamen Anstrengungen bleiben weit hinter dem zurück, was laut Wissenschaft nötig ist, um die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad zu begrenzen - ganz zu schweigen vom gewünschten 1,5-Grad-Ziel.
Patricia Espinoza

Laut CAT-Analyse ist bisher die Lücke zwischen den aktuellen Ambitionen und dem, was für das Pariser Klimaziel passieren müsste, nur um 15 Prozent geschlossen worden. Im Frühjahr waren es 14 Prozent gewesen. "Seit Mai ist die Lücke nicht mehr wirklich kleiner geworden", sagt Höhne.

Kein einziges großes Land hat ein neues Ziel vorgeschlagen.
Niklas Höhne

Angst vor einem Flop in Glasgow

Keine guten Vorzeichen für die Weltklimakonferenz im November in Glasgow. Bis dahin wird es weitere Analysen und Appelle geben - sicher auch am Montag bei einem kleinen Klimagipfel in New York. Groß ist die Angst der UNO und bei den Briten als Veranstalter, dass Glasgow ein Flop werden könnte.

Keine 100 Tage vor der UN-Weltklimakonferenz in Glasgow ist nach den Worten des Vorsitzenden Alok Sharma der Weg zu einer Einigung noch weit.

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1 min
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Einen "Lichtblick" gebe es allerdings, so Höhne: 131 Staaten der Welt haben sich inzwischen bereits das Ziel gesetzt, klimaneutral zu werden oder diskutieren das zumindest. Das betreffe immerhin drei Viertel des weltweiten Treibhausgasausstoßes. "Es ist nicht mehr die Frage, ob wir global aus Kohle, Öl und Gas aussteigen, sondern wann", glaubt Höhne.

Eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad, dem Minimalziel von Paris, sei mit diesen Zielen möglich. Dazu müssten nun aber auch schnell die notwendigen Maßnahmen umgesetzt werden - nicht nur in Gambia.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion

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