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Angela Merkel blickt zurück : "Nicht mehr mein Schreibtisch"

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Der Journalist Alexander Osang führte ein launiges, aber auch sehr ernstes Gespräch mit Altkanzlerin Angela Merkel. Über ihre Auszeit, die Ampel und über Putin.

Angela Merkel macht sich keine Illusionen über den russischen Präsidenten: "Putins Feindschaft geht gegen das westliche demokratische Modell. Er will die Europäische Union zerstören, weil er sie als Vorstufe zur Nato sieht." Der Angriff auf die Ukraine sei ein großer Fehler, ein "das Völkerrecht missachtender Überfall, für den es keine Entschuldigung gibt", so Merkel auf die Fragen von Alexander Osang.

Auf der Bühne des Berliner Ensembles sitzt eine schlagkräftige und ausgeruhte Altkanzlerin - fast wie in alten Zeiten. Genau ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass sie die Amtsgeschäfte an Olaf Scholz übergeben hat. Das sei "gut gelungen", sie sei mit sich "im Reinen", gibt sie dann auch zu Protokoll.

Altkanzlerin hat Hörbücher für sich entdeckt

Fast fünf Wochen sei sie nach dem Amtswechsel an der Ostsee gewesen. Um sich auszuruhen, zu entspannen, Abstand zu gewinnen. Fast bockig sagt sie:

Sechzehn Jahre ist alles von Belang in diesem Land an meinem Schreibtisch vorbeigekommen.
Altkanzlerin Angela Merkel

Jetzt sei der Unterschied, "dass nicht mehr alles von Belang vorbeikommt". Jetzt habe sie das Medium der Hörbücher für sich entdeckt.

Angela Merkel stellt sich erstmals seit ihrem Ausscheiden aus dem Amt als Bundeskanzlerin öffentlich den Fragen eines Journalisten.

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Merkel sieht keine Mitschuld an Putins Invasionspolitik

16 Jahre lang war Wladimir Putin ihr größter Gegenspieler, sie kennt ihn gut. Für ihn, so erzählt sie, sei der Untergang der Sowjetunion das größte Unglück gewesen, während es für sie das größte Glück war. Ihre Analyse der russischen Aggression lautet:

Es ist nicht gelungen, den Kalten Krieg zu beenden.
Altkanzlerin Angela Merkel

Klar verurteilt sie die russische Invasionspolitik: "Wenn wir anfangen, durch die Jahrhunderte zu gehen und zu sagen, welches Stück Territorium gehört wem, dann haben wir nur noch Krieg. Das geht auf gar keinen Fall." Eine Mitschuld, gar einen eigenen Anteil sieht sie nicht, trotz der massiven Kritik.

So wirft ihr der Russland-Experte und ehemalige Spiegel-Korrespondent in Moskau, Christian Neef, vor, immer zuerst auf Russland gehört zu haben, der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk beschuldigt Merkel der "Appeasement"-Politik und der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sieht bei ihr die Verantwortung für die Energieabhängigkeit Europas von Russland.

Angela Merkel habe erklärt, was die Beweggründe für ihre Ostpolitik gewesen seien, so bewertet Merkel-Biograph Ralph Bollmann den jüngsten Auftritt der Kanzlerin a.D. Sie habe Putin als Gefahr gesehen und deshalb eine Politik der Deeskalation gewählt.

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Kein böses Wort über Nachfolger Scholz

Angela Merkel vermeidet es auf der Bühne des Berliner Ensembles sich in die aktuelle Politik der Ampel-Koalition einzumischen. Kein schlechtes Wort über den Nachfolger, Kanzler Olaf Scholz, oder die Querelen der Koalition. Kein Wort zum Zögern und Zaudern bei Waffenlieferungen an die Ukraine.

Allenfalls zwischen den Zeilen gibt es Andeutungen. Etwa, wenn sie sagt, auch sie sei gegen Waffenlieferungen gewesen. Dabei meint sie allerdings die Zeit nach der Invasion der Krim 2014. Und auch nicht aus grundsätzlichen Erwägungen, sondern weil Frankreich und Deutschland "eine Moderationsrolle" eingenommen hätten. Jetzt sei allerdings eine "Zäsur" eingetreten und eine andere Zeit.

Die Kritik an der Russland-Politik der ehemaligen Kanzlerin Angela Merkel wird lauter: Hat sie Deutschland abhängig gemacht von Präsident Putin und russischem Gas?

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4 min
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Merkel: Nicht mehr zu allem Stellung nehmen

Ansonsten bestehe die Regierung ja "nicht aus Newcomern", und wenn wirklich etwas schieflaufe, wüsste sie, wen sie anrufen müsste oder könnte. "Musste ich aber nicht", sagt sie lakonisch. Man kann es auch so verstehen, dass der Nachfolger manche Suppe schon selbst auslöffeln müsse.

Lebendig, ja leidenschaftlich wird sie, als sie auf ihren Italienurlaub vor vier Wochen angesprochen wird. Sie sei jetzt "nicht mehr verpflichtet" zu allem Stellung zu nehmen, und sie könne sich aussuchen, wo und wozu sie künftig ihre Meinung sagen will. Auch der Autor dieses Beitrages hatte sie dafür kritisiert.

Nach 16 Jahren verlässt Angela Merkel die politische Bühne. Schlaglichtartig beleuchtet die Dokumentation die "Ära Merkel". Von A wie Angie bis Z wie Zukunft.

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44 min
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Vermittlerin: "Nur wenn die Regierung bitten würde"

"Ich muss nicht sagen, ob das 9-Euro-Ticket gelungen ist", scherzt sie und macht deutlich, dass sie sich sehr auf die Italienreise gefreut hätte. Viele dieser Ausstellungen seien in den letzten Jahren nur an ihr vorbeigeflogen. "Ich kann ja nicht für den Rest meines Lebens nicht mehr verreisen dürfen", pocht Merkel auf ihren Status als Ex-Kanzlerin.

Nur in einen Dienst würde sie sich wohl noch verpflichten lassen. Auf die Frage nach einer Vermittlerrolle im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sagt Merkel nicht sofort Nein. "Es gebe aus meiner Sicht wenig zu besprechen", schränkt Merkel ein, und auch nur, wenn "die deutsche Regierung bitten würde". Ein Seitenhieb gegen ihren Vorgänger Gerhard Schröder, der ohne Kenntnis der Bundesregierung zu Wladimir Putin gereist war.

Angela Merkel

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