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Wo Anne Frank noch heute Vorbild ist

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75. Todestag - Wo Anne Frank noch heute Vorbild ist

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Vor 75 Jahren wurde Anne Frank im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet. Was verbinden Jugendliche heute mit ihr und ihrem Schicksal?

Archiv: Anne Frank beim Schreiben, undatierte Aufnahme
Ein "Mensch mit starkem Charakter, voller Hoffnung und Einsatz für ein liebevolles Zusammenleben", sagt eine Jugendliche über Anne Frank.
Quelle: AP

Für die Kinder und Teenager der Anne-Frank-Schule im nordhessischen Eschwege ist Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung keine hohle Phrase. Es gehört zur DNA ihrer Schule.

"Unsere Schule selbst ist ein Zeichen gegen Rassismus", sagt Lotta Schlarbaum, die 16-jährige Schulsprecherin.

Anne Frank ist für uns ein Symbol für Mut und Menschlichkeit und diese Werte wollen wir heute auch leben
Lotta Schlarbaum, Schulsprecherin der Anne-Frank-Schule in Eschwege

Die Schüler machen das tagtäglich im Kleinen - oder sie gehen für ihre Überzeugungen auf die Straße, wie am kommenden Freitag.

Auch der Terror von Hanau ist Thema

Gemeinsam mit Schülern zwei weiterer Eschweger Schulen bereiten die Schüler der Anne-Frank-Schule eine Sternwanderung mit abschließender Demonstration für Courage und Mitgefühl vor.

Es ist ihre Reaktion auf den Terror von Hanau, bei dem der Täter Tobias R. am 19. Februar neun Menschen aus mutmaßlich fremdenfeindlichen Motiven ermordete.

Mit der Sternwanderung wollen wir ein Zeichen setzen gegen Rassismus und für eine offene, lebenswerte Gesellschaft.
Maria Tapu, 16-jährige Schülerin

Extremes Gedankengut und die Verantwortung der Rechten

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1 min
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Polizei rät zuerst von Sternwanderung ab

Etwa 2.000 Kinder und Jugendliche, Lehrer und Eltern werden sich daran beteiligen - und dass das im Jahr 2020 in Deutschland tatsächlich Courage erfordert, zeigen die Sicherheitsbedenken der Polizei im Vorfeld.

Nachdem nämlich am Rosenmontag im nordhessischen Volkmarsen ein 29-Jähriger sein Auto in eine Menschenmenge steuerte und dabei 76 Menschen verletzte, rieten die Beamten von der geplanten Sternwanderung in Eschwege ab.

Gefahr für die Schüler macht nachdenklich

"Wir haben die Aktion verschoben, weil wir die Kinder natürlich nicht gefährden wollen", sagt Schulleiterin Kerstin Ihde. Sie trifft damit einen sensiblen Punkt. Denn gegen genau dieses beklemmende Gefühl - gefährdet aufwachsen und Angst haben müssen vor Gewalt - wollen sich die Schüler öffentlich zur Wehr setzen.

Die 15-jährige Pia Feldbusch verbindet mit der Sternwanderung auch eine darüber hinaus gehende Botschaft: "Es geht darum zu erkennen, dass wir alle Menschen mit den gleichen Rechten und der gleichen Würde sind. Dass wir uns alle als Menschen akzeptieren und niemanden ausschließen, nur weil er vielleicht anders aussieht oder einen anderen Glauben hat."

Der Name Anne Frank verpflichtet

Achtung des Einzelnen, Toleranz und Interesse an kultureller Vielfalt und wertschätzender Umgang miteinander: Das sind einige der Leitmotive der Anne-Frank-Schule in Eschwege. "Unsere Schüler sollen dazu befähigt werden, für Frieden, Gerechtigkeit, Demokratie, Toleranz und Menschenwürde einzutreten und sich selbstbewusst gegen Aggressivität, Diskriminierung, Rassismus und politischen Extremismus wenden." In diesem Sinne sei der Name Anne Frank eine Verpflichtung für die Schüler.

"Wir leben das", sagt nicht nur Schulleiterin Kerstin Ihde, aus deren Mund solche Worte zu erwarten sind. Dass die Botschaften des Teenagers Anne Frank bei Mädchen und Jungen in ihrem Alter auch heute noch ankommen, bestätigt etwa Livia Schrank, die Franks Tagebuch wie all ihre Mitschüler in der 9. Klasse gelesen hat.

Eine Kopie von Anne Franks Tagebuch liegt in der Ausstellung "Alles über Anne" im Anne Frank Zentrum in Berlin
Eine Kopie von Anne Franks Tagebuch liegt in einer Ausstellung (Archiv): "Wir lernen Anne Frank aus ihrem Tagebuch heraus kennen", sagt eine Schülerin.
Quelle: dpa

"Wir lernen Anne Frank aus ihrem Tagebuch heraus kennen als Mensch mit starkem Charakter, voller Hoffnung und Einsatz für ein liebevolles Zusammenleben", sagt die 16-Jährige.

Bei Rassismus im Alltag wollen die Schüler nicht wegschauen

Was das mit ihnen im Hier und Jetzt macht, erklären die Schüler so: "Wenn wir Rassismus im Alltag erleben, müssen wir vielleicht nicht den Helden spielen, aber wir dürfen nicht wegschauen und sollten direkt Hilfe holen", sagt der 12-jährige Simon Exner. Pia Feldbusch ergänzt: "Es geht auch darum, auf sich selbst zu achten.

Rassismus fängt manchmal im Kleinen an, bei einem selbst. Und wenn jemand im Bekanntenkreis einen rassistischen Spruch fallen lässt, dann muss man den Mut zusammenbringen und sagen: Hey, das war jetzt nicht so toll!
Pia Feldbusch
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