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Ermittler: Angriff aus "Judenhass"

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Attacke vor Synagoge in Hamburg - Ermittler: Angriff aus "Judenhass"

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Nach der Attacke auf einen Juden in Hamburg, gehen die Ermittler von einer Tat aus "Judenhass" aus. Politiker und jüdische Verbände fordern mehr Schutz für jüdische Einrichtungen.

In Hamburg wurde ein jüdischer Student vor einer Synagoge angegriffen und schwer verletzt. Nach der Tat gibt es Forderungen, jüdische Einrichtungen besser zu schützen.

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Jüdische Organisationen zeigen sich erschüttert über die Attacke auf einen jüdischen Studenten vor der Synagoge in Hamburg. Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, kritisierte am Montag in New York, dass der Schutz der in Hamburg nicht ausreichend gewesen sei - das müsse sich künftig ändern.

Während einer studentischen Feier anlässlich des jüdischen Laubhüttenfestes hatte ein militärisch gekleideter Angreifer einem Studenten mit einem Spaten eine schwere Kopfverletzung zugefügt. Sicherheitskräfte, die die Synagoge Hohe Weide bewachten, konnten den Angreifer überwältigen und festnehmen.

Beamte des Staatschutzes ermitteln

Polizei und Generalstaatsanwaltschaft werten den Angriff nach ersten Erkenntnissen als versuchten Mord - mutmaßlich aus Judenhass. "Aufgrund der derzeitigen Einschätzung der Gesamtumstände ist bei der Tat von einem antisemitisch motivierten Angriff", teilten die Behörden am Montag mit.

Wegen der Bedeutung des Falles und wegen eines möglichen extremistischen Hintergrundes habe die Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen an sich gezogen. Beamte des Staatsschutzes sind im Einsatz.

Nach aktuellem Ermittlungsstand liegen keine Hinweise auf Mittäter vor.
Staatsanwaltschaft Hamburg

Was die Polizei über den Angreifer weiß

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen 29-Jährigen mit Berliner Meldeadresse. Eine Überprüfung in Berlin habe aber ergeben, dass er dort seit 2019 nicht mehr wohnt.

"Weitere Ermittlungen führten zu einer Wohnung in Hamburg-Langenhorn, in der sich der Beschuldigte unangemeldet aufhielt", hieß es weiter. In der Nacht zum Montag sei die Wohnung durchsucht worden. "In der Wohnung wurden Datenträger sichergestellt, deren Auswertung andauert." Der Mann sei bislang polizeilich nicht in Erscheinung getreten.

Da der Mann offenkundig psychisch krank ist, ordnete eine Untersuchungsrichterin wegen des Verdachts des versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an. Es müsse davon ausgegangen werden, dass der Angreifer die Tat aufgrund einer psychischen Erkrankung im Zustand erheblicher Einschränkung oder ganz ohne Schuldfähigkeit begangen habe, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Maas spricht von "widerlichem Antisemitismus"

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erklärte, es handele sich um widerlichen Antisemitismus, dem sich alle entgegenstellen müssten. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sprach von einem widerwärtigen Akt. Es bleibe die tägliche Pflicht, jüdisches Leben in Deutschland zu schützen. Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, verurteilte den Angriff:

Dass ein Mann auf dem Weg zum Gebet in seiner Gemeinde Opfer eines brutalen Angriffs wird, hat mich zutiefst erschüttert.
Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung

Ein jüdischer Student wurde vor der Hamburger Synagoge von einem Mann in Tarnkleidung mit einem Klappspaten schwer verletzt. Außenminister Heiko Maas verurteilt die Attacke scharf.

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Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) spricht von einer "Schande für unser Land". "Als Rechtsstaat müssen wir alles tun, um jüdisches Leben zu schützen. Wir müssen uns der Hetze noch entschiedener entgegenstellen und stärker für die Betroffenen von Hass und Gewalt da sein", erklärte sie am Montag in Berlin.

Ein Jahr nach dem Anschlag in Halle

Ein Jahr zuvor waren bei einem Anschlag auf eine Synagoge während Jom Kippur in Halle zwei Menschen gestorben. Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) erklärte, der Angriff in Hamburg sei ein erneuter Schock für die jüdische Gemeinde in Deutschland.

Es ist unerträglich zu erleben, dass sich Hass und Gewalt gegen Juden immer wieder auf deutschen Straßen entlädt.
Avichai Apel, Rabbiner

Auch der Präsident des Jüdischen Weltkongresses forderte die Politik zum Handeln auf: Die Sicherheitspräsenz vor der Synagoge in Hamburg sei nicht ausreichend gewesen, um jemanden vor einer schweren Verletzung zu schützen, sagte Ronald S. Lauder.

Die Bundesregierung müsse die Federführung dabei übernehmen und auch die Aufklärung verstärken, fügte Lauder hinzu. Die nachfolgende Generation müsse verstehen, dass jegliche Art von Hass nicht zulässig sei. Davon hänge das langfristige Bestehen jüdischen Lebens in Deutschland ab.

An Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, versuchte im vergangenen Jahr ein Rechtsextremist ein Massaker in einer Synagoge in Halle anzurichten. Er scheiterte nur an der Tür.

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