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Holocaust-Überlebende in Sorge - Antisemitische Vorfälle sind "schwere Last"

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Der Antisemitismus bei den Nahost-Protesten ist für Holocaust-Überlebende kaum zu ertragen. Auch der Zentralrat der Juden meldet täglich Hass-Nachrichten.

15.05.2021, Stuttgart: Pro-Palästinensische Demonstration in Stuttgart mit Flaggen
Pro-Palästinensische Demonstration in Stuttgart (15. Mai 2021).
Quelle: dpa

Das Internationale Auschwitz Komitee hat die aktuellen antisemitischen Vorfälle bei den Nahost-Protesten als "schwere Last" für die Überlebenden des Holocaust bezeichnet. Christoph Heubner, Vizepräsident des Komitees, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe:

Israel ist für die Überlebenden immer eine Hoffnung gewesen, ein Staat, der ihnen Schutz gibt, der für sie immer ein sicherer Hafen ist
Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees für Holocaust-Überlebende

Gerade die Überlebenden hätten angesichts ihrer traumatischen Erinnerungen immer gehofft, dass für Israelis und Palästinenser ein friedliches Leben möglich sei. Der Konflikt sei nun eine schwierige Situation für sie. "Die Kritik, die auch die Existenz des Staates Israel negiert, trifft die Überlebenden hart", so Heubner.

Komitee besorgt über Veränderungen

Das Komitee sei besorgt über Veränderungen, die mit juden- und israelfeindlichen Hassparolen auf pro-palästinensischen Kundgebungen sichtbar geworden seien, sagte Heubner.

Jede antisemitische Protestattacke, jede angezündete Israelflagge, jeder durchgestrichene Judenstern, jeder zerstörte Stolperstein, bestätigt, dass in der Gesellschaft etwas ins Rutschen gekommen ist
Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees für Holocaust-Überlebende

Entscheidend sei nun die Frage, ob es der deutschen Gesellschaft nach der allgemeinen Empörung über die Proteste gelinge, einen Schritt weiter zu gehen. Sie müsse deutlich machen, dass Antisemitismus nicht toleriert wird.

"Es war über jahrzehntelang gesellschaftlicher Konsens, dass Antisemitismus zu ächten ist. Aber viele Überlebende zweifeln daran, dass der Konsens heute noch so besteht", beschreibt Heubner.

Juden erleben in den vergangenen Tagen verstärkt Antisemitismus und Hetze. Studentin Anna wehrt sich und will nicht für die israelische Politik verantwortlich gemacht werden.

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Zentralrat erhält täglich etwa 50 Hass-Nachrichten

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sagte der "Bild am Sonntag", sie erhielten derzeit täglich etwa 50 Hass-Nachrichten. Dabei wüssten die meisten Absender "genau, wie sie vorgehen müssen, um für ihre verbalen Angriffe nicht juristisch belangt zu werden - und das deutsche Strafrecht lässt ihnen im Internet große Schlupflöcher".

Obwohl Schreiben unter Klarnamen geschickt worden seien, könne der Zentralrat nicht juristisch vorgehen, kritisierte Schuster, weil das Strafrecht derzeit zum Beispiel Beleidigungen nur gegen Personen, nicht aber gegen Institutionen unter Strafe stelle.

In den vergangenen Tagen hatte es angesichts des sich zuspitzenden Nahost-Konflikts in mehreren Städten in Deutschland antisemitische und anti-israelische Demonstrationen gegeben. Die Sorge in der jüdischen Gemeinde wächst.

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Die Bundesregierung arbeitet an einer Regelung, hetzerische Beleidigungen per E-Mail oder Nachricht in sozialen Netzwerken unter Strafe zu stellen.

Schäuble: Mehrheit in Deutschland nicht antisemitisch

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) verlangte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" entschlossenere Polizeimaßnahmen und stärkere Integrationsbemühungen.

Die Mehrheit in Deutschland sei allerdings nicht antisemitisch, betonte er. "Im Gegenteil: Sie empfindet es als Glück, dass nach der Shoah wieder Juden hier leben", sagte Schäuble.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Archivbild

Vorfälle bei Demos zu Nahost - Kanzlerin warnt vor Grenzüberschreitungen 

Mit scharfen Worten hat Kanzlerin Merkel die jüngsten antisemitischen Vorfälle auf Demos verurteilt. Wer Hass auf die Straßen trage, "stellt sich außerhalb unseres Grundgesetzes".

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