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Gesundheitssystem am Limit : Neue Infektionswelle: Sorge um Kinder wächst

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Das deutsche Gesundheitssystem ist vielerorts am Limit. Das RS-Virus verschlimmert die Lage weiter. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte übt scharfe Kritik an der Politik.

Ein am Respiratorischen Synzytial-Virus (RS-Virus oder RSV) erkrankter Patient liegt auf einer Kinderstation einer Klinik in einem Krankenbett.
Viele Kinderstationen sind überlastet. Das Problem wird durch das Respiratorische Synzytial-Virus (RS-Virus oder RSV) weiter verschärft.
Quelle: Marijan Murat/dpa

Angesichts der Notlage in der Kindermedizin wegen einer Welle an Atemwegsinfekten warnt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte vor gravierenden Risiken. Verbandssprecher Jakob Maske sagte im Deutschlandfunk:

Es ist tatsächlich so, dass im Moment die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und auch das Leben ordentlich gefährdet sind.
Jakob Maske, Berufsverband Kinder- und Jugendärzte

Um Infektionen einzudämmen, riefen Gesundheitspolitiker dazu auf, aus Solidarität bei Bedarf auch Maske zu tragen.

FDP: Auf "Gesundschreibungen" verzichten

Der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann sagte der "Welt" zur Infektionswelle bei Kindern: "Akut können wir das machen, was wir während der Pandemie gut eingeübt haben: Infektionen vermeiden und Infektionsketten unterbrechen." Dazu brauche es keine staatlichen Verordnungen. Um Kinderärzte zu entlasten, solle man auch auf unnötige Vorgaben wie "Gesundschreibungen" von Kindern verzichten, die viele Kitas einfordern.

SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt sagte der Zeitung, auch hier schützten Basis-Hygienemaßnahmen. "Alle sollten jetzt besonders mit den Kindern solidarisch sein."

Sorge über Infektionswelle mit RS-Virus

Viele Kinderpraxen und Kinderstationen sind aktuell extrem überfüllt. Experten berichten von einer enormen Welle an Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), das für Babys gefährlich sein kann. Verbandssprecher Maske sagte, die grundsätzliche Krise des Systems sei durch Corona kaschiert worden. Das sei nun aber vorbei.

Wir haben jetzt einen ganz normalen Anstieg, wie wir ihn jeden Winter sehen von Infektkrankheiten - und die Systeme brechen zusammen.
Jakob Maske, Berufsverband Kinder- und Jugendärzte

Schwerstkranke Kinder müssten beispielsweise über hunderte Kilometer aus Berlin verlegt werden, weil es keine Betten gebe. Maske übte scharfe Kritik an der Gesundheitspolitik der vergangenen Jahre, auch unter Minister Karl Lauterbach (SPD). Das System werde seit Jahren "gegen die Wand gefahren". Bei Kinder- und Jugendärzten sei extra stark gespart worden. Es seien viele Betten abgebaut worden, weil sich Kinder- und Jugendmedizin nicht lohne.

Maske: Personalverlegung hilft "überhaupt" nicht

Lauterbach hat bereits rasche Hilfsmaßnahmen angekündigt. So sollen Pflegekräfte aus Erwachsenen- in Kinderstationen verlegt werden. Die Krankenkassen sollen Vorgaben zur Personalbesetzung vorerst nicht prüfen und Sanktionen aussetzen. Zudem appellierte er an Eltern und Kinderärzte, nicht direkt nötige Vorsorgeuntersuchungen zu schieben.

Weil mehr Atemwegserkrankungen bei Kindern auftreten, wird vor einer wachsenden Belastung der Kinderkliniken gewarnt. Große Sorge bereitet vor allem das RS-Virus.

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Eine Personalverlegung in Kinderstationen hilft laut Maske allerdings "überhaupt" nicht. Ein Erwachsenen-Pfleger könne kein Frühgeborenes mit 600 Gramm Körpergewicht pflegen.

Lauterbach: Entlastung der Kinderkliniken ab Januar

Lauterbach schrieb am Montag bei Twitter: "Die Kinderärzte sind genauso besorgt wie ich." Er stimme zu, dass 20 Jahre lang zu wenig für sie getan worden sei. "Aber wir arbeiten schon seit Monaten an einer Entlastung der Kinderkliniken." Sie solle ab dem 1. Januar 2023 gelten.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern wollen sich heute Nachmittag digital zusammenschalten, um über das weitere Vorgehen in Sachen Corona zu reden. Konkret soll es u.a. um die Maskenpflicht im ÖPNV gehen.

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Der Bundestag hatte am Freitag ein erstes Gesetzespaket zu Krankenhäusern beschlossen. Für Kinderkliniken soll es demnach 2023 und 2024 jeweils 300 Millionen Euro zusätzlich geben. An diesem Dienstag will Lauterbach weitergehende Reformvorschläge vorstellen, um Krankenhäuser insgesamt stärker von finanziellem Druck zu lösen.

Baden-Württemberg, Stuttgart: Eine Krankenpflegerin betritt einen abgetrennten Bereich für Covid-19-Patienten in einem Klinikum.
Kommentar

Kliniken im Notbetrieb - Geschichte eines politischen Versagens 

Warnungen gab es genug. Schon vor der Pandemie. Das Pflegepersonal am Limit. Jetzt ist es vielfach darüber hinaus. Viele Kliniken im Notbetrieb. Wie konnte es so weit kommen?

von Britta Spiekermann
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