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Streit um Endlager-Suche geht weiter

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Atomendlager? Nein Danke! - Streit um Endlager-Suche geht weiter

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2022 gehen die letzten deutschen Atommeiler vom Netz. Jetzt soll die Suche nach einem Atomendlager beginnen. Doch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sperrt sich. Was nun?

Castorbehälter in Gorleben
Wo wird der deutsche Atommüll künftig gelagert?
Quelle: dpa

In zwei Jahren ist die Energiegewinnung aus Kernkraft in Deutschland Geschichte. Die Zukunft belasten dann aber rund 1.900 Behälter mit 27.000 Kubikmetern hoch radioaktiven Abfalls aus sechs Jahrzehnten Kernenergie-Nutzung. Die sollen in einem geeigneten unterirdischen Endlager abklingen - eine Million Jahre lang. Doch wo soll das liegen?

Beteiligung, Transparenz, Fairness - schwierige Endlagersuche

Atom-Endlager, der Begriff verband sich lange mit Gorleben. Dabei war die 1977 verkündete Festlegung auf den niedersächsischen Salzstock wissenschaftlich heikel und politisch willkürlich, sorgte für jahrelange massive Proteste, Auseinandersetzungen und verhärtete Fronten. Eine verfahrene Situation, die erst mit dem Atomausstieg 2011 überwunden wurde.

Wieso sammeln wir hochgefährlichen Müll an, ohne zu wissen wohin damit., fragt sich Harald Lesch.

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9 min
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Das Standort-Auswahlgesetz von 2013, getragen von CDU/CSU, SPD und Grünen, versuchte den Neustart. "Niemand konnte sich der Logik entziehen, dass wir es nur mit Transparenz und Partizipation schaffen, einen Endlager-Standort auszuweisen, ohne dass wir wieder Bürgerkrieg wie in Gorleben haben", so die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl.

Erst zustimmen, dann ausscheren: Bayern weiß es besser

Die neue Suche sollte nach dem Prinzip der "weißen Landkarte" anlaufen, ergebnisoffen und deutschlandweit. Vorkommen der drei möglichen Wirtsgesteine - Salz, Ton und Granit - sollen untersucht, begutachtet und erkundet werden - nach wissenschaftlichen Kriterien und ohne politische Festlegung vorab.

Doch ein Jahr nach der Neufassung des Standortauswahlgesetzes 2017 schrieb die CSU im Koalitionsvertrag mit den Freien Wählern in Bayern fest: "Wir sind überzeugt, dass Bayern kein geeigneter Standort für ein Atomendlager ist." In Bayern gibt es Ton- und Granitvorkommen, in denen theoretisch der Atommüll versenkt werden könnte.

Gegenüber Frontal 21 machte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aber erst kürzlich deutlich, ein Endlager in Bayern verhindern zu wollen.

Da ist Ton und Granit, und in beiden Bereichen sind die jeweiligen Schutz-Möglichkeiten deutlich niedriger, als es das jetzige Lager in Gorleben bringen würde.
Markus Söder

Die Angst vor einem bayerischen Endlager sitzt tief, auch in Thurmansbang im Dreiländer-Eck zu Tschechien und Österreich. Dort fürchtet Bürgermeister Martin Behringer, sollte die Entscheidung für ein Endlager auf seine Gemeinde fallen, ein zweites Gorleben:

Der bayerische Wald ist ein Erholungsgebiet und da wollen wir keine Randalierer und keine Riesen-Protestbewegung hier bei uns haben.
Martin Behringer

Eskaliert die Endlagersuche?

Ablehnung und Skepsis begleiten die Endlager-Suche, seit Atomkraftwerke strahlenden Müll produzieren. "Nicht nur in Bayern" würden Bürger ein Endlager heute kaum akzeptieren, glaubt Bayerns Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein.

Fässer für Atommüll

World Nuclear Waste Report -
Weltweit kaum eine Lösung für Atommüll
 

Einem aktuellen Report zufolge gibt es weltweit kaum Lösungen für Atommüll-Endlager. In Deutschland schleppt sich die Suche nach einem Standort mühsam Richtung Ziellinie.

von Julia Klaus

Doch das Gesetz gelte, und wissenschaftliche Nüchternheit und Bürgerbeteiligung könnten, so hofft er, den Protest lindern: "Wenn man im Laufe eines jahrelangen transparenten Verfahren sieht, dass das eine Anlage ist, die attraktive Arbeitsplätze bringt, aber keine Gefahren, dann wird sich das vielleicht - vielleicht - verändern. Vielleicht!"

Es bleiben zehn Jahre Zeit, um den Konflikt zu befrieden. Und ein Endlager zu finden, in dem das atomare Erbe aus wenigen Jahrzehnten Kernenergie-Nutzung Hunderttausende Jahre abklingen kann.

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