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Interview

Experte zu AKW Saporischschja : "Brisanter, sehr gefährlicher Reaktorbetrieb"

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Mit großer Sorge blickt die Welt auf das russisch besetzte Atomkraftwerk Saporischschja. Kernphysiker Heinz Smital warnt im ZDF vor einem "sehr gefährlichen Reaktorbetrieb".

Das Gespräch zwischen Heinz Smital, Atomkraft-Experte von Greenpeace, und heute journal-Moderatorin Anne Gellinek.

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4 min
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ZDF: Dass Kriegshandlungen rund um ein Kernkraftwerk gefährlich sind, kann man sich leicht vorstellen. Warum fahren die Ukrainer das Kraftwerk nicht runter? 

Heinz Smital: Ja, die Gefahrenquelle lässt sich tatsächlich nicht so einfach ausschalten. Auch ein abgeschalteter Reaktor muss noch jahrelang gekühlt werden.

Und wenn es tatsächlich die Gefahr gibt, dass die Stromversorgung nicht aufrechterhalten werden kann, dann kann es Sinn machen, einen Reaktor zumindest im Betrieb zu halten - und so auch eine eigene Versorgung durch einen Reaktor für die anderen sechs Blöcke in Bestand zu haben. 

ZDF: Die Stromleitung zu diesem Atomkraftwerk ist schon mehrfach beschädigt worden. Ist das die größte Gefahr? 

Smital: Das ist eine sehr große Gefahr. Es gibt mehrere Leitungen. Es besteht immer noch eine 750.000-Volt-Leitung und eine 330.000-Volt-Leitung.

Wenn alle [Stromleitungen] gekappt würden, würde das eine sehr kritische Situation ergeben.

Es gäbe zwar noch Notstromdiesel[aggregate], die das AKW für einen beschränkten Zeitraum versorgen könnten - aber in der Kriegssituation ist es fraglich, ob das alles wirklich so funktioniert. Das ist wirklich ernst. 

Seit März ist das Gelände des ukrainischen AKWs Saporischschja von russischen Truppen besetzt.

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1 min
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ZDF: Man kann sich kaum vorstellen, wie die ukrainische Belegschaft, vermutlich bewacht von bewaffneten russischen Soldaten, das Atomkraftwerk Saporischschja steuert. Was bedeutet diese psychische Belastung für die Sicherheit des Kraftwerks? 

Smital: Die ist viel größer, als man glaubt.

Es zeigt sich, dass schwere Unfälle dadurch passieren, dass ein kleiner Fehler in der Anlage durch einen Bedienfehler erst eskaliert.

Man hat ja nicht direkt in der Anlage von der Warte aus einen Blick auf den Reaktor. Man hat nur Instrumente und Beleuchtungen, die eine Interpretation erfordern. Zum Beispiel ist der schwere Unfall von Three Mile Island in Harrisburg dadurch passiert, dass die Mannschaft nicht richtig interpretieren konnte, was sich wirklich im Reaktor abspielte.

Wenn man jetzt eine Mannschaft hat, die derartig unter Stress steht, kann man nicht erwarten, dass die alles richtig macht.

Bestandteile für einen schweren Unfall, wie Defizite in der Anlage und Bedienfehler, die haben wir beide vorliegen. Das heißt, auch unabhängig von der Kriegssituation, herrscht dort ein brisanter, sehr gefährlicher Reaktorbetrieb. 

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2 min
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ZDF: Was könnte eine Beobachtermission, wenn sie denn zustande käme, bringen? 

Smital: Prinzipiell braucht es ein Ende der Kampfhandlungen in einem größeren Umfeld. Sollte das nicht direkt gelingen, ergeben bereits Abkommen Sinn. Es wäre aber zu kurz gegriffen, nur der Internationalen Atomenergie-Organisation Zutritt zu verschaffen, die jedoch Russland nahe steht.

Russland ist der größte Atomkrafthersteller weltweit und insofern bräuchte es tatsächlich eine UN-Mission, die auch Militär, Experten und auch unabhängige Kraftwerke-Experten zu dem Gelände lässt.

Letztlich führt nichts daran vorbei, dass Russland das Atomkraftwerk an die Ukraine zurückgibt. 

Das Interview führte heute-journal-Moderatorin Anne Gellinek. Sehen Sie das Gespräch in voller Länge oben im Video.

Atomkraftwerk Saporischschja
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