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Atomare Bedrohung - wie groß ist sie noch?

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50 Jahre Atomwaffensperrvertrag - Atomare Bedrohung - wie groß ist sie noch?

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Seit 50 Jahren gilt der Atomwaffensperrvertrag: Trotzdem ist die Gefahr eines Atomkriegs nicht gebannt, und die atomare Abrüstung längst nicht abgeschlossen. Ein Überblick.

Kim Jong Un besichtigt die Interkontinentalrakete Hwasong 15, eine Atomwaffe.
Eine nordkoreanische Interkontinentalrakete: Das Land trat 2003 aus dem Abkommen aus.
Quelle: ap

Was beinhaltet der Atomwaffensperrvertrag?

Der Atomwaffensperrvertrag basiert auf einer freiwilligen Verpflichtung der Staaten: Die Atommächte sagen zu, ihre Waffenarsenale abzubauen - im Gegenzug verzichten alle anderen Unterzeichner auf Atomwaffen.

Am 1. Juli 1968 unterzeichneten die USA, Russland und Großbritannien den Vertrag, vor 50 Jahren - am 5. März 1970 - trat der Pakt in Kraft. Inzwischen haben 191 Staaten das Abkommen unterzeichnet, Nordkorea ist 2003 wieder ausgestiegen. Nicht dabei sind der Südsudan - aber auch die Atommächte Indien, Pakistan und Israel.

Welche Bedeutung hat der Atomwaffensperrvertrag heute?

"Der Atomwaffensperrvertrag ist wichtiger als jemals zuvor", sagt Oliver Meier vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik Hamburg (ISFH): "Die Erfolge im Bereich der Nichtverbreitung stehen auf der Kippe, insbesondere im Iran." Auch der Konflikt um Nordkoreas Atomwaffenprogramm bleibe ungelöst.

Trotzdem drohe dem Vertrag ein schleichender Bedeutungsverlust - der Prozess der Abrüstung verlangsame sich. Die Atomwaffenstaaten knüpfen eine weitere Abrüstung zunehmend an Bedingungen, die nicht zu erfüllen sind.

Vor 50 Jahren trat der Atomwaffensperrvertrag in Kraft - der Weg dorthin und seine Geschichte in Bildern:

Wie weit entfernt sind wir von einer atomwaffenfreien Welt?

"Die Zahlen zeigen, dass weiter abgerüstet wird", sagt Oliver Meier. Im Kalten Krieg gab es weltweit 70.000 Atomwaffen, mittlerweise sind es knapp 14.000. Allerdings rüsteten die Atommächte vor allem solche Waffen ab, die ohnehin nicht mehr einsatzbereit sind, weil sie immer noch ihren atomaren Überhang aus dem Kalten Krieg abbauen.

Es wird also eher der Atomschrott entsorgt - angesichts der Zerstörungskraft scheint die genaue Anzahl aber wenig relevant. Die vorhandenen Waffen könnten das Leben auf der Erde komplett auslöschen, warnt das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri.

Wie viele Atomwaffen werden heute noch hergestellt?

Investiert wird nach Angaben von Sipri in modernere Atomwaffen, vor allem in den USA und Russland. China, Indien und Pakistan vergrößern hingegen ihre Atomarsenale. "Indien und Pakistan erweitern ihre Produktionskapazitäten für spaltbares Militärmaterial in einem Ausmaß, das in den nächsten zehn Jahren zu einer erheblichen Vergrößerung ihrer Atomwaffenbestände führen kann", schreibt Sipri.

Nordkorea liefert keine Informationen über seine Atomwaffenfähigkeit. Israel verfolgt seit langem die Politik, sein Atomarsenal nicht zu kommentieren.

Wie groß ist die Gefahr eines Atomwaffeneinsatzes?

"Die Gefahr eines Atomeinsatzes ist stark gestiegen", sagt Oliver Meier. Das liege zum einen an den politischen Führungen - verantwortungslose Populisten seien an der Macht. Präsident Trump in den USA, Putin in Russland, aber auch Präsident Modi in Indien handelten "impulsiver, risikobereiter und weniger rational".

Nato-Generalsekretär Stoltenberg hält den Atomwaffensperrvertrag für einen Erfolg. Man habe keine Alternative dazu, sagte er dem ZDF:

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Hinzu komme eine Technologie, die Entscheidungszeiten verkürze. Raketenabwehrsysteme sowie Cyberattacken könnten die nukleare Abschreckung unterlaufen - das befürchten vor allem kleinere Atomwaffenstaaten.

"Die Angst, dass der Gegner die eigenen Atomwaffen durch den Einsatz neuer Waffentechnologien neutralisieren könnte, kann in einer Krise dazu führen, dass Anreize für einen frühzeitigen Einsatz wachsen", erklärt Meier. Das Risiko eines absichtlichen und unbeabsichtigten Atomwaffeneinsatzes sei deshalb größer als früher.

Kürzlich forderte Außenminister Heiko Mass vor dem UN-Sicherheitsrat in New York mehr Engagement bei der atomaren Abrüstung. Mehr dazu im Video:

Vor dem UN-Sicherheitsrat in New York fordert Heiko Maas einen weltweiten Abbau von Atomwaffen. Er beklagt "schwere Rückschläge" im Bemühen um eine atomwaffenfreie Welt.

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Was sind heute die größten Probleme bei der atomaren Abrüstung?

In Gefahr ist das letzte noch gültige nukleare Rüstungskontrollabkommen: der New START-Vertrag über die Begrenzung weitreichender russischer und amerikanischer Atomwaffen. Der Vertrag läuft im Februar 2021 aus, wenn Moskau und Washington ihn nicht verlängern. "Ohne dieses Abkommen hätten wir eine Situation wie in den frühen 70ern. Es gibt dann gar keine Obergrenzen für Atomwaffenarsenale mehr", sagt Meier vom ISFH.

Zudem müsse das Atomabkommen mit Iran gerettet werden. "Die USA versuchen, mit Nordkorea, das illegal Atomwaffen entwickelt hat, einen Deal zu machen, während der Iran, der auf Atomwaffen verzichtet, sehr hart sanktioniert wird", sagt Meier. Diese Ungleichbehandlung schaffe Probleme.

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