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Tödlicher Angriff in Augsburg - Was treibt Jugendliche zur Gewalt?

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Der Tod eines Mannes in Augsburg im letzten Dezember hat viele Menschen erschüttert. Heute wurde das Urteil gesprochen. Was bringt Jugendliche dazu, gewalttätig zu werden?

Trauer am Königsplatz in Augsburg
Feuerwehrmänner in Augsburg trauern nach dem Tod ihres Kollegens.
Quelle: dpa
Eine Gesellschaft ohne Jugendgewalt ist eine Illusion.
Bernd Holthusen, Deutsches Jugendinstitut

Das sagt Bernd Holthusen, Wissenschaftler am Deutschen Jugendinstitut in München. Rahmenbedingungen könne man beeinflussen, Angebote könnten auch in den Schulen gemacht werden, aber am Ende könne es nur um eine Reduzierung gehen, sagt Holthusen im Gespräch mit ZDFheute. Man habe allerdings schon einiges erreicht. Jugendsozialarbeiter, Sozialarbeiter an den Schulen und Jugendbeamte der Polizei hätten gefährdete Jugendliche im Blick.

Gewalt in Augsburg "jugendtypisch"?

Schwere Körperverletzung macht nur einen kleinen Teil der Jugenddelinquenz aus, das ist eine Erkenntnis der Forscher am Jugendinstitut. Wissenschaftler wie Holthusen erforschen die Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen und Familien. Doch wie kommt es zu solchen massiven Gewaltausbrüchen wie am Augsburger Königsplatz?

Für Holthusen war es eine jugendtypische Tat. Der Konflikt entsteht situativ, sagt der Wissenschaftler, es gehe sehr schnell, Alkohol und Drogen seien meist im Spiel. Einige aus der Gruppe profilierten sich - und das an einem zentralen, belebten Ort, der wie eine Bühne auf die Täter wirken könne.

Urteil nach tödlicher Attacke -
Augsburg: Gefängnisstrafe für 17-Jährigen
 

Ein 49-jähriger Mann starb nach einem Faustschlag am Nikolausabend 2019 in Augsburg. Ein 17-Jähriger wurde angeklagt. Nun hat das Landgericht Augsburg geurteilt.

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Tod nach Sturz und Hirnblutung

Der Auslöser für eine schwere Straftat war am 6. Dezember 2019 die Frage eines jungen Mannes nach einer Zigarette. Doch der Passant reagierte abweisend, schubste einen jungen Mann zu Boden. Halid S. eilte seinem Freund zu Hilfe, mit einem Faustschlag streckte er den Passanten nieder - der starb an den Folgen einer Gehirnblutung.

Anfang Dezember war ein 49-Jähriger von einer Gruppe Jugendlicher erschlagen worden. Diese wurden kurz vor Weihnachten aus der Haft entlassen. Jetzt wurden sie erneut inhaftiert.

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Nun standen drei von den sieben Jugendlichen, die in jener Nacht in Augsburg gemeinsam unterwegs waren, vor Gericht. Halid S. wurde wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Gemeinsam mit Kevin C. und Gökalp A. traten sie noch auf den Begleiter des Opfers ein. Der Begleiter wollte seinem Freund zur Hilfe eilen und wurde brutal zusammengeschlagen. Er erlitt einen Jochbein- und Kieferbruch. Sechs Wochen lag er im Krankenhaus, noch heute sei eine Gesichtshälfte taub, so seine Aussage vor Gericht. Kevin C. und Gökalp A. müssen sich wegen Körperverletzung verantworten.

Spielt die Herkunft eine Rolle?

Archivbild: Am Königsplatz wurden nach dem Tod des Feuerwehrmanns Kerzen aufgestellt und Blumen niedergelegt.
Am Königsplatz wurden nach dem Tod des Feuerwehrmanns Kerzen aufgestellt und Blumen niedergelegt.
Quelle: dpa

Sechs der sieben Jugendlichen haben einen deutschen Pass und Eltern mit Migrationshintergrund. Welche Rolle spielt die Herkunft bei diesen Gewalttaten? Maximilian Utz, Polizeisachbearbeiter im Polizeirevier Augsburg-Oberhausen, hat die Klientel im Blick. Oberhausen, im Nordwesten Augsburgs gelegen, sei ein sozialer Brennpunkt. Die Jugendlichen, die hier aufwachsen, kämen oft aus Familien, in denen der Vater nicht mehr präsent sei. Das mache viel mit den Jugendlichen, sagt Utz. Er kennt die Folgen von Wut bis Schmerz, von Kriminalität bis Depression.

Seit den 90er Jahren, als die Straftaten junger Russlanddeutscher massiv zunahmen, muss jedes Polizeirevier in Bayern einen Spezialisten für Jugendarbeit nachweisen. Utz geht seit Jahrzehnten in die Schulklassen Oberhausens. In diesem Stadtteil haben 70 Prozent der Bewohner Migrationshintergrund. Im Fokus von Utz steht Jugendarbeit in der Schule, aber auch die Kooperation mit Sozialarbeitern, dem Jugendamt und Vereinen.

"Resozialisierung ist schwierig"

Augsburg ist eine der Städte mit den höchsten Ausländeranteilen in Deutschland. Eine Stadt, die sich in vielen Einrichtungen bemüht, diese Menschen zu integrieren. Ob er die Straftäter vom Königsplatz auf dem Schirm hatte, darf der Jugendsachbearbeiter der Polizei nicht sagen - er beantwortet die Frage so: "Diese Jugendlichen fallen zu spät auf. Die, die vor Gericht stehen, die stehen an einem Punkt, an dem sie kaum zurückzuholen sind, da ist Resozialisierung ganz, ganz schwierig."

Jugendarbeit in Berlin

Jugendgewalt und rivalisierende Banden – der Soldiner Kiez im Berliner Stadtteil Wedding galt jahrelang als unbeherrschbarer Brennpunkt. Deshalb gründeten Sozialarbeiter Yousef Ayoub und die Polizei vor zehn Jahren ein Netzwerk für Kinder und Jugendliche.

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