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Auschwitz, 27. Januar 1945 - Das Ende der Todesfabrik

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Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der sowjetischen Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, den Tatort des schändlichsten Verbrechens der Menschheit.

Die Todesfabrik Auschwitz sollte ihre "Effizienz" 1944 noch steigern. Täglich starben Tausende Juden. Was die Opfer erlebten und die Täter antrieb, zeigen erschütternde Zeugnisse.

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88 min
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Das Grauen kam nicht über Nacht nach Auschwitz, erst nach und nach. Es begann im Mai 1940 mit der Ankunft des SS-Sturmbannführers Rudolf Höß am Bahnhof der oberschlesischen Stadt Oświęcim, die die Deutschen Auschwitz nannten. Nach dem Sieg über Polen hatte Hitler die im deutsch-polnischen Grenzgebiet gelegene Provinz Oberschlesien zum deutschen Reichsgebiet erklärt. Höß erhielt den Auftrag, in Auschwitz ein neues Konzentrationslager zu errichten. Der Ort lag verkehrsgünstig am Schnittpunkt großer Eisenbahnlinien und Höß konnte hier eine ehemalige polnische Kaserne übernehmen und zum KZ umbauen.

Diese Männer des Transports gelten als „einsatzfähig“ – die zivile Kleidung ist ihnen bereits genommen worden, auch sie werden nun Arbeitssklaven für das Deutsche Reich.
Diese Männer des Transports gelten als „einsatzfähig“ – die zivile Kleidung ist ihnen bereits genommen worden, auch sie werden nun Arbeitssklaven für das Deutsche Reich.
Quelle: Yad Vashem

Der Weg zum Todeslager

Das KZ Auschwitz diente zunächst dem Zweck aller Konzentrationslager: der Einschüchterung der Bevölkerung. Die ersten Häftlinge in Auschwitz waren Polen, die man verdächtigte, für den Untergrund zu arbeiten oder die zur polnischen Intelligenz gehörten und allein deswegen als potentielle Gegner galten: Priester, Offiziere, Studenten etc. Wie in anderen KZs mussten sie Zwangsarbeit leisten, bei der viele starben. Doch noch wurden die Gefangenen in Auschwitz nicht systematisch ermordet und die meisten von ihnen waren keine Juden.

Dies änderte sich im Frühjahr 1942: Drei Kilometer entfernt vom KZ Auschwitz, das bald Stammlager oder Auschwitz I genannt wurde, hatte die SS beim Dorf Brzezinka, zu Deutsch Birkenau, ein neues Lager gebaut: Auschwitz-Birkenau oder Auschwitz II war ursprünglich für sowjetische Kriegsgefangene bestimmt – im Juni 1941 hatte die Wehrmacht die Sowjetunion überfallen. 

Als diese anderswo zur Zwangsarbeit benötigt wurden, füllten jüdische Opfer die "Lücke". Im März 1942 waren Juden aus der Slowakei die ersten, die nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet wurden.

Im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau: Das Ende einer schrecklichen Reise – noch ahnen, die Menschen nicht, was mit ihnen geschehen wird.
Im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau: Das Ende einer schrecklichen Reise – noch ahnen, die Menschen nicht, was mit ihnen geschehen wird.
Quelle: Yad Vashem

Auschwitz wird zum Zentrum des Holocaust

Kurz zuvor hatte die NS-Führung in ihrem Rassenwahn die letzten Skrupel abgestreift und die SS mit dem systematischen Mord an allen Juden begonnen. Aus allen besetzten Gebieten Europas wurden sie nach Osten in neu gebaute "Vernichtungslager" gekarrt und ermordet. 1942 war Auschwitz nur eines von ihnen und nicht das größte: In Treblinka wurden in diesem Jahr 700.000 Juden ermordet, in Belzec 430.000, in Auschwitz "nur" 200.000. Doch während die meisten anderen Vernichtungslager geschlossen wurden, gewann Auschwitz immer größere Bedeutung. 1944 kamen fast alle deportierten Juden nur noch nach Auschwitz-Birkenau.

Für Auschwitz sprach aus Sicht der SS-Oberen seine verkehrsgünstige Lage und eine eiskalte Rationalität: Im Unterschied zu den anderen Vernichtungslagern wurden die jüdischen Opfer hier nicht allesamt sofort ermordet, sondern ein kleinerer Teil von ihnen als Arbeitssklaven für die deutsche Kriegswirtschaft aussortiert. Den Rest erledigten vier ausgeklügelte Todesfabriken im Lager, die sogenannten Krematorien. In jedem von ihnen konnten bis zu 2.000 Menschen gleichzeitig mit dem Ungeziefermittel Zyklon B qualvoll vergast und anschließend in Öfen verbrannt werden. Am Ende waren es rund 1,1 Millionen Opfer insgesamt.

Arbeitssklaven für die deutsche Rüstungsindustrie: Neben dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gab es in der Umgebung 50 Außenlager und große Industrieanlagen in Monowitz.
Arbeitssklaven für die deutsche Rüstungsindustrie: Neben dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gab es in der Umgebung 50 Außenlager und große Industrieanlagen in Monowitz.
Quelle: Yad Vashem

Als die Befreier eintrafen, fanden sie rund 6.000 entkräftete Häftlinge in Birkenau vor. Alle anderen, rund 60.000, trieb die SS beim Rückzug auf Todesmärschen vor sich her, etwa ein Viertel starb unterwegs. Die meisten Auschwitz-Überlebenden wurden erst Monate später in anderen Lagern befreit. Für sie war der 27. Januar 1945 noch nicht das Ende des Schreckens.

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