Libanon: Waffenruhe zwischen Israel und Hisbollah hält

    Expertin: Erfolg für Netanjahu:Israel und Hisbollah: Waffenruhe hält bislang

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    Die Waffenruhe zwische Israel und der Hisbollah im Libanon hält - bislang. Israel will nun den Druck auf die Hamas erhöhen. Auch die USA fordern ein ähnliches Abkommen für Gaza.

    Auch nach Beginn der Feuerpause zwischen Israel und der Hisbollah ist die Anspannung groß, die Kämpfe könnten jederzeit wieder losgehen. Erste Geflüchtete kehren zurück.
    Auch nach Beginn der Feuerpause zwischen Israel und der Hisbollah ist die Anspannung groß, die Kämpfe könnten jederzeit wieder losgehen. Erste Geflüchtete kehren zurück.27.11.2024 | 1:34 min
    Nach mehr als einem Jahr Krieg zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz gilt seit dem frühen Morgen eine Waffenruhe. Die Feuerpause begann um 4 Uhr Ortszeit (3 Uhr MEZ). Das Abkommen, das unter anderem von den USA und Frankreich vermittelt wurde, sieht vor, dass die Kämpfe zunächst für zwei Monate eingestellt werden.
    Für ZDF-Korrespondentin Golineh Atai ist das Abkommen allerdings "sehr ehrgeizig". Die Frage sei, ob die Hisbollah-Miliz diesen Deal einhalten werde. "Die Miliz", so Atai, "ist geschwächt, sie ist politisch isoliert und die Regierung steht vor einer gewaltigen Aufgabe, das Land wiederaufzubauen und das Ganze auch finanziell zu schultern".
    Thomas Reichert im Gespräch mit Marietta Slomka
    Mit der Waffenruhe im Libanon will Israel seine Kräfte nun auf die Hamas in Gaza konzentrieren, so Israel-Korrespondent Thomas Reichart. Auch der Iran solle im Fokus stehen.27.11.2024 | 2:31 min

    Biden: Sorgen für Einhaltung des Abkommens

    US-Präsident Joe Biden erklärte, die USA und Frankreich würden dafür sorgen, dass das Abkommen vollständig umgesetzt werde. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erklärte, es sei wichtig, dass sich alle an das Vereinbarte hielten, "damit die Menschen auf beiden Seiten der Grenze wieder in Sicherheit leben können".
    Noch unmittelbar vor Inkrafttreten hatten sowohl Israel als auch die Hisbollah ihre Angriffe fortgesetzt. Laut Biden wollen die USA gemeinsam mit weiteren Vermittlerstaaten in den kommenden Tagen "einen weiteren Vorstoß" für einen Waffenstillstand im Gazastreifen unternehmen.
    SGS Atai
    Israel und die Hisbollah haben eine Waffenruhe vereinbart. Wie wahrscheinlich es ist, dass sich die Hisbollah daran hält, erklärt Golineh Atai.27.11.2024 | 1:32 min

    Hoffen auf ähnliches Abkommen in Gaza

    Katar und die palästinensische Autonomiebehörde äußerten nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe im Libanon die Hoffnung auf ein ähnliches Abkommen für den Gazastreifen. Die in dem Palästinensergebiet herrschende islamistische Hamas erklärte ihre Bereitschaft zu einer solchen Vereinbarung.
    Israel erklärte unterdessen die Rückholung der verbliebenen Geiseln aus der Gewalt der Hamas zum nun wichtigsten Ziel. Verteidigungsminister Israel Katz sagte:

    Wir werden alles tun, um die Voraussetzungen für einen neuen Geiselaustausch zu schaffen und die alle nach Hause zu bringen,

    Israel Katz, Verteidigungsminister Israel

    Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte bereits zuvor angekündigt, dass sich der Druck auf die Hamas im Gazastreifen nun erhöhen werde. Zudem werde sich Israel auf die "Bedrohung durch den Iran" konzentrieren.
    Thomas Reichart
    Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz konnten sich auf eine Waffenruhe einigen. Wäre ein ähnlicher Deal auch mit der Hamas möglich? Einschätzungen von Thomas Reichart. 27.11.2024 | 1:09 min

    Israelischer Militärsprecher: Armee bleibt vorerst im Südlibanon stationiert

    Einige Beobachter sind skeptisch, ob die Feuerpause hält, denn bereits nach dem letzten Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Jahr 2006 wurde ein ähnliches Abkommen per UN-Resolution festgezurrt, aber nie gänzlich umgesetzt.
    Unmittelbar nach Beginn der Waffenruhe wurde zunächst nicht von Verstößen berichtet. Aus der libanesischen Hauptstadt Beirut gab es Berichte über erste Feierlichkeiten. Die Bewohner des teilweise evakuierten Südlibanons machen sich auf den Heimweg - trotz Warnungen der israelischen Armee.
    Angriff auf Israel (Karte Israel, Gazastreifen etc.)

    ZDFheute Infografik

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    Staatengruppe soll Waffenruhe überwachen

    Überwachen soll die Waffenruhe Medien zufolge eine von den USA angeführte Staatengruppe mit Frankreich, dem Libanon, Israel und der UN-Friedenstruppe Unifil, die seit Jahren im Libanon stationiert ist. Die Überwachungskommission soll zudem sicherstellen, dass sich die Hisbollah nicht neu bewaffnet.
    Nach Angaben eines hochrangigen US-Regierungsvertreters behält neben Israel auch der Libanon das Recht auf Selbstverteidigung gemäß Völkerrecht.
    Thomas Reichart bei ZDFheute live
    Die israelische Armee sei an die Belastbarkeitsgrenze gekommen, so ZDF-Korrespondent Thomas Reichart. Dies sei sicher auch ein Grund für den Waffenstillstand mit der Hisbollah. 26.11.2024 | 5:38 min

    Was bedeutet der Waffenstillstand für Gaza?

    Dass sich durch die jetzige Situation eine baldige Waffenruhe oder sogar die Beendigung des Krieges in Gaza andeutet, glaubt Nahost-Expertin Kristin Helberg nicht. "Ich denke, was ein Ende des Krieges in Gaza angeht, da bin ich sehr skeptisch." Netanjahu habe "innenpolitisch und international einen Deal gemacht", erklärte Helberg im ZDF heute journal update.

    Nämlich Rückzug aus dem Libanon und dafür freie Hand in Gaza.

    Kristin Helberg, Nahost-Expertin

    Das habe der israelische Ministerpräsident sowohl den Hardlinern in seinem Kabinett als auch der israelischen Siedlerbewegung versprochen, die eine Wiederbesiedelung des Nord-Gazastreifens anstrebe. "Die israelische Regierung zeigt jetzt im Libanon guten Willen, weil sie weiß, unter Donald Trump können sie weiterhin in Gaza vorgehen, wie sie möchten", schlussfolgert die Nahost-Expertin.
    "Insgesamt ist, glaube ich, diese ganze Libanon-Intervention aus Netanjahus Sicht ein Erfolg. Er hat die Hisbollah massiv geschwächt, die Führungsriege ausgeschaltet, militärische Infrastruktur zerstört und das vor allem, ohne irgendwelche Zugeständnisse in Gaza machen zu müssen."
    Schaltgspräch Helberg
    Warum die Waffenruhe für Netanjahu einen Erfolg darstellt.27.11.2024 | 4:17 min

    Netanjahu: Hisbollah lässt Hamas im Gazastreifen isoliert zurück

    Die Hisbollah beschoss Israel bislang nach eigenen Angaben zur Unterstützung der islamistischen Terror-Organisation Hamas im weiterhin umkämpften Gazastreifen. Die Hamas hatte mit dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 auf Israel den Gaza-Krieg ausgelöst, kurz darauf begann der Beschuss aus dem Libanon.
    Ursprünglich wollte die mit der Hamas verbündete Hisbollah ihre Angriffe auf Israel erst beenden, wenn eine Waffenruhe in Gaza erreicht ist. Auf die Erfüllung dieser Bedingung verzichtete sie jetzt offenbar. Ein Ende des Kriegs mit der Hisbollah lasse die Hamas im Gazastreifen isoliert zurück, sagte der israelische Ministerpräsident Netanjahu am Abend und betonte:

    Wir werden den Druck auf die Hamas erhöhen.

    Benjamin Netanjahu

    Schaltgespräch Atai - Slomka
    Sehnsucht nach Frieden und Skepsis herrschen im Libanon nach der Ankündigung eines Waffenstillstands, so Korrespondentin Golineh Atai.26.11.2024 | 1:29 min
    Die radikal-islamistische Terrororganisation bekräftigte unterdessen ihre grundsätzliche Bereitschaft für ein Ende der Kämpfe im Gazastreifen. Ein Hamas-Vertreter sagte der Deutschen Presse-Agentur gleichzeitig, die Organisation bestehe auf ihren Bedingungen für eine Waffenruhe.
    Man respektiere die Entscheidung der Hisbollah, aber das palästinensische Volk sei trotz des Leidens im Gazastreifen nicht bereit, seinen Widerstand gegen Israel aufzugeben, sagte er.

    Nahost-Konflikt
    :Aktuelle Nachrichten zur Eskalation in Nahost

    Durch den Hamas-Überfall auf Israel ist der Nahost-Konflikt eskaliert - das israelische Militär reagiert mit Militäroperationen. Aktuelle News und Hintergründe im Liveblog.
    Menschen und Retter tragen den bedeckten Körper eines Gefangenen, der aus den Trümmern eines Hauses gezogen wurde, aufgenommen am 18.11.2024
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    Quelle: AFP, dpa, AP

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