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Vor Gipfel im Kanzleramt - Grüne fordern Zukunftsplan für Autoindustrie

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Die Autoindustrie ist im Umbruch, viele Zukunftsfragen sind offen: Vor einem Autogipfel im Kanzleramt fordern die Grünen, dass ein Enddatum für Verbrennungsmotoren benannt wird.

Archiv: Fahrzeug-Montage in der Porsche AG, aufgenommen am 20.02.2019
Die Autobranche steht vor einem schwierigen Wandel. Was das für die Beschäftigten bedeutet, ist noch nicht abzusehen.
Quelle: dpa

Politik und Wirtschaft kommen heute zu einem Spitzentreffen im Kanzleramt zusammen. Es geht um den Strukturwandel in der Autoindustrie. Die Grünen wollen, dass die Bundesregierung ein festes Datum für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor festlegt. "Wir fordern die Bundesregierung auf, einen Zukunftsplan für die Autoindustrie vorzulegen", sagte Grünen-Fraktionschef Hofreiter der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Dazu gehöre neben einem festgeschriebenen Ausstiegsdatum für den Verbrennungsmotor auch eine Elektroauto- und Ladesäulen-Offensive.

Wir fordern die Bundesregierung auf, einen Zukunftsplan für die Autoindustrie vorzulegen
Anton Hofreiter, Grünen-Fraktionschef

Grüne: Beschäftigte brauchen "klare Angebote"

Hofreiter verlangte auch eine rasche Umsetzung der geplanten ökologischen Reform der Kfz-Steuer. Sowohl die Verbraucher als auch die Industrie müssten Klarheit darüber bekommen, welches Auto-Modell sich in Zukunft lohnen werde. Auch für die Beschäftigten müsse es "klare Angebote" geben - sie bräuchten "die Chance auf einen Beruf mit Zukunft", etwa durch ein Recht auf Weiterbildung.

Auch die IG Metall forderte Hilfen für die Beschäftigten. "Die IG Metall erwartet, dass die arbeitsmarkt- und industriepolitische Flankierung der Verkehrswende einen Schub bekommt und die dafür nötigen Instrumente geschärft werden", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Jörg Hofmann.

Hofmann sagte, der Zugang zu Kurzarbeit müsse kurzfristig für die Branche erleichtert werden, um die auftrags- und strukturbedingte Unterauslastung ohne Entlassungen zu überbrücken. "Dazu gehört auch die Kostenentlastung der Betriebe, wenn sie Kurzarbeit mit Qualifizierung verbinden und eine Verlängerung der Bezugsdauer auf 24 Monate."

IG Metall: Vor allem Zulieferer brauchen Kapital-Zugang

Die Autobranche ist mitten in einem grundlegenden Wandel von Benzinern und Dieseln hin zu mehr alternativen Antrieben. Hersteller und Zulieferer müssen Milliarden investieren. Für E-Autos aber sind weniger Jobs nötig, weil es viel weniger Komponenten gibt. Die E-Mobilität wirft bisher jedoch kaum Geld ab.

Zugleich ist die Nachfrage in wichtigen Absatzmärkten zurückgegangen. Das trifft bisher vor allem Zulieferer. Es gibt bereits Kurzarbeit und die Ankündigung von Arbeitsplatzabbau. Nach einem Szenario im Bericht einer Expertenkommission könnten in der deutschen Autobranche Hunderttausende Jobs in Gefahr sein.

IG Metall-Chef Hofmann sagte, kleine und mittlere Zulieferer bräuchten besseren Zugang zu Kapital, um die Transformation durch die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle jenseits des Verbrenners umzusetzen. "Bei den Banken stoßen sie bei der Finanzierung von Investitionen heute schon auf Ablehnung, weil diese das Risiko scheuen."

VDA fordert Milliarden-Hilfe für Strukturwandel

Der Branchenverband VDA forderte Milliarden an staatlicher Unterstützung für den Strukturwandel. "Ich denke, wir reden da schon über einen zweistelligen Milliarden-Betrag, den wir brauchen in der Summe für die Zuliefer- und Automobilindustrie", sagte VDA-Vorstand Stefan Wolf im Deutschlandfunk. "Wir reden über zehn bis zwanzig Milliarden." Diese müssten in den Ausbau der Ladeinfrastruktur und der regenerativen Energien fließen, damit die Nachfrage nach E-Autos steige, sowie in die Förderung neuer Technologien wie etwa Wasserstoff.

Wir reden über zehn bis zwanzig Milliarden.
Stefan Wolf, VDA-Vorstand

"Die Bundesregierung muss sich darüber klarwerden, ob sie zu diesem wichtigen Industriezweig steht und ob sie den weiter unterstützen möchte und ob sie weiter will, dass wir die Nummer eins bleiben in der Automobilindustrie", sagte Wolf, der auch Vorstandschef des Zulieferers Elringklinger ist. Der Hauptgegner der deutschen Konzerne sei China, wo der Staat kräftig investiere, um die Autobranche an die Weltspitze zu führen. "Dagegen müssen wir ankämpfen", forderte Wolf.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) empfängt heute zunächst den Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Rainer Hoffmann, und die Vorsitzenden der acht Mitgliedsgewerkschaften zu einem gemeinsamen Mittagessen. Am Nachmittag dann treffen sich dem Vernehmen nach Merkel, Bundesminister, Gewerkschaftsvertreter und Vertreter von Autoherstellern. Im Zentrum der Gespräche stehen die Folgen des Strukturwandels für die Arbeitnehmer.

Deutschlands Autoindustrie ist vom Innovationstreiber zum Getriebenen geworden. Der Fortschritt in Sachen E-Mobilität ist zu langsam, zu zögerlich. Eine ZDFzoom-Doku "Vollgas oder Scheitern" zeigt, wie es um die Branche steht:

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29 min
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