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Sportausschuss im Bundestag - Schleichendes Bädersterben in Deutschland

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Deutschland ein Land der Nicht-Schwimmer? Das will die DLRG verhindern - und weist weiter auf das Bädersterben hin. Nun gelangt das Thema sogar in den Sportauschuss des Bundestags.

Archiv: Das Schwimmbad an der Finckensteinallee, immer noch in Nutzung, zeigt sich am 30.03.2006, noch mit Sprungturm, in seinem maroden Charme der Zeit, als die Alliierten dieses noch benutzten.
Die DLRG schlägt Alarm: In Deutschland schließen zu viele Schwimmbäder.
Quelle: imago

Wer sich im heißen Sommer abkühlen oder im Winter regelmäßig seine Bahnen ziehen will, der sucht den Weg zum nächsten Schwimmbad. Doch das gestaltet sich vielerorts schwieriger als gedacht. Denn häufig sind Bäder in Deutschland marode oder geschlossen, ihre Öffnungszeiten eingeschränkt und der Badespaß durch überfüllte Becken getrübt. Hinzu kommt: Nicht alle Badegäste können sicher schwimmen.

Ein Problem, das für die Deutsche-Lebensrettungs-Gesellschaft (kurz DLRG) nicht neu ist - dessen Auswirkungen jedoch immer alarmierender werden. Denn: In Deutschland findet laut der Lebensretter ein Bädersterben statt. So haben seit dem Jahr 2000 etwa 80 Schwimmbäder pro Jahr geschlossen - im Schnitt eins etwa alle vier Tage. Grund genug für die DLRG eine Petition zu starten. Das Motto: "Rettet die Bäder". Am Ende waren 120.000 Unterschriften zusammen gekommen, bevor die Petition dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags übergeben wurde. Im Dezember gab es dann einen Teilerfolg: Der Ausschuss beschäftigte sich in einer öffentlichen Sitzung mit dem Thema - das Bädersterben war im politischen Berlin angekommen.

Man benötigt in etwa 4,5 Milliarden Euro bundesweit - als Sofortmaßnahme, für die Bäder, die noch zu retten sind.
Achim Wiese, DLRG

Heute tagt wieder ein Ausschuss - diesmal der des Sports. Die DLRG ist als Sachverständige geladen, will die Politik weiter für das Thema sensibilisieren und ihre Forderungen einbringen. So brauche es einen Masterplan. "Man benötigt in etwa 4,5 Milliarden Euro bundesweit - als Sofortmaßnahme, für die Bäder, die noch zu retten sind", berichtet Achim Wiese, Sprecher der DLRG, kurz vor der Sitzung. Gäbe es kein Geld, könne Deutschland zum "Land der Nicht-Schwimmer" werden.

Land der geschlossenen Bäder und Nicht-Schwimmer?

Was sagen die konkreten Zahlen? In Deutschland gibt es tatsächlich immer weniger Schwimmbäder. Laut DLRG gab es im Jahr 2000 in Deutschland noch rund 7.800. Im Jahr 2018 waren es nur noch rund 6.400. Eine Folge: Immer weniger Menschen lernen schwimmen und dort, wo es noch Angebote gibt, werden die Wartelisten länger.

Auch die Situation an den Schulen ist dramatisch. Schon jetzt können laut DLRG 25 Prozent der Grundschulen keinen Schwimmunterricht mehr anbieten - es fehlt schlichtweg der Zugang zu einem Bad. Gleichzeitig bedeutet das laut einer Forsa-Umfrage: 59 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Dabei gilt als sicherer Schwimmer, wer ein Bronze-Abzeichen erworben hat. In diesem Zusammenhang verwundert auch eine andere Zahl nicht: Laut Lebensretter wurden allein 2018 im Vergleich zum Vorjahr 4.500 Schwimmprüfungen weniger abgenommen. Durch fehlende Schwimmkenntnisse drohe langfristig ein Anstieg tödlicher Badeunfälle, so die Lebensretter.

Alle müssen an einem Tisch zusammenkommen

Schwimmen bedeutet Teilhabe - das ist ein Kulturgut, das wir beibehalten sollten.
Achim Wiese, DLRG

Zwar brauche nicht jede Kommune ein Schwimmbad, stellt Achim Wiese klar, doch es müsse was passieren. "Bund, Länder, Kommunen und Nutzer - wie etwa die DLRG - müssen an einen Tisch zusammen kommen und überlegen: Wo brauchen wir denn jetzt welche Bäder, und wie können wir die finanzieren?", sagt Wiese. Zudem bringt er einen weiteren Aspekt mit ins Spiel: Aus seiner Sicht sind Bäder in Deutschland nicht einfach Bäder. Es seien Orte des sozialen Austausches. "Schwimmen bedeutet Teilhabe - das ist ein Kulturgut, das wir beibehalten sollten."

Gegen den Begriff des Bädersterbens

Klaus Hebborn vom Deutschen Städtetag wandte sich in der Sitzung gegen eine Skandalisierung der Lage und den Begriff des "Bädersterbens". Zwar würden hier und da mehrere kleinere Bäder geschlossen und durch ein größeres ersetzt, doch das bedeute nicht zwangsläufig einen Verlust an Wasserfläche. Allerdings seien viele Bäder gerade auf dem Land sanierungsbedürftig.

Das Innenministerium verwies auf Anfrage auf die Zuständigkeit der Kommunen. Die Verantwortung für deren Finanzausstattung wiederum liege teilweise bei den Ländern. Der Bund beteilige sich allerdings punktuell mit Geld am Neubau oder der Sanierung von Bädern. Die Kommunen können beispielsweise Geld aus dem Fonds "Sanierung kommunaler Einrichtungen im Bereich Sport, Jugend und Kultur" beantragen, der aktuell 750 Millionen Euro umfasst, erläuterte eine Sprecherin. In zwei vorigen Förderrunden wurden daraus laut Ministerium 22 Schwimmbäder mit Bundesmitteln von rund 50 Millionen Euro saniert. Weitere Anträge laufen. Auch aus anderen Bundesprogrammen lassen sich Mittel für Schwimmbäder verwenden - einen genauen Überblick über die Gesamtmenge hat die Bundesregierung allerdings nicht.

Mehr zur Thematik finden auch Sie in unserer ZDF-zoom Dokumentation: "Schwimmbäder in Not - von Badespaß und leeren Kassen":

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