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Interview

Wahlkampfauftakt der Grünen - Ist das Kanzleramt noch drin, Frau Baerbock?

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Was können die Grünen im Wahlkampf noch erreichen? Zum Auftakt spricht Kanzlerkandidatin Baerbock im ZDF über ihre Chancen - und womit sie Wähler noch überzeugen will.

Im ZDF-Interview spricht Spitzenkandidatin Annalena Baerbock vom grünen Klimapaket, von Startschwierigkeiten im Wahlkampf und warum der "Status Quo" nicht mehr funktionieren kann. Außerdem: Wer für den Klimaschutz bezahlen soll.

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Die Grünen um Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bei 26 Prozent, die Union bei 25 Prozent - drei Monate ist dieses Umfrageergebnis jetzt her. Heute ist die Realität eine andere: Wenn am nächsten Sonntag wirklich schon die Bundestagswahl wäre, kämen CDU und CSU auf 28 Prozent - die Grünen nach aktuellem ZDF-Politbarometer nur noch auf 21 Prozent.

Lässt sich dieser Rückstand bis zur Bundestagswahl am 26. September noch aufholen? Am Tag des Wahlkampfauftakts ihrer Partei spricht Baerbock im ZDF heute journal über ihre Chancen aufs Kanzleramt - und was die Grünen unter "mutigem" Klimaschutz verstehen.

Das ganze Interview oben im Video - oder in weiten Auszügen hier im Wortlaut.

ZDF: Wie war das heute in Hildesheim? Haben Sie neuen Wind unter ihren Flügeln gespürt?

Annalena Baerbock: Das war der Auftakt in unsere Wahlkampftour, wo wir deutlich machen, dass es jetzt richtig um Veränderungen geht. (…) Wir müssen jetzt die Weichen dafür stellen, dass wir auch in Zukunft in Sicherheit leben, in Freiheit leben - und vor allem diese Klimakrise in den Griff bekommen.

ZDF: Das haben Sie so ungefähr in unserem letzten Gespräch vor vielen Wochen auch schon gesagt. Ich wollte den neuen Wind beschrieben sehen. Gab es den?

Baerbock: Naja, Politik lebt ja davon, dass sie möglichst Visionen hat, dass sie Ziele hat.

Wenn ich vor vier Wochen etwas anderes erzähle als heute, dann ist das für mich keine glaubwürdige Politik.

Weil wir wissen ja nicht erst mit dem IPCC von heute, dass die Klimakrise wirklich dramatisch ist, sondern seit Jahren. Deshalb braucht es eine Bundesregierung, die auch wirklich, wirklich handelt.

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ZDF: Sie hatten vor einigen Wochen durchaus nach den Umfragen Aussicht, zu einer historischen Figur zu werden: die erste Regierungschefin - und das gilt für Männer wie Frauen - eines großes Industrielandes aus der grünen Weltbewegung. Ist das heute aus Ihrer Sicht noch drinnen? Spüren Sie das noch in sich?

Baerbock: Dieser Wahlkampf macht deutlich, dass alles drinnen ist. Wir stehen vor einer richtigen Richtungswahl. Es geht jetzt darum, ob wir eine Politik machen, die vorausschaut, die mutig Veränderungen angeht, und die vor allem mit der Breite der Gesellschaft Politik macht. Das heißt nicht nur für einzelne Gruppen in der Gesellschaft, sondern für den Stahlarbeiter, für die Pendlerin, für die Erzieherin, für alle Menschen in unserem Land. Und dafür braucht es Leidenschaft. Und die bringe ich nach wie vor gerade dafür ein, für diese großen, großen Veränderungen.

ZDF: Sie machen das, was alle Parteien machen: Sie sagen, Klimaschutz ist notwendig, das wird allgemein auch geglaubt - und Sie sagen, wir haben ein Rezept, das für alle ein Gewinn ist. Das widerspricht jeder Lebenserfahrung. Bei solchen grundstürzenden Dingen gibt es immer auch Menschen, die am Ende bezahlen müssen. Die erstmal Opfer bringen müssen. Sind Sie bereit, auch darüber auch mal zu reden?

Baerbock: Ja, das tun wir.

Wir haben nie gesagt, dass Klimaschutz mit dem Fingerschnips funktioniert.

Aber was es braucht ist eine Politik, die Rahmenbedingungen setzt und die Unterschiedlichkeit der Menschen sieht. Weil zum Glück sind nicht alle Menschen gleich in unserem Land. Deswegen muss ich doch schauen, was bedeutet guter Klimaschutz für diejenigen, die sofort sich eine neue Innovation kaufen können, und für diejenigen, die nicht soviel Geld haben.

Und darauf Politik auszurichten, alle im Blick zu haben, aber die großen Veränderungen mutig anzugehen, und dafür die Rahmenbedingungen zu setzen - das ist Aufgabe für mich für eine zukunftsfähige Politik.

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ZDF: Was ist so mutig an einer Politik, die allen verspricht, wir verändern die Welt zum Besseren - und niemand zahlt drauf?

Baerbock: Einige werden ja zahlen - insbesondere die, die viel CO2 ausstoßen. Aber damit es dann für alle tragbar ist, müssen wir schauen, wie wir diese Mehrbelastung gerecht verteilen. Deswegen sagen wir: CO2-Preisgeld pro Kopf wieder verteilen, dann tun wir nicht nur was für den Klimaschutz, sondern eben auch für soziale Gerechtigkeit in diesem Land.

Das ist für mich sozial gerechter Klimawohlstand. Und an dem zu bauen, ist die Aufgabe für das nächste Jahrzehnt.

ZDF: Wir haben immer wieder gesehen, dass die Menschen immer wieder an Notwendigkeit des Klimaschutzes glauben. Aber die Grünen werden trotzdem, obwohl sie die Klimaschutz-Partei ist, mit ein bisschen Verdacht gesehen, dass sie dieses Ziel zu absolut nehmen und unbedingt wollen - und zum Schluss geht das auf die Kosten von mir, zum Beispiel. (...) Das ist ein Gefühl, mit dem Sie im Wahlkampf fertig werden müssen. Wie gehen Sie das an?

Baerbock: Wenn man für Erneuerungen steht, gehört es dazu, dass man breit erklärt, wohin wir wollen und wie man das gestalten will. Aber wir haben ja gesehen, dass die Rezepte der Vergangenheit definitiv dazu führen, dass wir Sicherheit schaffen, dass wir Halt schaffen - sonst stünden wir bei der Klimakrise nicht da, wo wir heute stehen.

Und einfach nur am Status quo festzuhalten, führt dazu, dass es im Süden Europas brennt, dass es bei uns extreme Niederschläge gibt, die Menschen in Not bringen, wo Menschen sogar sterben.

Und zugleich sehen wir die Industrie, die sagt, wir haben Technologien, dass wir wirklich den Durchbruch schaffen können. Und da gilt es jetzt, dafür die Weichen zu stellen. Und da zu sagen, wo es hart wird - das ist der Umbau der Industrie-Arbeitsplätze - dazu habe ich den Pakt vorgeschlagen, die Industrie dabei zu unterstützen, dass die Arbeitsplätze in Deutschland, in Europa bleiben. Aber einfach zu sagen: Wir machen weiter wie bisher, das wird uns nicht nur in eine unsichere Zukunft führen, sondern das gefährdet die Freiheit unserer Kinder und Enkelkinder.

ZDF: Wie dankbar sind Sie ihrem Partner Robert Habeck, dass er nicht den Söder macht und offen sagt: "Ich wäre schon der bessere Kandidat gewesen …"?

Baerbock: Dieses Team funktioniert seit drei Jahren. Und das ist auch was wir in der Bundesregierung was wir in der Bundesregierung führen wollen: Nicht nur einer steht vorne. Große Herausforderungen können wir nur angehen gemeinsam im Team.

Deswegen zeigt sich, dass Doppelspitze ganz gute Idee sein kann im 21. Jahrhundert.

Das Interview führte Claus Kleber im heute journal.

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