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Doppelstock-Züge aus Österreich - Die Bahn kauft Gebrauchte

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Die Bahn braucht neue Züge. Gebrauchtwagen sollen die Rettung sein: Doppelstöcker aus Österreich - mit nettem Bonus für Fernfahrer. An diesem Wochenende werden sie eingesetzt.

Doppelstockzug der Westbahn in Wien
Doppelstockzug der Westbahn in Wien
Quelle: imago/SKATA

Warum kauft die Bahn gebrauchte Züge?

Der Vorteil von Gebrauchten: keine jahrelangen Wartezeiten wie bei der Bestellung neuer Züge wie sonst üblich. Und die Gewissheit, dass die erprobte Technik zuverlässig funktioniert. Wiederholt hatte die Deutsche Bahn (DB) bei Neubau-Zügen nämlich erhebliche technische Probleme. Zuletzt mit der Software der neuen Doppelstock-Intercitys "IC2". Die DB verweigert hier gerade die Abnahme von 25 Zuggarnituren.

2010 war es zu Einsatzverzögerungen von mehreren Jahren gekommen, weil bestellte Regionalzüge keine Zulassung für die vereinbarte Geschwindigkeit von 160 km/h bekamen.

Welche Züge werden angeschafft?

Zug vom Typ Stadler "Kiss".
Zug vom Typ Stadler "Kiss".
Quelle: Imago

Bei den rund drei Jahre alten Doppelstockzügen handelt es sich um insgesamt 17 Fernzüge des Schweizer Herstellers Stadler vom Typ "Kiss" mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Bisher fuhren die bei der österreichischen Westbahn.

Für den Betrieb als Intercitys im Netz der Deutschen Bahn werden neun vierteilige Züge mit je 300 Sitzplätzen gerade in Wiener Werkstätten neu lackiert und umgerüstet. Dazu gehören digitale Sitzplatzreservierungs-Anzeigen, bahneigene WLAN-Technik und ein Bord-Café. Weil der Kauf auch einen Wartungsvertrag umfasst, muss künftig aber jeweils ein Zug täglich zurück nach Wien. DB-Werkstätten sind auf die Doppeldecker-Exoten noch nicht eingestellt.

Wo sollen die neuen "Gebrauchten" fahren?

Ab Anfang März auf der neuen Intercity-Strecke von Dresden nach Rostock. Bisher sind hier alte IC-Modelle im Einsatz.

Die täglichen Wartungsfahrten nach Wien nutzt die Bahn, um eine ungewöhnliche neue Nachtzugverbindung anzubieten: von Rostock über Berlin, Leipzig, Jena, Nürnberg und Passau in die österreichische Hauptstadt. Abfahrt in Rostock 20:22 Uhr, Ankunft in Wien am nächsten Tag um 10:45 Uhr. In der Gegenrichtung mit ähnlichen Fahrzeiten. Wer mitfährt muss es sich allerdings auf Sitzplätzen bequem machen: Schlafwagen gibt es nicht.  

Warum braucht die DB dringend neue Züge?

Die Bahn braucht mehr Schienenfahrzeuge um den Kundenansturm bewältigen zu können. Seit Jahren steigen die Fahrgastzahlen im Fernverkehr, für 2019 wurden über 150 Millionen Passagiere erwartet. Bis 2030 soll außerdem nach den Klimazielen von Bahn und Bundesregierung die Passagierzahl noch einmal verdoppelt werden.

Gleichzeitig ist die Zugflotte der Bahn veraltet. Während ICE der ersten Generationen derzeit Zug um Zug durch neue ICE 4 ersetzt werden, kommt die Erneuerung der 140 Intercitys nur langsam voran. Auch wegen technischer Probleme wie aktuell beim IC2. Viele Waggons stammen noch aus den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Innenausstattung ist zwar mehrfach erneuert worden, doch jetzt naht das Ende ihrer Einsatzzeit.

Warum verkauft die österreichische Westbahn ihre Züge?

Das österreichische Privatbahnunternehmen Rail-Holding, der Mutterkonzern der Westbahn, hatte (zum Schrecken der hiesigen Bahnindustrie) ursprünglich erwogen, als erster europäischer Bahnbetreiber Hochgeschwindigkeitszüge des chinesischen Bahntechnik-Giganten CRRC anzuschaffen und brauchte kurzfristig frisches Kapital. Mittlerweile hat sich die Westbahn aber dafür entschieden, die neuen Schnellzüge erneut beim Hersteller Stadler zu bestellen.

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