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Vordenker oder nur ein läppischer Betrüger?

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Bannon vor Gericht - Vordenker oder nur ein läppischer Betrüger?

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Bannon gilt als einer der Köpfe hinter Trumps Wahlerfolg. Jetzt wirft ihm die Staatsanwaltschaft in New York Betrug und Geldwäsche vor. Er soll Spendengelder veruntreut haben.

Ex-Trump-Berater Steve Bannon wegen Betrugs angeklagt
Am 20.08. wurde Bannon auf seiner Luxusyacht verhaftet - am selben Tag kam er gegen Kaution frei.
Quelle: AP

Steve Bannon, Donald Trumps ehemaliger Chefstratege im Weißen Haus muss sich heute in New York einer weiteren gerichtlichen Anhörung stellen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und anderen Betrug und Geldwäsche vor. Die Anhörung findet digital statt.

"Ich bin ein Leninist" soll er in einem Gespräch dem New Yorker Historiker Ronald Radosch gesagt haben. Was er damit meine, fragte der zurück.

Lenin wollte den Staat zerstören, und das ist auch mein Ziel. Ich möchte, dass alles zusammenbricht, das heutige Establishment zerstören.

Das soll seine Antwort gewesen sein, so berichtet es Radosch. Bannon sagt, er könne sich an dieses Gespräch nicht mehr erinnern. Dass er den Staat, den modernen, abreißen und das Establishment und die Eliten dieses Staates zerstören will, daran aber hatte Bannon nie zweifeln lassen.

Bannon: Vom Vordenker zum Angeklagten

Bannon, radikaler Vordenker des Trumpschen Populismus und Architekt dessen Wahlerfolgs 2016, hat mit Bewunderung für faschistische und kommunistische Machttechniker immer auf deren Erfolgsrezept gesetzt: Das Volk gegen die da oben, gegen die Eliten, das Establishment.

Trumps permanente Attacken auf demokratische Institutionen gehen unter anderem auf ihn zurück. Die Medien seien die eigentlich Oppositionspartei, die Feinde des Volkes, eine geheime dunkle Verschwörung im demokratischen Machtapparat - der "Deep State" würde gegen die Interessen des Volkes arbeiten.

Und so entbehrt es nicht einer großen Ironie, dass der Populist und Kämpfer gegen Eliten vor gut zehn Tagen auf einer 28 Millionen Dollar teuren Luxusjacht eines befreundeten chinesischen Milliardärs verhaftet wird, weil er ausgerechnet die betrogen und hinters Licht geführt haben soll, die zu seinen und Donald Trumps treusten Anhängern zählen.

Der frühere Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, Steve Bannon, ist festgenommen worden.

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Darum geht es vor Gericht:

Die Staatsanwaltschaft in New York hat ihn und mehrere Mittäter der Verschwörung zu Betrug und Geldwäsche angeklagt. Und darum geht es: Mit großem Tamtam in den Sozialen Medien, im Fernsehen und auf öffentlichen Veranstaltungen hatten Bannon und Mitangeklagte um Spenden für den gemeinnützigen Verein "We Build the Wall" geworben - eine Organisation, die von ihnen kontrolliert wurde, so die Staatsanwaltschaft.

25 Millionen Dollar hatten sie mit dem Versprechen eingeworben, das jeder Cent, 100 Prozent aller Spenden, direkt in den Bau der Mauer gehe. Man sei eine Freiwilligen-Organisation, prahlte Bannon, selbst der Gründer Brian Kolfage verzichte großzügig auf eine Kompensation oder gar auf ein Gehalt für seine Arbeit - jeder Penny gehe in den Bau der Mauer.

Hunderttausende Anhänger der Idee, eine Mauer zu Mexiko zu bauen, hätten sich auf dieses Versprechen bei ihren Spenden verlassen, so die Staatsanwaltschaft.

Vorwürfe: Betrug und Verschleierung

Die Anklageschrift aber führt auf, wie Bannon und seine Mittäter über ein ausgeklügeltes System durch falsche Rechnungen und teilweise über anonyme Mantelgesellschaften hundertausende Dollar in die eigene Tasche lenkten. Kolfage, Gründer des Vereins, soll das Geld für einen Luxus-SUV, eine Luxus-Yacht, eine Schönheits-OP, die Renovierung seines Hauses, für Steuerzahlungen und einen verschwenderischen Lebensstil verwendet haben.

Eine Million Dollar soll über Konten eines anderen, von Steve Bannon gegründeten Vereins, geflossen sein. Bannon soll davon Hunderttausende für Reisen, Hotels, Kreditkartenschulden und den Kauf von Konsumgütern verwendet haben, so die Anklage.

Bannons Verurteilung könnte Trump gefährlich werden

Der Populist und Kämpfer gegen die Eliten also nichts anderes als ein läppischer Betrüger und Krimineller, der sich mit ergaunertem Geld auf Kosten gutgläubiger Anhänger ein Leben in Saus und Braus gönnt? Sollte das Gericht der Staatsanwaltschaft folgen, drohen Bannon und seinen Mitangeklagten zwischen zehn und 40 Jahren Gefängnis. Eine Perspektive, von der so mancher Beobachter ausgeht, dass sie auch dem Präsidenten gefährlich werden könnte.

Denn Bannon könnte sein möglicherweise hohes Strafmaß dadurch verringern, dass er mit den Behörden bei der Aufklärung anderer Verbrechen zusammenarbeitet. Unter anderem hatte der Geheimdienstausschuss des US-Senats der Staatanwaltschaft empfohlen, strafrechtliche Ermittlungen wegen Falschaussagen gegen Bannon, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und andere enge Vertraute aus dem Umfeld des Präsidenten einzuleiten.

Bannon plädiert auf unschuldig

Noch aber ist es längst nicht abgemacht, dass Bannon verurteilt wird. Er bestreitet alle Vorwürfe, hat auf unschuldig plädiert. Bis zur Urteilverkündung befindet er sich gegen eine Kaution von fünf Millionen Dollar auf freiem Fuß, darf den Norden der USA nicht verlassen, in kein Privatflugzeug und auf keine Yacht steigen.

Sollte es aber doch zu einer Verurteilung kommen, gäbe es plötzlich eine ganz banale Erklärung dafür, warum er den Staat, seine Institutionen und sein Establishment immer zerschlagen wollte - der nämlich würde ihn dann wohl für viele Jahre ins Gefängnis stecken und daran hindern Amerikas Bürger weiter zu betrügen.

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