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Corona-Partei "Die Basis" - Universum aus Anti-Corona-Aktivisten

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Die Corona-kritische Partei "Die Basis" will in den Bundestag. Sie fordert einen "liebevollen Umgang miteinander" - ihr Spitzenpersonal fällt mit Holocaust-Relativierungen auf.

Berlin: Ein Demonstrant gegen die Corona-Politik der Regierung mit einer Warnweste "Wir sind die 99 Prozent" sitzt auf einer Wiese am Leipziger Platz und hört einem Vertreter der Partei Die Basis zu.
Berlin: Demonstrant hört einem Vertreter von "Die Basis" zu (Archivfoto).
Quelle: dpa

Die Pandemie-Monate waren geprägt vom Protest gegen die Corona-Politik. Aus diesem Momentum heraus haben sich mehrere Parteien gegründet - eine davon ist "Die Basis". Nach eigenen Angaben hat sie mehr als 25.000 Mitglieder. Zur Bundestagswahl tritt sie in allen Bundesländern außer in Berlin an, dort wurde ihre Liste wegen eines Formfehlers abgelehnt.

"Dis Basis" will eine radikale Abkehr von der Corona-Politik. Sie fordert "die sofortige Aufhebung der Einschränkungen der Grundrechte" und ist "gegen Massentests und Maskenzwang". Ihre AG Gesundheit empfahl dagegen, auch Homöopathie für die Corona-Behandlung zu prüfen.

Hass statt Liebe?

"Die Basis" will - laut Satzung - einen liebevollen, friedlichen Umgang, "bei dem das Menschsein und die Menschlichkeit des anderen immer Beachtung finden". Doch einige ihrer Spitzenkandidaten fielen bisweilen in der Vergangenheit mit Falschbehauptungen auf, Über- oder Untertreibung bezüglich der Pandemie auf - und mit Aussagen, die den Holocaust relativieren.

  • Der Arzt und Buchautor Wolfgang Wodarg saß für die SPD im Bundestag, in seinem neuen Buch spricht er über Menschen als "Versuchskaninchen einer gierigen Impfindustrie" – die Pandemie bezeichnete er schon früh als "Panikmache".
  • Der Anwalt Dirk Sattelmaier verglich die Aufforderung zum Maskentragen in Bussen und Bahnen mit der Diskriminierung von Jüdinnen und Juden während der NS-Zeit.
  • Der Anwalt Reiner Fuellmich sagte, die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung seien schlimmer als der Holocaust. Auch behauptete er, die Regierung plane "eine Art KZ" für Nichtgeimpfte.
  • Der Mediziner Sucharit Bhakdi behauptete über die Corona-Politik in Israel und jüdische Menschen: "Das Volk, das geflüchtet ist aus diesem Land, aus diesem Land, wo das Erzböse war, (...) und haben ihr Land gefunden, haben ihr eigenes Land in etwas verwandelt, was noch schlimmer ist, als Deutschland war. (…) Das ist das Schlimme an den Juden: Sie lernen gut. Es gibt kein Volk, das besser lernt als sie. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt - und umgesetzt. Deshalb ist Israel jetzt living hell - die lebende Hölle."

#wieunscoronaspaltet

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28 min
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Antisemitismus-Beauftragter zeigte Bhakdi an

Wegen dieser Aussage hat der Amtisemitismus-Beauftragte der jüdischen Gemeinde Berlin, Sigmount Königsberg, gegen Bhakdi Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Das Verfahren liege bei der Staatsanwaltschaft und sei noch nicht entschieden, sagte Königsberg ZDFheute.

Ich war entsetzt, weil Bhakdi ein anerkannter Wissenschaftler war. Das zeigt, dass antisemitische Weltverschwörungen auch in hochgebildeten Kreisen verwurzelt sind.
Sigmount Königsberg, Antisemitismus-Beauftragter jüdische Gemeinde Berlin

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Die Kognitionswissenschaftlerin Rocio Rocha Dietz forscht zu Antisemitismus und stellt fest:

Einige Protagonisten von "Die Basis" äußern sich antisemitisch. Spitzenkandidat Bhakdi sprach davon, dass der jüdische Staat Israel durch seine Impfpolitik schlimmer sei als das nationalsozialistische Deutschland.
Rocio Rocha Dietz, Kognitionswissenschaftlerin bei CeMAS

Mit Blick auf die Demos nennt sie als weiteres Beispiel die Nachkommen von Täterinnen und Tätern des Nationalsozialismus, die einen Gelben Stern trugen - also jenes Zeichen, mit dem sich Jüdinnen und Juden in der NS-Zeit kennzeichnen mussten.

Teilnehmer der Demonstration der Initiative ´Querdenkenª gegen die Corona-Maflnahmen in Hannover

Demo in Hannover - Krude Geschichtsvergleiche der "Querdenker" 

Bei einer Demonstration in Hannover vergleicht sich eine Gegnerin der Corona-Maßnahmen mit Sophie Scholl. Es ist nicht der erste schiefe Vergleich zur Nazi-Zeit.

von Jan Schneider

Von Nahverkehr bis Lobbyregister

"Die Basis" hat auch unverfängliche Inhalte im Programm: Sie will ein verschärftes Lobbyregister, mehr direkte Demokratie auf allen Ebenen, eine Landwirtschaft hin zum Öko-Landbau, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Sie spricht sich auch gegen extremistische Bestrebungen aus.

Das hindert einige offenbar nicht daran, ein antisemitisches Weltbild zu pflegen oder es zumindest zu tolerieren. "Die Basis" ließ eine Anfrage von ZDFheute zu den Aussagen ihres Spitzenpersonals unbeantwortet.

Ein Universum an Anti-Corona-Aktivismus

Neben der Basis hat sich ein ganzes Universum an Anti-Corona-Aktivisten gebildet: "Ärzte für Aufklärung", "Anwälte für Aufklärung", "Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie" oder der "Corona-Ausschuss" - um nur einige zu nennen.

Zudem gibt es Überschneidungen mit der Querdenker-Szene rund um deren Gründer Michael Ballweg, den der Verfassungsschutz beobachten darf. Auch der Arzt Bodo Schiffmann pflegt enge Kontakte zur "Die Basis".

Schiffmann, eine zentrale Figur, die auch bei anderen Corona-kritischen Parteien mitgemischt hat, verglich die Pandemie-Maßnahmen mit dem Ermächtigungsgesetz von 1933 und sagte, er wünsche sich, dass Bill Gates in Guantanamo vernommen werde - Gates ist einer der zentralen Hassfiguren der Szene.

Corona-Leugner im Staatsdienst

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8 min
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Ex-KSK-Kopf spricht bei Querdenkern

Auch Polizisten und Veteranen haben sich im Querdenker-Umfeld versammelt, darunter Maximilian Eder, Oberst außer Dienst der Bundeswehr. Eder hat einst die Elite-Truppe KSK mit aufgebaut - im Mai donnerte er auf einer Querdenker-Bühne in Berlin:

Man sollte das KSK mal nach Berlin schicken und hier ordentlich aufräumen. Dann könnt ihr mal sehen, was die können.
Maximilian Eder, baute KSK mit auf

Laut Umfragen hat die Partei kaum Chancen auf den Einzug in den Bundestag. Das Universum an Anti-Corona-Aktivisten, das sie umgibt, dürfte aber auch nach der Wahl weiter existieren.

Deutscher Bundestag und ein Liniendiagramm zu historischen Umfragen
Grafiken

Stimmung in Deutschland - Bundestagswahl: Wie steht es in den Umfragen? 

Welche Partei liegt vorne? Wen wünschen sich die Deutschen ins Kanzleramt? Welche Themen sind am wichtigsten? Die Zahlen zur Bundestagswahl immer aktuell im Überblick.

von Robert Meyer
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