ZDFheute

Teurer Reformstau - Landwirte unter Druck

Sie sind hier:

Ökologische Landwirtschaft - Teurer Reformstau - Landwirte unter Druck

Datum:

Viele Landwirte beklagen hohe Kosten durch die aktuelle Agrarpolitik. Jahrelang wurden Reformen verhindert - ein Grund sind Verflechtungen mit der Agrarlobby, sagt ein Ex-Minister.

Der Aufstand begann im Herbst: Seit Oktober 2019 gehen in Deutschland Zehntausende Landwirte auf die Straße und protestieren gegen die Agrar- und Umweltpolitik der Bundesregierung.

Beitragslänge:
28 min
Datum:

Seit Oktober 2019 sind Bäuerinnen und Bauern in ganz Deutschland auf die Straße gegangen. Vor allem das Agrarpaket, das weitreichende Maßnahmen für mehr Klima- und Umweltschutz vorsieht, sorgt in der Landwirtschaft noch immer für Ärger: Die neuen Auflagen bringen hohe Kosten mit sich.

Dabei ist der wirtschaftliche Druck bereits jetzt groß, auch von einer anderen Seite: Denn die meisten Landwirte erzielen mit ihren Produkten am Markt immer niedrigere Preise, ihre Existenzangst wächst. Allein seit 2010 mussten rund 32.000 Bauernhöfe aufgeben und besonders kleinere Höfe stehen vor dem Aus.

Noch im Januar haben in Berlin Tausende Öko-Bauern und Naturschützer für eine Agrarwende demonstriert.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Für Bauern kann das richtig teuer werden

Der Milchviehbetrieb von Stefan Bormann ist einer der Höfe, den die geplanten politischen Maßnahmen hart treffen werden. Denn die neu verabschiedete Düngeverordnung schreibt Bormann vor, künftig 20 Prozent weniger Gülle auf die Felder auszubringen, auf denen er Futter für die Kühe anbaut.

Weniger düngen bedeutet weniger Ertrag. Hinzu kommt: Darf Bormann weniger Gülle aus dem eigenen Betrieb auf die Felder bringen, muss er in ein neues Güllebecken zur Lagerung investieren - oder den Tierbestand reduzieren. Die Folge wäre weniger Milch und damit weniger Einnahmen.

Grund für die Verschärfung der Düngeverordnung ist die schlechte Grundwasserqualität in vielen Teilen Deutschlands. Die EU drohte der Bundesregierung deswegen eine Strafe von bis zu 850.000 Euro täglich an. Um das zu vermeiden, musste die Politik handeln und verschärfte 2020 die Vorgaben zum Düngen ein weiteres Mal.

Vor allem kleinere Betriebe leiden unter Reformstau

Im Bundestag wird seit Jahrzehnten über eine nachhaltigere Landwirtschaft debattiert. Vorstöße zu mehr Umweltschutz wurden jedoch immer wieder blockiert - nicht zuletzt wegen der erfolgreichen Lobbyarbeit der Agrarindustrie.

"Es gibt eine ganz enge Verflechtung zwischen CDU, Agrarpolitikern und CDU-Ministerien mit der Landwirtschaftslobby", erklärt der ehemalige Landwirtschaftsminister Niedersachsens, Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen). Unter dem Reformstau leiden jetzt vor allem kleinere Betriebe. Sie müssen Geld in die Hand nehmen, um mehrere Auflagen auf einmal umzusetzen.

Ein großes Problem liegt in der EU

Gerade die kleinen Höfe leiden trotz Geldes vom Staat und der EU besonders: Der größte Teil der EU-Förderung von rund 42 Milliarden Euro wird pro Hektar bewirtschaftete Fläche ausgezahlt. Nur einen kleinen Teil erhalten Landwirte für Klima- und Umweltmaßnahmen.

Die Konsequenz: Je mehr Land ein Betrieb besitzt, desto mehr Geld fließt von der EU - egal wie nachhaltig auf diesem Land gearbeitet wird. Zukunftsweisend wäre eine Umverteilung der Förderung. So könnte Geld in Maßnahmen zugunsten von Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz fließen. Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft würde sich dann für die Bäuerinnen und Bauern auch lohnen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.