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Folgen der Explosion für Libanon - "Katastrophe macht die Lage noch schlimmer"

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Die Explosion im Hafen von Beirut trifft den Libanon mitten in der Wirtschaftskrise. Die Regierung ist noch nicht lange im Amt - und steht vor einem Berg an Problemen.

Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut suchen Helfer in den Trümmern weiter nach Opfern. Laut dem Roten Kreuz gab es mindestens 100 Tote und tausende Verletzte.

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Die verheerende Explosion im Hafen von Beirut trifft den Libanon in einer ohnehin angespannten Lage. Mindestens 100 Menschen starben, mehr als 4.000 wurden verletzt. Der Schaden könnte nach ersten Schätzungen zwischen drei und fünf Milliarden Dollar liegen.

Libanon in tiefer Wirtschaftskrise

Das Land steckt in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Staatsverschuldung lag nach Daten des internationalen Währungsfonds Ende 2019 bei 155 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Hälfte der knapp sieben Millionen Menschen lebt laut Schätzungen der UN unterhalb der Armutsgrenze. Im Frühjahr konnte das Land eine Staatsanleihe erstmals nicht bedienen - Experten fürchten, der Libanon steuere damit auf einen Bankrott zu. Die Corona-Pandemie hat die wirtschaftliche Lage noch verschlimmert.

Archiv: Volker Perthes am 30.09.2015 in Berlin
Volker Perthes leitet die Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Er war im Oktober zuletzt im Libanon.
Quelle: dpa

Für viele Libanesen seien die Explosion und die Zerstörung ein Symbol dafür, was im Land falsch läuft, sagt Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. "Es steht für Schlendrian und eine schlechte Administration."

Erst am Dienstag hatten Demonstrierende versucht, das Energieministerium zu stürmen. Zuvor hatte es wochenlange Stromausfälle gegeben, zum Teil gab es 20 Stunden am Tag keine Elektrizität.

Neue Regierung vor großen Aufgaben

Die Regierung um Ministerpräsident Hassan Diab ist erst seit Januar im Amt, die Vorgängerregierung musste nach Protesten zurücktreten. Die Demonstranten warfen ihr Korruption und Misswirtschaft vor. Doch die derzeitige Regierung sitzt politisch keinesfalls fest im Sattel, so Perthes:

Das ist eine Katastrophe, die die ohnehin desolate politische und wirtschaftliche Lage im Land nur noch schlimmer macht.
Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik

Die Aufräumarbeiten in Beirut dauern derweil an. Der Hafen ist stark beschädigt, viele Gebäude in der Innenstadt sind zerstört. Von einem Anschlag sei derzeit nicht auszugehen, berichtet ZDF-Korrespondent Uli Gack. Die libanesische Regierung spricht von einem Brand, der wohl zu der gewaltigen Detonation im Hafen geführt habe. Dort lagerten in einer Halle mehr als 2.700 Tonnen hochexplosives Ammoniumnitrat.

Regierungschef Diab kündigte an, die Verantwortlichen würden "zur Rechenschaft" gezogen. Damit legt die Regierung die Messlatte hoch, die Ereignisse aufzuklären, sagt Perthes:

Wenn die Regierung die Umstände vertuschen sollte, wird es zu mehr Protesten führen.
Volker Perthes, SWP

Zerstörter Hafen belastet zusätzlich

Perthes weist auch auf die zentrale Bedeutung des Hafens hin: Weil der Libanon Vieles importiere, müsse am Hafen wohl zunächst improvisiert werden. "Das belastet die Devisenbilanz noch mehr", so Perthes. Durch die Detonation sind beispielsweise viele Scheiben zerbrochen. "Es wird dauern, bis man die importiert hat."

Im Hafen sind auch Getreidesilos zerstört worden. Das könne zu einer Hungerkrise und zu Engpässen bei Brot führen, zitiert dpa den Analysten Makram Rabah. "Diese Explosion ist der Sargnagel für die Wirtschaft des Libanons und für das Land im Allgemeinen."

Verletzte Anwohner, umgeworfene Autos, die Straßen mit Schutt übersät - die schwere Explosion in Beirut hat den Libanon überwältigt. Augenzeugen berichten.

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