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Detonation im Libanon - Was wir über die Explosion in Beirut wissen

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Nach der Explosion in Beirut wird nach der Ursache gesucht. Indes wurden weitere Opfer aus den Trümmern geborgen. 6.000 Menschen wurden verletzt, die Zahl der Toten stieg auf 165.

Nach der Explosionskatastrophe in Beirut gerät die libanesische Regierung zunehmend unter Druck. Es kam bereits zu gewalttätigen Zusammenstößen.

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Was wir wissen

Wenige Minuten nach 18 Uhr (Ortszeit, 17 Uhr MESZ) am vergangenen Dienstag kommt es am Hafen zu einer gewaltigen Detonation mit einer Druckwelle, die sich blitzschnell kreisförmig nach außen ausbreitet. Am Himmel über der Küstenstadt ist eine Pilzwolke zu sehen.

Die Explosion ereignet sich auf dem Industriegelände des Hafens im Norden der Küstenstadt. Dort entstehen an Lagerhäusern und Getreidespeichern auch die größten Schäden. In der Nähe liegen der zentrale Märtyrerplatz und beliebte Ausgeh-Viertel von Beirut. Große Teile der Innenstadt sind zerstört, Schaufenster zerborsten.

Infografik: Explosion in Beirut

Die Druckwelle habe man in der gesamten Stadt gespürt, berichtete ZDF-Korrespondent Uli Gack. Noch Kilometer entfernt seien durch die Druckwelle Scheiben zerschlagen und Wände weggedrückt worden. Dem Deutschen Geoforschungszentrum GFZ zufolge waren die Erschütterungen mit einem Erdbeben der Stärke 3,5 vergleichbar.

Beschädigt wurde auch ein Schiff der Vereinten Nationen: Blauhelmsoldaten der UN-Mission im Libanon (Unifil) seien verletzt worden, einige von ihnen schwer, hieß es in einer UN-Erklärung. Das Rote Kreuz berichtet von überfüllten Krankenhäusern, es mangele an medizinischem Personal, Krankenbetten und Blutkonserven. Viele Leute seien vor Krankenhäusern abgewiesen worden. Auch Kristof Kleemann von der Friedrich-Naumann-Stiftung berichtet von prekären medizinischen Zuständen.

"Die medizinische Lage hier ist dramatisch, es gehen auch Medikamente aus, es geht medizinische Ausrüstung aus", so Kristof Kleemann, Büroleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung im Libanon.

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Die Zahl der Toten stieg auf 158, wie das libanesische Gesundheitsministerium am Freitag erklärte. Etwa 6.000 Menschen wurden verletzt. Mehr als 300.000 Menschen verloren ihr Zuhause, davon sind dem UN-Kinderhilfswerk Unicef zufolge schätzungsweise 80.000 Kinder. Im Lauf der Suche nach Opfern könnten diese Zahlen noch weiter steigen, so das Rote Kreuz.

Beirut, in dessen Großraum schätzungsweise bis zu 2,4 Millionen Menschen leben, wurde zur "Katastrophen-Stadt" erklärt. Ministerpräsident Hassan Diab rief einen zweiwöchigen Ausnahmezustand aus.

Die Regierung gerät zunehmend unter Druck: Nach gewalttätigen Zusammenstößen bei Protesten am Samstag flogen am Sonntag bei Demonstrationen in Beirut erneut Steine, die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Am Samstagabend hatte Ministerpräsident Diab vorgezogene Neuwahlen vorgeschlagen. Zwei Minister legten am Sonntag ihre Ämter nieder.

ZDF-Korrespondent Uli Gack: "Misstrauen gegenüber der Regierung"

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Das Kabinett stellte zudem 100 Milliarden libanesische Pfund (entspricht nach offiziellem Wechselkurs 56 Millionen Euro) für Hilfen bereit. Die Regierung geht in einer ersten Schätzung von Schäden in Höhe von drei bis fünf Milliarden US-Dollar aus.

Bei der internationalen Geberkonferenz für Libanon sind 252,7 Millionen Euro Soforthilfe zusammengekommen. Das berichteten Kreise des französischen Präsidialamtes nach einer Videoschalte. "Deutschland alleine wird sich mit 20 Millionen Euro zusätzlich beteiligen", sagte Bundesaußenminister Heiko Maas im ZDF.

Was wir nicht wissen

Die genaue Ursache für die Explosionskatastrophe ist weiterhin unklar.

Eine sehr große Menge Ammoniumnitrat könnte nach Einschätzung des libanesischen Ministerpräsidenten Hassan Diab die Detonation in Beirut verursacht haben. Rund 2.750 Tonnen des Stoffs habe seit 2014 in einer Lagerhalle am Hafen von Beirut gelagert. Ammoniumnitrat wird für die Herstellung von Düngemitteln und Sprengstoffen genutzt und ist hochexplosiv.

Es werde untersucht, ob es sich um einen Unfall oder einen Eingriff von außen handele, teilte das Präsidialamt am Freitag mit. Auch ein Raketenangriff oder ein Bombenanschlag werde demnach nicht ausgeschlossen,

In Sicherheitskreisen war zuletzt von Untätigkeit und Fahrlässigkeit bei der Lagerung des explosiven Materials die Rede. In diesem Zusammenhang waren am Donnerstag auch mehrere Hafenmitarbeiter festgenommen worden, darunter Sicherheitskreisen zufolge auch der Hafenchef.

Der Stoff soll von dem moldawischen Frachtschiff "Rhosus" stammen, das auf dem Weg von Georgien in Richtung Mosambik aufgrund von Treibstoffengpässen Beirut ansteuern musste. Das Ammoniumnitrat sei dann in Beirut zwischengelagert worden.

Eine Einschätzung, wie es zu der Explosion kommen konnte, liefert ZDF-Korrespondent Ulrich Gack.

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Die libanesische Regierung hat eine internationale, unabhängige Expertenkommission mit der Untersuchung der Katastrophe betraut. Unabhängig deswegen, da die Bevölkerung Libanons wenig Vertrauen in ihre politischen Vertreter steckt, erklärt ZDF-Nahost-Experte Uli Gack.

Die Bevölkerung misstraut der Regierung, das hat auch Einfluss auf die Ermittlungen. ZDF-Korrespondent Uli Gack berichtet.

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Themenseite: Beirut

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