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Oppositionsführerin in Belarus - "Wir spüren die Unterstützung von Europa"

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Maria Kalesnikawa ist die dritte Frau der Oppositionsspitze in Belarus. Sie will im Land bleiben und für Reformen kämpfen. Im ZDF spricht sie über ihre Erwartungen an die EU.

Maria Kalesnikava ist Oppositionspolitikerin in Belarus und trat gegen Machthaber Lukaschenko an. Nun fordert sie ein Ende der Gewalt und will einen Dialog mit Lukaschenko beginnen. Westliche Sanktionen gegen ihn seien noch zu früh.

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ZDF: Muss man sich Sorgen um Sie und Ihre Sicherheit machen?

Maria Kalesnikawa: Ich fühle mich komplett in Sicherheit und glaube, Sie müssen sich keine Sorgen machen.

ZDF: Aber Sie sind eine Stimme der Opposition, die in den Straßen von Minsk und in anderen Städten von Belarus zusammengeprügelt wird, was gibt Ihnen da dieses Gefühl von Sicherheit?

Kalesnikawa: Natürlich spüren wir in den letzten drei Monaten immer sehr viel Druck, aber die Stimmen des belarussischen Volks selbst geben mir die Sicherheit und die Kraft. Ich fühle mich auch einfach dadurch stark, dass wir die Stimme des belarussischen Volks sind und dass wir alle zusammen sind.

ZDF: Man kann sich vorstellen, dass dieses triumphale Ergebnis von Herrn Lukaschenko bei der Wahl, nämlich 80 Prozent, eine grobe Fälschung ist. Aber was gibt Ihnen die Gewissheit, dass tatsächlich Ihre Kandidatin gewonnen hat?

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Kalesnikawa: Es gibt mehrere Sachen, die man als Beweise betrachten kann. Wir sind zum Beispiel seit mehreren Wochen mit meinen Kolleginnen in ganz Belarus unterwegs gewesen, und wir hatten viele Treffen mit dem belarussischen Volk aus verschiedenen großen und kleinen Städten, und wir haben diese Unterstützung gesehen und waren natürlich selbst sehr verwundert.

Das stimmt schon, es war eine Überraschung, dass wir so eine riesige Unterstützung von den Leuten gespürt haben, und wir haben gesehen, wie viele tausend Leute in die Städte - egal ob klein oder groß - gekommen sind und, dass sie uns gemocht haben. Es blieb die ganze Zeit so und wurde noch mehr. Wenn ich auf die Straße gehe, kommen die Leute einfach zu mir, sie umarmen mich, sie sagen mir unterstützende Worte. Und deshalb ist es natürlich einfach so ein starkes Gefühl.

ZDF: Was ist denn Ihr politisches Ziel, jetzt, in einer Phase, in der sie ja nicht die Anführerinnen einer Revolution sind, sondern das völlig dezentral und verteilt ist.

Kalesnikawa: Die Proteste, die jetzt stattfinden in ganz Belarus, die sind komplett dezentralisiert, die finden nicht nur in Minsk statt, sondern im ganzen Land, in jeder kleineren oder größeren Stadt, in allen Gebieten. Zum Beispiel heute war es schon ein sehr beeindruckendes Gefühl, im Museum, in der Philharmonie, in Fabriken: Die Leute sind einfach rausgegangen aus diesen Institutionen, alle zusammen und solidarisch. Natürlich war es auch unser Ziel, die Leute zu vereinen, damit wir uns als ein Volk fühlen und, dass wir zusammen eine neue Zukunft aufbauen möchten.

ZDF: Morgen beraten die Außenminister der EU über Belarus, welche Hoffnungen haben Sie?

Kalesnikawa: Wir spüren schon, dass die Unterstützung von Europa sehr stark ist, und wir sind sehr dankbar dafür. Es ist sehr wichtig für uns. Jetzt in dieser schwierigen Zeit für Belarus und für uns alle, ist uns wichtig, diese Gewalt zu stoppen.

In den letzten drei Tagen sind mehr als 6.000 Leute ins Gefängnis gekommen, das ist seit 26 Jahren noch nie passiert. Die Gewalt war noch nie so hoch und so brutal, und natürlich machen wir selbst alles, um das zu stoppen. Uns ist es ganz wichtig, einen Dialog anzufangen mit der Regierung, es wäre uns wichtig gemeinsam einen Dialog zu starten. Das ist für uns jetzt Ziel Nummer Eins.

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ZDF: Nun habe ich noch nicht verstanden, welche konkreten Aktionen Sie sich von Europa erwarten?

Kalesnikawa: Wir erwarten Unterstützung und die bekommen wir auch schon, das ist für uns sehr wichtig. Es ist vielleicht noch zu früh, um über Sanktionen zu reden, aber sicher ist, dass wir Belarussen das Ergebnis der Wahl nicht anerkennen.

Natürlich, wenn Europa uns dabei unterstützen würde, könnten wir zeigen, warum wir sie nicht anerkennen und es wäre eine mögliche Solidarität mit uns.

Das Interview führte Claus Kleber im ZDF heute journal. Dem @heutejournal auf Twitter folgen.

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