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Belarus-Autorin Alexijewitsch - "Terror gegen das eigene Volk"

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Literaturnobelpreisträgerin Alexijewitsch hat Präsident Lukaschenko zum Dialog mit den Bürgern aufgerufen. Was derzeit geschehe, sei jedoch Terror gegen das Volk in Belarus.

Swetlana Alexijewitsch am 09.09.2020 in Minsk
Autorin Swetlana Alexijewitsch wendet sich auch an russische Intellektuelle: Warum helft Ihr den Belarussen nicht?
Quelle: dpa

Angesichts der Proteste gegen die Regierung in Belarus hat die prominente Autorin Swetlana Alexijewitsch Präsident Alexander Lukaschenko aufgerufen, mit der Bevölkerung in Dialog zu treten.

Alexijewitsch: "Die Straße ist das Volk"

"Lukaschenko sagt, dass er nicht mit der Straße sprechen wird. Aber die Straße ist das Volk. Das sind Lehrer, Ärzte, IT-Spezialisten - Menschen aus allen Schichten", die Tag für Tag protestieren, sagte die 72-Jährige mehreren Medienvertretern in Minsk, unter anderem auch dem ZDF. Dieser Hochmut der Herrschenden werde zu einer Spaltung der Gesellschaft führen.

Einen Tag lang galt die Oppositionelle Kolesnikowa als vermisst. Nun sagt der Grenzschutz in Belarus, er habe sie festgenommen. ZDF-Korrespondent Semm erklärt, was dahinter steckt.

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Alexijewitsch ist das einzige Mitglied des sogenannten Koordinierungsrats der Zivilgesellschaft für einen friedlichen Machtwechsel, das noch in Freiheit ist. Vor ihrer Wohnung im Zentrum von Minsk versammelten sich am Dienstag Journalisten, weil befürchtet wurde, dass Alexijewitsch ebenfalls festgenommen wird. Die Schriftstellerin berichtete, dass sie seit Wochen verfolgt werde. Unbekannte klingelten oft an ihrer Tür.

Wie die meisten anderen Mitglieder des Rats war auch Alexijewitsch kürzlich zur Vernehmung vorgeladen worden. Sie beklagte, dass am heutigen Mittwoch ihr Präsidiumskollege, der Anwalt Maxim Snak, festgenommen wurde. Zuvor waren die Oppositionelle Maria Kolesnikowa und andere verhaftet worden. Kolesnikowa ist wieder in Minsk - in Untersuchungshaft. Zwei Präsidiumsmitglieder haben das Land auf Druck der Behörden verlassen.

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Autorin: Es geht nicht um Umsturz in Belarus

"Erst haben sie uns das Land gestohlen, jetzt greifen sie die Besten von uns auf", so Alexijewitsch. Aber es kämen Hunderte andere an ihrer Stelle. Das Land bäume sich auf gegen den Machtapparat. Es gingen auch Menschen mit kleinen Kindern auf die Straße, weil sie fest vom Sieg überzeugt seien.

Wir wollten keine Spaltung in unserem Land. Wir wollten, dass in der Gesellschaft ein Dialog beginnt.
Swetlana Alexijewitsch

Das Vorgehen Lukaschenkos nannte Alexijewitsch "Terror gegen das eigene Volk". Dabei gehe es bei den Protesten nicht um einen Umsturz, wie von Lukaschenko behauptet. "Es geht darum, dass die Herrschenden Verhandlungen mit der Gesellschaft beginnen müssen."

Appell an russische Intellektuelle

Zugleich appellierte die Nobelpreisträgerin an Intellektuelle in Russland, den "Volkswillen" in Belarus zu unterstützen. "Wo seid Ihr denn? Warum helft Ihr nicht meinem kleinen Volk, seine Würde und sein Land zu bewahren?", sagte Alexijewitsch. Sollte Russland versuchen, sich Belarus einzuverleiben, würden die Russen zwar Land gewinnen, aber ihre Brüder verlieren.

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von Oliver Klein
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