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Lukaschenkos Auftragsmorde - Mitschnitt belastet Belarus-Geheimdienst

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Ein heimlich mitgeschnittenes Gespräch zwischen belarussischen KGB-Offizieren belegt Anschlagspläne des Lukaschenko-Regimes auf Gegner im Ausland. Die Aufnahme liegt Frontal21 vor.

Archiv, Belarus, Minsk: Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus, nimmt an der belarussischen Volksversammlung teil.
Gesprächsprotokolle belasten Lukaschenkos Geheimdienste. (Archivbild)
Quelle: dpa

Die Anweisung zu den Mordplänen soll direkt von Präsident Alexander Lukaschenko gekommen sein, das legt die Tonaufnahme von 2012 nahe. "Der Präsident erwartet klare Maßnahmen, die der KGB ausführen soll", sagt der damalige belarussische KGB-Chef Saizew. "Die Methoden sind klar: Wer soll wo ertränkt oder erschossen werden? Dafür gibt es mehr als anderthalb Millionen Dollar auf einem Spezialkonto."

Autobombe tötet Exil-Journalisten

Tatsächlich wurde im Juli 2016 der belarussische Journalist Pawel Scheremet im Exil in Kiew durch eine Autobombe getötet. Seine Ermordung wurde bei dem Gespräch im KGB vier Jahre zuvor geplant. Im Mitschnitt sagt KGB-Chef Saizew:

Wir sollten uns mit Scheremet beschäftigen, dieser Nervensäge.
Wadim Saizew

"Wir zünden eine Bombe, und diese verfluchte Ratte wird in Stücke gerissen." Eine Bombe zu zünden, "ist überhaupt kein Problem", antwortet ein KGB-Offizier, der sich Jura nennt. Neben Scheremet sollten drei weitere Dissidenten ermordet werden, darunter der im deutschen Exil lebende Regimekritiker Oleg Alkajew.

"Lukaschenko wird natürlich abtreteten. Das ist eine Frage der Zeit", sagt die Oppositionspolitikerin Swetalana Tichanowskaja. Ab März hat sie in Belarus landesweite Proteste angekündigt.

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2 min
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Ein Mitschnitt der Mordpläne wurde Igor Makar zugespielt. Makar war Offizier der belarussischen Antiterroreinheit Almaz. 2006 wechselte er die Seite und lebt seitdem in Litauen im Exil. "Ich hörte, dass sie über meinen Freund Oleg Alkajew sprachen", berichtet Makar gegenüber Frontal21.

"Sie planten seine Ermordung, jemand sollte deshalb nach Deutschland fahren." Tatsächlich ist auf dem Mitschnitt die Stimme eines KGB-Offiziers zu hören, der sich in die Dissidentenszene in Deutschland einschleusen wollte: "Ich fahre hin als Opfer des Regimes. Das ist ziemlich leicht. Ich besorge mir eine Einladung, bekomme ein Visum und fahre los."

Anschlagspläne auch in Deutschland

Der in Berlin lebende Alkajew wurde daraufhin unter Polizeischutz gestellt. Er glaubt, dass das Regime in Minsk weiterhin an den Mordplänen festhält: "Wo ist die Garantie, dass das Thema Auftragsmorde ad acta gelegt wurde? Im Gegenteil! Die Lage in Belarus hat sich total verschärft. Das Risiko ist da. Es gibt so viele Möglichkeiten, jemanden umzubringen", sagt Alkajew im Interview mit Frontal 21.

Der Audiomitschnitt legt nahe, dass Dissidenten auch mit Gift getötet werden sollten. "In Witebsk gibt es einen Amateur-Chemiker, der behauptet, jede Chemikalie herstellen zu können. Und wenn man ihm Größe und Gewicht einer Person nennt, kann er die passende Substanz liefern", ist KGB-Mann Jura zu hören.

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Beitragslänge:
37 min
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Der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter, Vorsitzender des Bundestagsgremiums zur Kontrolle der Geheimdienste, traut dem Lukaschenko-Regime weiterhin politische Mordanschläge im Ausland zu. "Gerade ein System im Todeskampf und Diktatoren im Endkampf sind hochgefährlich. Und Lukaschenko zeigt ja auch, dass er einen Krieg gegen die eigene Bevölkerung führt", sagt Kiesewetter zu Frontal 21. "Die Gefahr besteht, dass er im Ausland versucht, mit langem Arm gezielt zu töten."

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