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314 Frauen in Minsk festgenommen

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Protest gegen Lukaschenko - 314 Frauen in Minsk festgenommen

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Wieder gehen die Frauen in Belarus auf die Straße, protestieren gegen "Europas letzte Diktatur". Wieder gibt es zahlreiche Festnahmen. Auch ein bekanntes Gesicht ist dabei.

Junge Frau mit Mundschutz wird von zwei maskierten Polizisten abgeführt
Eine Demonstrantin in Minsk wird von Polizisten abgeführt.
Quelle: epa

Bei der neuen Protestaktion von Frauen in Belarus gegen Staatschef Alexander Lukaschenko hat es nach Angaben von Menschenrechtlern mehr als 300 Festnahmen gegeben. Das Bürgerrechtsportal spring96.org veröffentlichte die Namen von 314 Frauen, die bei der Aktion in der Hauptstadt Minsk in Gewahrsam gekommen seien.

Die Zahl war etwa doppelt so hoch wie bei den Protesten am Samstag vor einer Woche, als maskierte Uniformierte das erste Mal überhaupt mit brutaler Gewalt gegen die friedlichen Demonstrantinnen vorgegangen waren. Dabei gab es vor einer Woche auch Verletzte.

73-jährige Veteranin der Protestbewegung festgenommen

Trotz Gewaltandrohung durch die Polizei versammelten sich wieder zahlreiche Frauen in Minsk. "Wir vergessen nicht! Wir vergeben nicht!" und "Lukaschenko in den Gefangenentransporter" skandierten sie. An mehreren Stellen standen Gefangenentransporter bereit. Als die Uniformierten zugriffen, schrien die Frauen laut und riefen "Schande".

Auch die 73 Jahre alte Nina Baginskaja, eine Veteranin der Protestbewegung und eine seit ihrem Kampf gegen die Kommunisten zu Sowjetzeiten bekannte Dissidentin, wurde in einen Transporter gezwungen.

Seit der Präsidentenwahl am 9. August kommt es in Belarus täglich zu Protesten. Die Demonstrantinnen fordern Neuwahlen ohne Lukaschenko, die Freilassung aller politischen Gefangenen und die strafrechtliche Verfolgung der Polizeigewalt. Die Polizei hatte wie täglich gewarnt, dass die Straßenaktionen nicht genehmigt seien. Erlaubt werden nur Kundgebungen von Unterstützern Lukaschenkos, die aber kaum Zulauf haben.

Staatschef Lukaschenko wollte vorerst die Grenzen zu EU-Ländern nicht schließen, jetzt drohen Grenzschließungen zu Polen und Litauen.

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Tichanowskaja lobt Mut der Frauen

Die Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja, die viele für die wahre Wahlsiegerin halten, lobte aus ihrem Exil in der EU den Mut der Frauen:

Sie gehen, obwohl ihnen ständig Angst gemacht und Druck auf sie ausgeübt wird.

Zugleich warf sie der Regierung Lukaschenkos einen neuen Tiefpunkt vor, in dem es nun auch Kinder instrumentalisiere.

Die Behörden hatten den sechsjährigen Sohn der Minsker Aktivistin Jelena Lasartschik am Freitag in ein Heim gesteckt. Hunderte Menschen forderten am Samstag vor der Einrichtung, den Eltern ihren Sohn zurückzugeben. Lasartschik verließ mit dem Kind am Vormittag das Heim - unter "Hurra"-Rufen und Applaus der Menge.

Polen entrüstet: Lukaschenko nutzt Kinder als "politische Geiseln"

Schockiert reagierte der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki auf diesen Vorfall. Wieder nutze die Führung des Landes Kinder als "politische Geiseln". Die Praxis ist bekannt aus kommunistischen Zeiten der Sowjetunion, als versucht wurde, den politischen Willen von Frauen auf diese Weise zu brechen. "Diese Barbarei muss aufhören", schrieb der polnische Politiker bei Twitter.

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Im Wahlkampf hatte auch Tichanowskaja berichtet, dass ihr gedroht worden sei, ihre Kinder zu verlieren. Sie hatte Sohn und Tochter daraufhin in das benachbarte EU-Nachbarland Litauen bringen lassen. Auch ihre Mitstreiterin Viktoria Zepkalo hatte ihre Kinder auf diese Weise vor dem Zugriff der Behörden geschützt.

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