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Trotz Drohungen der Regierung - Zehntausende gegen Lukaschenko - Festnahmen

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Trotz Warnungen haben in Belarus Zehntausende gegen den autoritären Staatschef Lukaschenko protestiert. Hunderte wurden festgenommen - ein Ende der Demos ist nicht in Sicht.

Der Widerstand zigtausender Belarussen ist seit der Präsidentschaftswahl ungebrochen. Präsident Lukaschenko antwortet mit Panzern und Polizeigewalt auf den friedlichen Protest

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Trotz eines massiven Polizeiaufgebots haben in Belarus erneut zehntausende Menschen gegen den autoritär regierenden Staatschef Alexander Lukaschenko demonstriert, den vierten Sonntag in Folge. In einigen Berichten war von mehr als 100.000 Teilnehmern die Rede.

In Minsk ließen die Behörden am Sonntag Soldaten aufmarschieren, Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge auffahren und U-Bahnstationen schließen - dennoch versammelten sich Anhänger der Opposition wieder zu Massenprotesten im Zentrum der Hauptstadt. Genaue Zahlen lagen zunächst nicht vor. Rund 250 Demonstranten wurden nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Viasna festgenommen.

Zwei riesige Protestzüge zu Lukaschenkos Residenz

Mit rot-weißen Fahnen und Plakaten zogen die Demonstranten, darunter Familien mit Kindern, Studenten, katholische Priester und Sportler, durch die Straßen der Hauptstadt. Eine Band sorgte für Musik, einige Demonstranten tanzten. In zwei riesigen Demonstrationszügen zogen die Menschen zu Lukaschenkos Residenz im schwer bewachten Palast der Unabhängigkeit.

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"Wie viel zahlen sie euch?", riefen sie den Sicherheitskräften zu. Einige Demonstranten ließen sich zu spontanen Picknicks vor Polizeiabsperrungen und Wasserwerfern nieder. Zuvor hatte Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja aus ihrem Exil in Litauen ihre Anhänger dazu aufgerufen, am "Marsch der Einheit" teilzunehmen. In einer Videobotschaft sagte sie:

Denkt daran, dass wir stark sind, solange wir vereint sind.
Swetlana Tichanowskaja

Seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl am 9. August demonstrieren die Menschen in Belarus gegen den seit 26 Jahren autoritär regierenden Lukaschenko. An den drei Sonntagen zuvor gingen in Minsk jeweils mehr als 100.000 Menschen auf die Straße. An diesem Sonntag war die Menschenmenge nach Einschätzung von Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP sogar noch größer. Die Tichanowskaja-Vertraute Maria Kolesnikowa sagte:

Trotz des Regen, des Drucks und der Repression sind viel mehr Menschen als am vergangenen Sonntag nach Minsk gekommen.
Maria Kolesnikowa

Auch in vielen anderen Städten in Belarus gab es am Sonntag wieder Proteste. In Grodno an der Grenze zu Polen kam es dabei zu Zusammenstößen mit der Polizei. Die Demonstranten werfen der Regierung massiven Betrug bei der Wahl vor, die Lukaschenko nach offiziellen Angaben mit 80 Prozent der Stimmen gewonnen hatte. Die Sicherheitsbehörden gingen hart gegen die Proteste vor, in den Wochen nach der Wahl wurden tausende Menschen festgenommen.

Nach Tausenden von Festnahmen bei Protesten gegen Präsident Lukaschenko in Belarus sind mehr als 2000 Menschen freigelassen worden. Einige Opfer berichten von schwersten Misshandlungen. Die Situation droht zu eskalieren.

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Auch am Sonntagabend gab es wieder Bilder von vermummten und mit Schlagstöcken bewaffneten Männern, die im Stadtzentrum von Minsk Jagd auf Demonstranten machten. Nach Angaben von Viasna wurden rund 250 Menschen festgenommen, davon fast 175 in Minsk. Das Innenministerium wollte die Angaben nicht bestätigen. Bereits am Samstag waren etwa 4.000 Demonstranten durch Minsk gezogen. Dabei wurden nach Angaben des Innenministeriums über 90 Menschen festgenommen.

Oppositionspolitikerin Kowalkowa erst bedroht und dann nach Polen verbracht

Unterdessen musste die belarussische Oppositionspolitikerin Olga Kowalkowa nach Polen fliehen. Kowalkowa, die dem Wahlkampfteam von Tichanowskaja angehört hatte, sagte am Samstag in Warschau, sie sei nach ihrer Festnahme in der vergangenen Woche von belarussischen Sicherheitskräften bedroht und dann zur polnischen Grenze gebracht worden.

Nach eigenen Angaben wurde Kowalkowa mit einem Auto des belarussischen Geheimdienstes KGB vom Gefängnis zur polnischen Grenze gebracht. Sie habe in dem Auto am Boden liegen müssen und sei am Grenzübergang Kusnica Bialostocka freigelassen worden. Dort habe sie ein polnischer Busfahrer mitgenommen.

Maas fordert Lukaschenko zu Dialog mit Opposition auf

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) forderte in einem Interview Lukaschenko auf, sich endlich bereit für einen Dialog mit der Opposition zu zeigen. Maas sagte der "Bild am Sonntag":

Ich fordere von Lukaschenko, dass er mit der Opposition verhandelt, dass die Wahl wiederholt wird, dass Lukaschenko sofort damit aufhört, friedliche Demonstranten einzusperren und zu misshandeln, dass er die Menschenrechte und die Pressefreiheit achtet.
Heiko Maas, Außenminister

Mit Blick auf die von der EU beschlossenen Sanktionen gegen Belarus sagte der Außenminister: "Diese setzen wir jetzt um. Wenn Lukaschenko nicht reagiert, wird es weitere Sanktionen geben."

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