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Tichanowskaja beansprucht den Sieg

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Wahl in Belarus - Tichanowskaja beansprucht den Sieg

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Swetlana Tichanowskaja wollte nie Präsidentin werden - doch nun hat sie sich selbst zur Siegerin der Wahl in Belarus erklärt. Sie bietet Präsident Lukaschenko weiter die Stirn.

Archiv, Belarus, Minsk: Swetlana Tichanowskaja, Kandidatin bei der Präesidentenwahl in Belarus und Ehefrau des prominenten inhaftierten Bloggers Tichanowski.
Archiv, Belarus, Minsk: Swetlana Tichanowskaja, Kandidatin bei der Präesidentenwahl in Belarus und Ehefrau des prominenten inhaftierten Bloggers Tichanowski.
Quelle: dpa

Bis Mai war die ehemalige Übersetzerin eine Unbekannte, im Wahlkampf wurde Swetlana Tichanowskaja zur stärksten Konkurrentin von Amtsinhaber Alexander Lukaschenko.

Und auch nachdem sich der langjährige autokratische Herrscher zum Sieger des Urnengangs erklären ließ, gab Tichanowskaja nicht klein bei: Sie forderte am Montag den Rückzug von Lukaschenko und erklärte selbstbewusst:

Ich betrachte mich selbst als die Gewinnerin dieser Wahl.

Die Wahl in Belarus behauptet Langzeit-Machthaber Lukaschenko gewonnen zu haben. Proteste dagegen sieht er vom Ausland gesteuert und lässt sie niederschlagen. Und doch gehen, wie schon in der vergangenen Nacht, wieder Tausende auf die Straße.

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Tichanowskaja: Kandidatur aus Liebe

Dabei ging es der 37-Jährigen zumindest anfangs nicht um die Macht. "Jeder weiß, wie ich hier gelandet bin: Aus Liebe zu meinem Mann", sagte Tichanowskaja. "Ich mache weiter, was er angefangen hat." Ihr Mann, der bekannte 41-jährige Youtuber Sergej Tichanowski, war im Mai festgenommen worden. Die Behörden warfen ihm Gewalt gegen einen Polizeibeamten vor.

Die Wahlkommission belegte ihn mit einem Kandidaturverbot. Dies rief seine Frau, die zuletzt vor allem Hausfrau und Mutter war, auf den Plan. Die ausgebildete Englisch- und Deutschlehrerin kandidierte statt ihres Mannes - und nahm dafür viel in Kauf. Denn unter dem seit 1994 amtierenden Lukaschenko gehen die Behörden massiv gegen die Opposition vor.

Oppositionsproteste brutal niedergeschlagen

Einen Tag vor der Wahl wurden auch zwei enge Vertraute von Tichanowskaja festgenommen - und am Abend des Urnengangs ließen die Sicherheitskräfte alle Zurückhaltung fallen: Brutal schritten sie gegen demonstrierende Oppositionsanhänger ein, landesweit wurden nach Angaben der Regierung rund 3.000 Menschen festgenommen.

Das offizielle Ergebnis - 80 Prozent für Lukaschenko und zehn Prozent für Tichanowskaja - mag kaum jemand glauben. Auch die Bundesregierung erklärte in Berlin, sie habe "große Zweifel" an dem Resultat; die Berichte über Wahlfälschungen seien "glaubhaft".

Dazu ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa.

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Opposition fordert Wahlsieg ein

Anschließend gingen unzählige Menschen auf die Straße, um für Tichanowskaja und gegen den Wahlbetrug zu demonstrieren. Tichanowskaja, die sich als "ganz normale Frau und Mutter" gibt, ist ganz klar zur Symbolfigur des Widerstands geworden. Trat sie zu Beginn noch zögerlich und unsicher auf, hat sie mittlerweile ihren Ton gefunden.

Und ihren wenigen, übersichtlichen Zielen konnten viele Belarussen folgen: ihren Mann und andere Oppositionelle befreien, ein Verfassungsreferendum abhalten und freie Wahlen ansetzen.

Nun fordert sie ihren Wahlsieg ein: Ihre Landsleute hätten "ihre Angst, ihre Apathie und ihre Unentschlossenheit überwunden" und sie zur Wahlsiegerin gemacht, sagte die 37-Jährige vor Journalisten in Minsk. Die Regierung müsse darüber nachdenken, "wie sie die Macht friedlich an uns übergeben kann".

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