ZDFheute

So soll das neue Abkommen den Krieg beenden

Sie sind hier:

Frieden in Bergkarabach? - So soll das neue Abkommen den Krieg beenden

Datum:

Gebietsgewinne für Aserbaidschan, Friedenstruppen aus Russland und gewalttätige Proteste in Armenien. Das neue Abkommen zum Ende des Bergkarabach-Kriegs bringt viele Veränderungen.

In Berg-Karabach gilt eine Waffenruhe, die von russischen Soldaten gesichert werden soll. Russland hat damit seine Position im Südkaukasus geschickt ausgeweitet, berichtet Korrespondentin Phoebe Gaa.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Nach sechs Wochen intensiver Kämpfe ist der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach wahrscheinlich entschieden. Beide Nationen und Russland unterzeichneten am Montagabend einen ab Dienstag gültigen Waffenstillstand.

Warum kommt das Abkommen jetzt?

Am Sonntag verkündete Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew die Eroberung der Stadt Schuscha in der Region Bergkarabach. Damit war der militärische Ausgang des Konflikts klar: Armenische Truppen hätten innerhalb kurzer Zeit auch die Kontrolle über die restlichen umstrittenen Gebiete verloren.

Hinter den Kulissen liefen bereits seit Wochen Verhandlungen unter der Vermittlung Russlands. Zwei vereinbarte Waffenruhen waren zwar gescheitert, nun sind die Rahmenbedingungen aber andere und das Abkommen könnte halten, sofern es in Armenien keine grundlegenden politischen Umbrüche gibt.

Nach sechs Wochen Krieg in der Kaukasus-Region Berg Karabach haben sich Armenien und Aserbaidschan auf eine Waffenruhe verständigt. Doch die Lage bleibt explosiv, denn Armenien verliert an Einfluss und Bevölkerungsteile reagieren mit wütenden Protesten.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Was beinhaltet das neue Abkommen?

Für Aserbaidschan ist das Abkommen ein Erfolg. Armenien wird darin aufgefordert, in mehreren Schritten verbleibende Truppen aus zahlreichen Gebieten abzuziehen. Betroffen sind Teile von Bergkarabach selbst, vor allem aber die umliegenden Provinzen.

Nach Ansicht des UN-Sicherheitsrats gehören diese völkerrechtlich zu Aserbaidschan, wurden jedoch in Folge eines Krieges zwischen 1992 und 1994 von Armenien besetzt. Stepanakert, die Hauptstadt der Region Bergkarabach, soll gemäß der neuen Vereinbarung weiterhin unter Kontrolle der von Armenien gestützten Lokalregierung verbleiben. Damit wird Bergkarabach künftig komplett von aserbaidschanischem Gebiet umschlossen sein. Bei einem erneuten Konflikt zwischen beiden Staaten hätte Aserbaidschan automatisch eine dominante Position.

Karte: Armenien Bergkarabach
Die Region um Bergkarabach (gelb) sowie ein Teil von Bergkarabach selbst (grau) sollen nun an Aserbaidschan fallen.
Quelle: ZDF

Wer kontrolliert die Einhaltung?

Rund 2.000 russische Soldaten sollen die Einhaltung des Vertrages überwachen. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums waren seit Montag bereits 15 Transportflugzeuge mit Truppen und Fahrzeugen via Armenien unterwegs nach Bergkarabach.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Formell soll auch die Türkei als wichtigster Partner Aserbaidschans an dieser Mission beteiligt sein, ob die Türkei aber auch eigene Truppen für diese Friedensmission stellen wird, ist bislang unklar. Türkischen Einfluss in der Region nicht anwachsen zu lassen, ist ein Anliegen des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Laut dem Vertrag sollen die russischen Truppen für zunächst fünf Jahre vor allem nahe der strategisch wichtigen Stadt Lachin stationiert bleiben. Dort verläuft die bald einzige Versorgungsstraße zwischen Armenien und Bergkarabach. Umgekehrt soll auch eine neue Straße hin zur aserbadschanischen Exklave Nachtschiwan über armenisches Gebiet gebaut werden.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Was sind die Folgen für die Zivilbevölkerung in Bergkarabach?

In den Tagen vor dem Abkommen sind bereits Tausende armenische Zivilisten vor den aserbaidschanischen Streitkräften aus Bergkarabach geflohen. Das neue Vertragswerk belässt aber Teile der Region unter armenischer Kontrolle. Darum bleibt die Hoffnung, dass trotz der großen Gebietsverluste Armeniens es nicht zu einer kompletten und dauerhaften Vertreibung der gesamten armenischen Bevölkerung aus Bergkarabach kommt.

Beide Seiten hatten in den vergangenen Wochen immer wieder zivile Ziele angegriffen, auch Kampfdrohnen und Raketenartillerie kamen dabei zum Einsatz. Nach russischen Angaben starben bis Mitte Oktober rund 5.000 Menschen durch den Konflikt. Die beiden Konfliktparteien vermeldeten mindestens tote 145 Zivilisten.

Nach Wochen heftiger Kämpfe steht der Krieg um Bergkarabach an einem entscheidenden Punkt. Aserbaidschans Präsident Alijew hat die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Schuschi durch seine Truppen verkündet.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Welche innenpolitischen Folgen hat das Abkommen in beiden Staaten?

Während in Aserbaidschans Hauptstadt Baku Menschen mit Autokorsos feierten, war die Stimmung in Armenien angespannt. Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan nannte das Abkommen "unaussprechlich schmerzhaft für mich persönlich und für unser Volk". Er bezeichnete die Lösung als die beste Option, angesichts der militärischen Lage. "Hätten wir weiter gekämpft, hätten wir innerhalb von Tagen gesamt [Bergkarabach] verloren", so Paschinjan.

Am Abend stürmten wütende Demonstranten Regierungssitz und Parlament in Eriwan und forderten eine Fortsetzung des Krieges. Parlamentssprecher Ararat Mirzoyan wurde von Angreifern schwer verletzt.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Armenien wie Aserbaidschan hatten in dem Konflikt intensiv auf nationalistische Propaganda gesetzt, der Krieg fand in beiden Ländern bis zuletzt breite Unterstützung in der Bevölkerung. Demonstranten bezeichneten Premierminister Paschinjan als "Verräter". Ob er den verlorenen Krieg innenpolitisch überstehen wird, und ob sich auch eine neue Regierung an das Abkommen gebunden fühlt, ist unklar.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.