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Wodka, Kippen und Corona

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Sperrstunde in Berlin - Wodka, Kippen und Corona

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Seit Freitag um Mitternacht gilt die Sperrstunde in Berlin. Sie soll ein Mittel sein gegen die explodierenden Infektionszahlen. Doch kann das funktionieren?

Menschen stehen vor einer Bar bei Nacht.
Trotz Sperrstunde und Regen stehen die Menschen weiter vor den Bars.
Quelle: Nils Hagemann

Samstag, 0:01 Uhr, eine Bar in Berlin Mitte. Über die alten Musikboxen klirrt "Happy Birthday" von Stevie Wonder. Drei junge Männer liegen sich in den Armen und grölen mit. Irgendjemand hat Geburtstag. Es riecht nach Schweiß, Rauch und Bier.

In der kleinen Bar am Rosenthaler Platz wird gefeiert. Dicht an dicht drängeln sich die Barbesucher. "Tschuldigung", eine junge Frau im schwarzen Kleid presst sich an den Feiernden vorbei zur Toilette. "Tschuldigung." Sie ist betrunken. Wie alle anderen in der Bar trägt sie keine Maske.

Wie der Berliner Senat Corona in den Griff bekommen will

Eigentlich gilt ab jetzt die Sperrstunde in Berlin. Restaurants, Bars und Spätis müssen geschlossen sein. Berlin ist Risikogebiet. "Die Zeiten der Geselligkeit sind vorbei", sagte Gesundheitsministerin Dilek Kalayci dem rbb. Die Sperrstunde ist eine der Maßnahmen, wie der Senat die rapide steigenden Infektionszahlen in den Griff bekommen will.

Feiernde stehen vor einem Späti und trinken.
Viele Spätis haben trotz Sperrstunde geöffnet.
Quelle: Nils Hagemann

Für Berlin ein drastischer Schritt. Denn seit dem Zweiten Weltkrieg gilt Berlin als die Stadt ohne Sperrstunde. Damals sehr unüblich, denn eine Sperrstunde galt als normal. In Berlin wird sie am 13. Dezember 1945 von den Sowjets aufgehoben, um das kulturelle Leben zu befeuern. Kurz darauf zieht der Westen nach, etwas später wird auch dort die Sperrstunde abgeschafft.

Erst Jahrzehnte später schließen sich andere Städte dem Berliner Vorbild an und schaffen die Sperrstunde ab. Jetzt, 2020, ist sie zurück - durch Corona.

Auf Berlins Straßen wird weiter gefeiert

Auf dem Rosenthaler Platz wird es jetzt voller. Einige wenige Bars in der Umgebung haben wohl doch geschlossen und die Gäste auf die Straße geschickt. Für einige ein willkommener Location-Wechsel, denn die zahlreichen Spätis scheinen von der Sperrstunde nichts zu wissen - oder nichts wissen zu wollen.

Menschen feiern auf dem Rosenthaler Platz.
Dichtes Gedrängel auf den Straßen in Berlin-Mitte
Quelle: Nils Hagemann

"Die beginnt doch erst morgen", schallt es auf Nachfrage in rauem Ton zurück. Man solle lieber den letzten Abend genießen, an dem man noch feiern kann. Und so geht der Party-Abend bei kalten 10 Grad draußen weiter. Für das Offen-Haben trotz Sperrstunde drohen Bußgelder ab 5.000 Euro.

Auf Anfrage teilt die Polizei mit: "Im Rahmen des täglichen Dienstes kontrollierte die Polizei gestern die Einhaltung der neuen Regelungen." Am Rosenthaler Platz, ist das nicht zu sehen. Die Bars, die nicht selbständig schließen, bleiben offen, die meisten Spätis verkaufen weiter Berliner Kindl, Marlboro Gold und Wodka.

Man habe Gewerbetreibende und Gäste sensibilisiert und auf die Regelungslage hingewiesen, so die Polizei weiter. Zahlen, wie viele Bars und Geschäfte in der Nacht von der Polizei kontrolliert oder geschlossen wurden, gebe es noch nicht.

Feiern mit Vorsicht

Ein Polizeiauto mit Blaulicht schießt über den Rosenthaler Platz. Etwas abseits läuft Björn, für den kalten Herbstabend ist sein Hemd etwas zu weit aufgeknöpft. In seiner linken Hand hängt ein Mund-Nasen-Schutz. "Ich fahre jetzt nach Hause", sagt er.

Berlin und Frankfurt haben die Sperrstunde seit Freitagabend eingeführt. Ab 23 Uhr müssen Restaurants und Bars schließen. Nicht alle können das nachvollziehen.

Beitragslänge:
2 min
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Die Bar, in der er war, habe zugemacht. "Wegen der Sperrstunde", schiebt er hinterher. Ob er überlegt, noch weiter feiern zu gehen? "Nein!" Er finde die neuen Regeln ja richtig, "feiern ist ok, aber wenn, dann mit Vorsicht und Abstand". Durch den Alkohol etwas unsicher auf den Beinen geht Björn weiter. Vorbei an den Kleingruppen, die sich vor den Spätis gesammelt haben, vorbei an der ein oder anderen Bar, einfach weiter in Richtung Zuhause.

Berlin ist immer eine Reise wert – in Corona-Zeiten aber ist vieles anders. Im Sightseeing-Bus muss die Maske auf, und wer ins Museum möchte, muss ein Zeitfenster buchen. Doch trotz der Einschränkungen fühlen sich die meisten Touristen sicher.

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