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Telefonat mit Erdogan - Biden setzt auf "konstruktive" Partnerschaft

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In einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Erdogan soll US-Präsident Biden für konstruktive Beziehungen geworben haben. Die beiden Staatschefs planen ein Treffen im Juni.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Archivbild
Die Beziehungen zwischen den USA under der Türkei sind angespannt. Jetzt haben die beiden Staatschefs miteinander gesprochen.
Quelle: Uncredited/Turkish Presidency/AP/dpa

Einen Tag vor der erwarteten offiziellen Einstufung der Massaker an den Armeniern als Völkermord hat US-Präsident Joe Biden mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan telefoniert. Biden warb dabei am Freitag nach Angaben des Weißen Hauses für "konstruktive" Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

Medienberichte: Biden will Massenmorde an Armeniern als Völkermord werten

Die beiden Staatschefs vereinbarten demnach ein bilaterales Treffen am Rande des Nato-Gipfels in Brüssel am 14. Juni. Notwendig sei ein "effektiver Umgang mit Meinungsverschiedenheiten", hob Biden laut Weißem Haus hervor. Die beiden Präsidenten telefonierten vor einer für Samstag erwarteten Erklärung, in der Biden wie während seines Wahlkampfs angekündigt, die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg als Völkermord anerkennen dürfte.

US-Medien hatten zuletzt berichtet, Biden wolle dies als erster US-Präsident offiziell tun. Das dürfte die Beziehungen der USA zum Nato-Partner Türkei erheblich belasten. In der Presseerklärung des Weißen Hauses zum Telefonat zwischen Biden und Erdogan werden die Massaker an den Armeniern nicht erwähnt. Das US-Repräsentantenhaus hatte die Morde bereits im Jahr 2019 als Völkermord eingestuft.

Türkei erkennt Einstufung als Völkermord nicht an

Der 24. April 1915 markierte den Beginn der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich. Schätzungen zufolge wurden damals zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Armenier getötet. Die Türkei wehrt sich gegen die Verwendung des Begriffs Völkermord und spricht von einem Bürgerkrieg, in dessen Verlauf auf beiden Seiten Hunderttausende ihr Leben verloren.

Der Bundestag hatte die Massaker an den Armeniern im Juni 2016 als Völkermord eingestuft. Dies löste eine schwere diplomatische Krise mit der Türkei aus. Im Dezember 2019 erkannte auch der US-Kongress in einem symbolischen Votum die Massaker als Völkermord an.

Armenien: Trauermarsch in Gedenken an Tote

In Armenien erinnerten am Freitagabend rund 10.000 Menschen mit einem Trauermarsch an die Massaker. Sie zogen mit Fackeln durch die Hauptstadt Eriwan zu einem Mahnmal auf einem Hügel. Aktivisten der nationalistischen Partei Daschnaktsutyun, die maßgeblich an der Organisation der Kundgebung beteiligt war, verbrannten Flaggen der Türkei und des Nachbarlands Aserbaidschan.

Die Türkei unterstützt Aserbaidschan mit Waffenlieferungen im Bergkarabach-Konflikt, der vergangenes Jahr in einem bewaffneten Konflikt eskalierte.

Im Konflikt mit Aserbaidschan um die Südkaukasusregion Bergkarabach gibt Armenien die Kontrolle über mehr als 120 Ortschaften ab. Teils hatte Armenien die Kontrolle über die Orte zuletzt bei Kämpfen verloren, teils kommt es zu einer kampflosen Übergabe.

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Dass Armenien in der Folge große, jahrzehntelang von ihm kontrollierte Gebiete an Aserbaidschan abtreten musste, wird als nationale Demütigung empfunden.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte Biden diese Woche vor der Einstufung der Massaker als Genozid gewarnt:

Wenn die USA die Beziehungen verschlechtern wollen, ist das ihre Entscheidung.
Mevlüt Cavusoglu

Die Verhältnis der beiden Länder ist auch wegen anderer bereits Streitthemen angespannt.

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von Jan Schüßler
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