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In monogamen Beziehungen - Blutspendeverbot für Schwule soll fallen

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Schwule Männer sollen künftig Blut spenden dürfen - zumindest, wenn sie in monogamen Beziehungen leben. Die Bundesregierung plant nach ZDF-Informationen weitgehende Lockerungen.

Die Bereitschaft in der Bevölkerung zur Blutspende ist im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie spürbar zurückgegangen.

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Wer als schwuler Mann Blut spenden will, muss enthaltsam sein. Ein Jahr lang vor einer Blutspende darf er keinen Sex mit einem Mann gehabt haben - auch nicht, wenn der Sex geschützt war, also zum Beispiel Kondome benutzt wurden. Die Wartezeit von einem Jahr wird auch Rückstellfrist genannt.

Die Bundesregierung begründet das unter anderem mit einem generell erhöhten Übertragungsrisiko für Infektionskrankheiten wie HIV. An diesen Regeln gibt es massive Kritik. Denn de facto bedeutet das ein Blutspendeverbot für Männer, die Sex mit Männern haben.

Schwule Single-Männer müssen weiter warten

Doch das soll sich jetzt ändern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant nach ZDF-Informationen, die Rückstellfrist für homosexuelle Männer abzuschaffen, wenn sie in einer monogamen Beziehung leben. Schwule Männer, die zum Beispiel die Ehe geschlossen haben, müssen künftig also nicht mehr ein Jahr warten, bis sie Blut spenden dürfen - sofern sie keine "offene Beziehung" haben.

Das geht aus einer Antwort des Gesundheitsministeriums an den FDP-Abgeordneten Jens Brandenburg hervor. In dem Schreiben heißt es auch, dass die Neuerung nicht für Männer mit einem sexuellen Risikoverhalten gelten soll. Sie sollen künftig aber nicht mehr zwölf, sondern nur noch vier Monate vor einer Blutspende auf Sex verzichten müssen. Der Nachweis erfolgt über eine Selbstauskunft.

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Bundestag hatte Neuregelung gerade erst abgelehnt

Das allerdings hatte Spahn bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Eigentlich wollte er die Rückstellfrist für schwule Männer bereits bis spätestens November verkürzen. Und einen Antrag von FDP und Grünen, das Blutspendeverbot ganz abzuschaffen, hatten Union, SPD und AfD noch am Mittwoch im Bundestag abgelehnt.

Jens Brandenburg begrüßt die geplante Regelung für monogam lebende schwule Männer trotzdem: "Nun tut sich was. Der politische Druck hat Bewegung in die Diskussion gebracht", sagt er ZDFheute. Er kritisiert aber auch, Spahn könne sich wohl doch noch nicht ganz von "alten Vorurteilen" lösen. Brandenburg sagt:

Safer Sex zwischen zwei Single-Männern ist kein größeres Risiko als ein ungeschützter One-Night-Stand zwischen Heterosexuellen.
Jens Brandenburg, FDP

Unklar, wann die neue Regel kommt

Wann genau die Lockerungen des Blutspendeverbots kommen sollen ist unklar. In der Antwort des Gesundheitsministeriums heißt es, der sogenannte "Arbeitskreis Blut" habe der Neuregelung am Montag zugestimmt. Als nächstes müsse noch der Vorstand der Bundesärztekammer sein OK geben.

Brandenburg rechnet damit, dass der endgültige Beschluss noch im September fallen dürfte. Das wäre ein interessantes Timing. Am 26. September ist schließlich Bundestagswahl.

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