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Kommentar - Kein Mitleidsbonus mehr für Boris Johnson

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Der britische Premier Boris Johnson ist nach seiner schweren Covid-19-Erkrankung zurück im Dienst. Er steht vor schwierigen Aufgaben. Ein Kommentar von Yacin Hehrlein.

Der britische Premierminister Johnson hat seine Corona-Erkrankung überstanden und nimmt nun die Regierungsgeschäfte wieder auf. Ein schnelles Ende der Corona-Beschränkungen schließt er aus.

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"Boris bounces back to get UK moving", lautet die beschwingte Schlagzeile der Daily Mail auf der Titelseite heute Morgen, "Boris wieder auf den Beinen, um Großbritannien in Gang zu bringen". Ein bisschen Optimismus tut jetzt gut nach so viel schlechten Nachrichten, dachte sich da wohl das rechtskonservative Boulevardblatt.

Das ist Johnson und seiner Regierung prinzipiell wohlgesonnen. Aber zuletzt hatte selbst die konservative Presse wenig Anlass gefunden, um den Premier und seine Mannschaft für ihren Umgang mit der Corona-Krise zu loben.

Der britische Premierminister Johnson hat baldige Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen abgelehnt. ZDF-Korrespondent Andreas Stamm über Johnsons Wiederaufnahme seiner Amtsgeschäfte.

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"Boris wird es richten" ist Wunschdenken

Dass Boris es jetzt also wieder richten wird, klingt insofern womöglich mehr nach Wunschdenken, als nach konkreter Hoffnung. Zumal dies gleichzeitig mit einer Forderung verbunden ist. Nämlich der, dass Johnson die Ausgangsbeschränkungen lockert.

In seiner eigenen Partei scharren viele mit den Hufen, um die Wirtschaft vor dem drohenden Zusammenbruch zu retten. Doch dies ist nicht das einzige Problem, mit dem sich der Premier bei seiner Rückkehr in die Downing Street konfrontiert sieht.

Todeszahlen im europäischen Vergleich hoch

Da ist weiterhin das Dilemma, Krankenhaus- und Altenpflegepersonal ausreichend mit Schutzausrüstungen zu versorgen. Zu viele Corona-Tote bei Ärzten und Krankenpflegern sprechen eine deutliche Sprache. Überhaupt sind die Todeszahlen im europäischen Vergleich zu hoch, um von einem erfolgreichen Corona-Management auf der Insel reden zu können.

Die Regierung habe in allen Bereichen zu spät gehandelt und die Krise verschlafen, lautet der Vorwurf von vielerlei Seiten. Und immer wieder wurden Versprechungen gemacht, die dann selten eingehalten wurden.

Johnson muss auf sein Charisma vertrauen

Die nächste Prüfung steht bereits diese Woche an, wenn der Termin ansteht, zu dem das Gesundheitsministerium angekündigt hat, 100.000 Tests pro Tag durchzuführen. Man darf gespannt sein, mit welchen raffinierten Ausreden die Regierung aufwartet, wenn auch dieses Ziel verfehlt wird.

Hier wendet sich Boris Johnson nach seiner Rückkehr in die Downing Street an sein Volk:

Die Zahl der Corona-Toten in Großbritannien übersteigt 20.000. Premier Johnson ist zurück bei der Arbeit - und wendet sich an sein Volk.

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Johnson war jetzt drei Wochen außer Gefecht. Außenminister Dominic Raab hat ihn in dieser Zeit im Rahmen seiner Fähigkeiten vertreten, ohne größere Fehler zu begehen aber auch ohne die Nation zu inspirieren.

Der Premierminister wird nun wohl einmal mehr auf sein Charisma vertrauen müssen, um die Stimmung zu drehen. Viel Zeit bleibt ihm nicht. Und auf den Mitleidsbonus kann er jetzt auch nicht mehr zählen.

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Ärzte und Krankenschwestern am 22.04.2020 in einem Krankenhaus in Barcelona
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